Saisonplanung extrem schwierig: Singapur als Warnung

Von Mathias Brunner
Formel 1
Auch Singapur kämpft gegen den Virus

Auch Singapur kämpft gegen den Virus

​Unter den Plänen der F1-Führung, um 2020 eine verkürzte Saison durchführen zu können: Grands Prix in Pakete packen. Aber das ist nur in der Theorie eine verlässliche Idee, wie das Beispiel Singapur zeigt.

Der Autosport-Weltverband FIA und Formula One Management kämpfen mit einem beweglichen Ziel: Niemand kann heute sagen, wie sich die Corona-Pandemie in den kommenden Wochen und Monaten weiter entwickeln wird. Und doch sagt Silverstone-Geschäftsführer Stuart Pringle: «Mitte Mai will die Formel 1 einen Plan vorlegen, wie eine verkürzte Weltmeisterschaftssaison aussehen könnte.»

Formel-1-Sportchef Ross Brawn hatte festgehalten: «Wir sehen uns alle Möglichkeiten an, wir prüfen alles. Besonders genau erörtern wir die Logistik zur Durchführung eines Rennens unter Ausschluss von Zuschauern – wie genau könnten wir die Fachkräfte hinbringen, wie können wir sie schützen, wie sieht ein sicheres Arbeitsumfeld aus, wer darf ins Fahrerlager?»

«Wir könnten eine Art geschlossenes Umfeld erzeugen, die Teams in Charterflügen transportieren, sie kontrolliert zur Strecke bringen, mit Fachkräften, die auf den Virus getestet sind. Rennen ohne Zuschauer wären nichts Grossartiges, aber besser als gar nichts. Die Möglichkeit von GP-Wochenenden aus nur zwei Tagen bleibt bestehen.»

Was Brawn ebenfalls plant: Rennen in regionale Pakete packen und dann jeweils WM-Läufe innerhalb von acht Tagen zu fahren. Wir reden von Kombinationen wie Singapur mit Vietnam, wie Baku mit Russland, wie Japan mit China, wie Bahrain mit Abu Dhabi.

Formel-1-CEO Chase Carey wird versuchen, jene Grands Prix zu retten, die am meisten Antrittsgelder in die Kassen spülen, also WM-Läufe wie Baku, Vietnam, Russland oder China, wie die beiden Rennen in Arabien.

Gemäss Abkommen mit den TV-Sendern fliessen nur dann die vollumfänglichen Gelder aus den Übertragungsrechten, wenn eine WM aus mindestens 15 Rennen besteht. Ob Geisterrennen oder nicht, spielt dabei keine Rolle.

Völlig ungeklärt bleibt die Frage, wie Formula One Management das alles finanziell stemmen will. Bei Rennen, die aus der Staatskasse bezahlt werden (China oder Baku) spielen Geisterrennen keine Rolle. Ein Veranstalter wie in Silverstone kommt schon mit voller Hütte finanziell kaum über die Runden. Wer kommt für den Verlust auf, wenn die Einträge aus den Ticketverkäufen weg sind?

Aber im Mai festlegen zu wollen, wie eine verkürzte WM aussehen könnte, das ist mindestens optimistisch, wenn nicht unrealistisch: Es ist auf dem Papier eine naheliegende Idee, Sotschi und Baku zu einem Paket zu schnüren, aber in Russland beispielsweise nehmen die Erkrankungen am Virus SARS-CoV-2 erschreckend zu (mehr als 4200 neue Erkrankungen in den vergangenen 24 Stunden), weiterer Verlauf ungewiss, Dunkelziffer sehr hoch.

Alles steht und fällt mit der Entwicklung der Corona-Pandemie in den verschiedenen Ländern und den Gegenmassnahmen der Regierungen, mit Reiseverboten und geschlossenen Grenzen.

Singapur beispielsweise galt lange als vorbildlich im Kampf gegen Corona – tatkräftig, effizient. Es gelang früh, die Anzahl Infizierter gering zu halten, aber Mitte März nahmen die Fälle wieder zu. Diese zweite Welle von Erkrankungen werden Rückkehrern von anderen Kontinenten zugeschrieben, meist singapurische Staatsbürger.

