Ross Brawn zum Australien-Fiasko: Anders ging’s nicht

Von Mathias Brunner
Formel 1
Ross Brawn in Melbourne

Ross Brawn in Melbourne

​Die australischen Fans sind sauer auf den Autosport-Weltverband FIA und die Formel-1-Führung: Wieso hat die Absage des Australien-GP so unsäglich lange gedauert? F1-Sportchef Ross Brawn verteidigt sich.

Der Australien-GP ist abgesagt, keiner glaubt ernsthaft daran, dass die Formel 1 in wenigen Tagen in Bahrain antritt, von Vietnam ganz zu schweigen. Bereits sieht ein durchaus realistisches Szenario so aus, dass die Formel-1-WM erst im Juni in Baku beginnen kann.

Der Autosport-Weltverband FIA und «Formula One Management» müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, auf die Gefahr durch die Coronavirus-Panedemie zu träge reagiert zu haben. Formel-1-CEO Chase Carey hat sich so verteidigt.

Nun bezieht auch Formel-1-Sportchef Ross Brawn Stellung. Der 65jährige Engländer sagt: «Bis zum nachgewiesenen Coronavirus-Fall bei McLaren haben wir alles daran gesetzt, das Rennwochenende von Australien fahren zu können. Die Formel 1 ist ein wirtschaftliches Schwergewicht hier, und Australien ist für uns ein wirtschaftlich wichtig. Die Königsklasse muss funktionieren. Daher hatten wir uns dazu entschlossen, den Saisonbeginn wie geplant durchzuführen, ganz einfach auch deswegen, weil die Situation noch vor 48 Stunden ein ganz andere war.»

«Wir sind dann wohl alle davon überrascht worden, wie schnell die Lage eskaliert ist. Niemand etwa hätte sich ausrechnen können, was in Italien alles passiert. Ich stand mit Ferrari-Teamchef Mattia Binotto in den vergangenen Wochen in ständigem Kontakt, ich könnte spüren, wie sich seine Stimmung immer mehr verdüstert hat.»

«Ich kam mir vor wie auf einem Schiff, das in einem Sturm segelt, und wir alle hofften darauf, heil herauszukommen. Wir wollten in schwierigen Zeiten mit dem Rennen in Australien ein optimistisches Zeichen setzen. Aber als der erste Coronavirus-Fall bei McLaren auftrat und klar wurde, dass sie nicht zum Rennen antreten, wurde auch uns bewusst – jetzt haben wir ein echtes Problem.»

Aber wieso dauerte es vom McLaren-Startverzicht bis zur offiziellen Absage des Australien-GP so lange? Ross Brawn verteidigt sich: «Es war ein ziemlich aufwändiger Job, zur richtigen Entscheidung zu kommen. Wir mussten uns durch so viel Punkte arbeiten. Wir mussten die Teamchefs zusammentrommeln und eine Sitzung abhalten. Das erforderte alles Zeit. Eine Rennabsage erledigst du nicht einfach so mir nichts, dir nichts. Da gibt es sehr viele Faktoren zu beachten. Das war sehr stressig, und wenn ich mir ansehe, dass wir das alles in einem Zeitraum von rund zwölf Stunden geschafft haben, dann finde ich das jetzt nicht so übel.»

Es kursierte auch der Vorwurf, die Königsklasse sei schlecht auf solch einen Fall vorbereitet gewesen. Das lässt der frühere Teamchef Ferrari und Mercedes nicht auf sich sitzen. «Wir hatten in Kooperation mit den Gesundheitsbehöreden zahlreiche Notfallpläne vorbereitet. Aber du kannst nicht endlos Zeit damit verbringen, alle möglichen Szenarien durchzugehen.»

Ohne Rennen kein Preisgeld für die Rennställe. Ross Brawn erklärt: «Die Teams überleben dank des Preisgelds, das wir ausschütten. Also wird eine Rennabsage Auswirkungen auf die Budgets der Zukunft haben. Jeder gestrichene Grand Prix wird auch Auswirkungen auf uns als Firma haben. Aber die Formel 1 ist belastbar und flexibel. Wir haben Pläne, wie wir die Saison neu gestalten wollen. Wir wollen so viele der verlorenen Rennen wie möglich im späteren Verlauf der Saison nachholen. Die Fans bitten wir um Tolerenz dafür, wie wir dabei vorgehen.»

Der Formel-1-Kalender 2020

15. März: Melbourne, Albert Park Circuit/AUS (abgesagt)
22. März: Bahrain, Bahrain International Circuit/BRN (ohne Zuschauer)
05. April: Hanoi, Street Circuit Hanoi/VN (fraglich)
03. Mai: Zandvoort, Circuit Park Zandvoort/NL (fraglich)
10. Mai: Montmeló bei Barcelona, Circuit de Barcelona-Catalunya/E (fraglich)
24. Mai: Monte Carlo, Circuit de Monaco/MC (fraglich)
07. Juni Aserbaidschan, Baku City Circuit/AZ
14. Juni: Montreal, Circuit Gilles Villeneuve/CDN
28. Juni: Le Castellet, Circuit Paul Ricard/F
05. Juli: Spielberg, Red Bull Ring/A
19. Juli: Silverstone, Silverstone Circuit/GB
02. August: Mogyoród bei Budapest, Hungaroring/H
30. August: Francorchamps, Circuit de Spa-Francorchamps/B
06. September: Monza, Autodromo Nazionale/I
20. September: Singapur, Marina Bay Street Circuit/SGP
27. September: Sotschi, Sochi Autodrom/RUS
11. Oktober: Suzuka, Suzuka Circuit/J
25. Oktober: Austin, Circuit of the Americas/USA
1. November: Mexico City, Autódromo Hermanos Rodríguez/MEX
15. November: São Paulo, Autódromo José Carlos Pace/BR
29. November: Abu Dhabi, Yas Marina Circuit/UAE
Ohne neuen Termin: Shanghai, Shanghai International Circuit/RCH

Mehr über...

Siehe auch

Wir bitten um Verständnis, dass Sie diesen Artikel nicht kommentieren dürfen.

Seltsame Ducati-Politik: Vertreibung von Dovizioso

Günther Wiesinger
Andrea Dovizioso war dreimal Vizeweltmeister, jetzt ist er wieder WM-Zweiter. Aber die Ducati-Manager haben ihn jahrelang abschätzig behandelt. Jetzt haben sie den Salat. Ein würdiger Ersatz fehlt.
» weiterlesen
 

TV-Programm

  • Mo. 28.09., 12:10, SPORT1+
    Motorsport - ADAC Formel 4
  • Mo. 28.09., 12:20, SPORT1+
    Motorsport - ADAC Formel 4
  • Mo. 28.09., 13:05, SPORT1+
    Motorsport - ADAC Formel 4
  • Mo. 28.09., 15:00, Sky Sport 1
    Formel 1: Großer Preis von Russland
  • Mo. 28.09., 15:00, Sky Sport HD
    Formel 1: Großer Preis von Russland
  • Mo. 28.09., 15:30, Motorvision TV
    UIM F1 H2O World Powerboat Championship
  • Mo. 28.09., 16:00, Motorvision TV
    Monster Jam FS1 Championship Series 2016
  • Mo. 28.09., 16:15, Hamburg 1
    car port
  • Mo. 28.09., 16:35, Sky Sport 2
    Formel 1: Großer Preis von Russland
  • Mo. 28.09., 16:45, Motorvision TV
    Tour European Rally
» zum TV-Programm
8DE