Bahrain-CEO: Von FIA-Plan für Pistenführung verblüfft

Von Adam Cooper
Formel 1
​F1-Sportchef Ross Brawn will im Herbst zwei Mal auf dem Bahrain International Circuit (BIC) fahren und mit der Pistenführung spielen. Strecken-CEO Scheich Salman bin Isa Al-Khalifa wusste davon nichts.

Formel-1-CEO Chase Carey und sein Sportdirektor Ross Brawn suchen nach Möglichkeiten, die reihenweise wegbrechenden Übersee-GP zu ersetzen. Alleine vergangene Woche haben die Veranstalter in Singapur, Aserbaidschan und Japan das Handtuch geworfen. F1-Sportchef Brawn bestätigt, dass erwogen wird, dafür zum Saisonschluss hin zwei Mal in Bahrain zu fahren – auf zwei verschiedenen Pistenvarianten. Der Engländer sagt: «Bahrain ist unter anderem deshalb so attraktiv, weil wir sehr viel verschiedene Variationen der Strecke nutzen können.» Denkbar ist auch, dass einmal am Tag und einmal in der Nacht gefahren wird.

Der ursprüngliche Grand-Prix-Kurs des Bahrain International Circuit (BIC) ist 5,417 Kilometer lang und umfasst 15 Kurven. Er wurde bei der Premiere von 2004 befahren. Ein Jahr darauf war die Piste geringfügig geändert (5,412 km), so wurde von 2005 bis 2009 sowie seit 2012 bis heute gefahren. Auf dem so genannten Langstreckenkurs (6,299 km, 23 Kurven) begann die Formel-1-WM von 2010. Variante 3, von Ross Brawn ins Spiel gebracht: Den äusseren Ring nutzen, der fast nur aus schnellen Bögen besteht, mit einer Querspange von den Kurven 4 bis 13. Damit entsteht ein ultraschnelles Rechteck.

Allein: Kronprinz und Strecken-CEO Scheich Salman bin Isa Al-Khalifa wusste von alle dem nichts. «Wir sind von den Kommentaren von Ross ein wenig überrascht worden», sagt der 50jährige Araber. «Sie haben vor einiger Zeit angefragt, ob wir generell dazu bereit wären, zwei Rennen auf unserer Strecke auszutragen. Wir haben gesagt: Wir sehen uns das gerne an. Die Idee einer anderen Pistenführung kam nicht zur Rede, schon gar nicht so detailliert. Wir finden das interessant und halten es für machbar.»

Brawn ist kein Tagträumer, dem solche Ideen spontan über die Lippen kommen. Unter seinen Mitarbeiter finden wir den früheren Williams-Ingenieur Craig Wilson, zu dessen Aufgaben gehört, auf den verschiedenen Bahnen Überholmöglichkeiten zu prüfen. So hat er zu den Pistenlayouts von Hanoi und Miami beigetragen.

Nochmals Scheich Salman: «Der äussere Ring ist noch nie für ein Rennen genutzt worden, diese Schleife oder das Oval, wie Ross es nennt, haben wir meist für Firmenanlässe benutzt, weil wir gleichzeitig auch den inneren kurzen Kurs verwenden können, das ist praktisch.»

BIC-Betriebsleiter Fayez Ramzy tritt jeweils auch als lokaler Rennleiter auf und sitzt in der Rennstreckenkommission des Autosport-Weltverbands FIA. «Was Sicherheit und Homologation angeht, so ist das kein Problem», sagt er. «Als wir vor Jahren mit dem damaligen Formel-1-Sicherheitsdelegierten Charlie Whiting die Piste abnahmen, wurde an diese Möglichkeit gedacht. Im Grunde handelt es sich ja um den Langstreckenkurs, mit einer kurzen Querspange.»

Diese Schleife wäre nur 3,543 km lang, also gut 1,8 km kürzer als der reguläre GP-Kurs, und 700 Meter kürzer als der Red Bull Ring, wo 2019 Rundenzeiten um 63 Sekunden gefahren werden. Scheich Salman: «Es wäre ein verflixt schneller Kurs, für welchen die Autos auf wenig Abtrieb getrimmt würden; nicht ganz so schnell wie Monza, aber schnell. Und wir könnten drei DRS-Zonen unterbringen.»

Ein möglicher Ablauf für drei Rennen in Arabien zum Saisonende könnte so aussehen:
29. November: Grand Prix von Bahrain (Bahrain International Circuit)
6. Dezember: Zweiter Bahrain-GP, Name unklar (BIC)
13. Dezember: Grand Prix von Abu Dhabi (Yas Marina Circuit)


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