Zwei Siedlungen mit 20.000 Gastarbeitern mussten zudem unter Quarantäne gestellt werden, weil Dutzende Menschen positiv auf den Virus getestet wurden.

«Singapur hat bei weitem einen der besten Ansätze verfolgt», bestätigt der US-amerikanische Infektiologe Michael Osterholm von der Universität Minnesota im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. Nun aber zeige sich auch im Stadtstaat, wie schwer es doch ist, diesen Virus einzudämmen. Mutmasslich hängt das damit zusammen, dass Kranke nicht zum Arzt gehen; und dass es vermutlich eine unbekannte Zahl von Infizierten gibt, die entweder nur sehr schwache oder gar keine Symptome zeigen. Die Betroffenen wissen dann gar nicht, dass sie Träger sind, geben das gefährliche Virus aber gleichwohl weiter.

Die Folge: Singapur musste die Massnahmen gegen Corona verschärfen. Der Stadtstaat meldete am 17. April 623 neue Krankheitsfälle, am 18. April waren es 942 mehr, am 19. April 596 und am 20. April sogar 1426! Nach offiziellen Angaben handelt es sich dabei vorwiegend um Fälle aus den erwähnten Lagern der Gastarbeiter.

Der gegenwärtige Formel-1-Kalender 2020

05. Juli: Spielberg, Red Bull Ring/A
19. Juli: Silverstone, Silverstone Circuit/GB
02. August: Mogyoród bei Budapest, Hungaroring/H
30. August: Francorchamps, Circuit de Spa-Francorchamps/B
06. September: Monza, Autodromo Nazionale/I
20. September: Singapur, Marina Bay Street Circuit/SGP
27. September: Sotschi, Sochi Autodrom/RUS
11. Oktober: Suzuka, Suzuka Circuit/J
25. Oktober: Austin, Circuit of the Americas/USA
1. November: Mexico City, Autódromo Hermanos Rodríguez/MEX
15. November: São Paulo, Autódromo José Carlos Pace/BR
29. November: Abu Dhabi, Yas Marina Circuit/UAE

Ohne neuen Termin
Shanghai, Shanghai International Circuit/RCH
Melbourne, Albert Park Circuit/AUS
Bahrain, Bahrain International Circuit/BRN
Hanoi, Street Circuit Hanoi/VN
Zandvoort, Circuit Park Zandvoort/NL
Montmeló bei Barcelona, Circuit de Barcelona-Catalunya/E
Aserbaidschan, Baku City Circuit/AZ
Montreal, Circuit Gilles Villeneuve/CDN
Le Castellet, Circuit Paul Ricard/F

Abgesagt
Monte Carlo, Circuit de Monaco/MC

Das ursprüngliche WM-Programm

15. März: Melbourne, Albert Park Circuit/AUS
22. März: Bahrain, Bahrain International Circuit/BRN
5. April: Hanoi, Street Circuit Hanoi/VN
19. April: Shanghai, Shanghai International Circuit/RCH
3. Mai: Zandvoort, Circuit Park Zandvoort/NL
10. Mai: Montmeló bei Barcelona, Circuit de Barcelona-Catalunya/E
24. Mai: Monte Carlo, Circuit de Monaco/MC
7. Juni Aserbaidschan, Baku City Circuit/AZ
14. Juni: Montreal, Circuit Gilles Villeneuve/CDN
28. Juni: Le Castellet, Circuit Paul Ricard/F
5. Juli: Spielberg, Red Bull Ring/A
19. Juli: Silverstone, Silverstone Circuit/GB
2. August: Mogyoród bei Budapest, Hungaroring/H
30. August: Francorchamps, Circuit de Spa-Francorchamps/B
6. September: Monza, Autodromo Nazionale/I
20. September: Singapur, Marina Bay Street Circuit/SGP
27. September: Sotschi, Sochi Autodrom/RUS
11. Oktober: Suzuka, Suzuka Circuit/J
25. Oktober: Austin, Circuit of the Americas/USA
1. November: Mexico City, Autódromo Hermanos Rodríguez/MEX
15. November: São Paulo, Autódromo José Carlos Pace/BR
29. November: Abu Dhabi, Yas Marina Circuit/UAE

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