Ferrari: Mattia Binotto gibt Änderungen am Motor zu

Von Mathias Brunner
Formel 1
Ferrari-Teamchef Mattia Binotto

Ferrari-Teamchef Mattia Binotto

​Die Topspeed-Messungen in Österreich hatten gezeigt: Ferrari, Alfa Romeo und Haas sind auf den Geraden zu wenig schnell. Nun gibt Teamchef Mattia Binotto erstmals zu – ja, Ferrari musste den Motor umbauen.

Immer wieder war in den vergangenen Jahren davon die Rede, dass Ferrari beim bärenstarken 1,6-Liter-V6-Turbomotor mindestens im Graubereich des Erlaubten operiere – in Form eines cleveren Systems, die Benzinfluss-Regelung zu umgehen, um kurzfristig mehr Leistung aus der Antriebseinheit zu schöpfen. Ferrari-Teamchef Mattia Binotto betonte im Stehsatz, dass der Motor zu jeder Zeit reglementskonform war.

Kurz vor Schluss der Wintertests Ende Februar 2020 auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya verkündete der Autosport-Weltverband FIA: «Nach gründlicher technischer Untersuchung der Antriebseinheit von Ferrari ist eine Einigung mit dem Team geschlossen worden. Die Details dieses Abkommens bleiben vertraulich.»

Die Konkurrenz findet das unerhört, daher verfassten die Rennställe Mercedes, McLaren, Racing Point, Red Bull Racing, Renault, Williams und AlphaTauri ein gemeinsames Statement: «Wir sind schockiert von der FIA-Mitteilung. Eine Sportbehörde hat die Verpflichtung, in höchster Integrität und Offenheit zu regieren. Wir sind strikte gegen ein vertrauliches Abkommen zwischen Ferrari und der FIA und fordern, dass in dieser Angelegenheit alles auf den Tisch kommt.»

In der Coronakrise hatte die Formel 1 in der Folge grössere Probleme als Fragen zum Ferrari-Motor, aber auch McLaren-Teamchef Andreas Seidl sieht das Ganze als «verpasste Chance für Ferrari. Sie hätten sich mit mehr Transparenz einen Gefallen tun können.» Renault-Teamchef Cyril Abiteboul brummt: «Dieses Thema ist noch nicht erledigt.»

An den ersten beiden Rennwochenenden 2020 in Österreich fiel auf: Die Ferrari-betriebenen Rennwagen von Ferrari, Alfa Romeo und Haas sind auf den Geraden zu wenig schnell. Längst haben Daten der anderen Rennställe bewiesen, was Timo Glock so umschrieben hat: «Es wird offensichtlich, dass 2019 bei Ferrari ein Weg gefunden worden war, mehr Leistung aus dem Motor zu holen. Denn heute sind die Autos 12 bis 15 km/h langsamer auf den Geraden, und das lässt sich nicht mit einer missglückten Aerodynamik erklären. Sondern da ist einfach kein Dampf mehr auf der Kette.»

Nun kommt von Teamchef Mattia Binotto zum ersten Mal so etwas wie ein Eingeständnis, dass am Motor Änderungen vorgenommen werden mussten.

Im Rahmen einer Medienkonferenz am Hungaroring sagt der Italiener ein wenig umständlich: «Das Reglement ist sehr schwierig und kompliziert. Seit vergangenem Jahr haben zahlreiche technische Direktiven der FIA einige Bereiche geklärt. Wir mussten uns diesen Direktiven anpassen. So wie Andere auch. Aber aus Sicht von Ferrari bedeuteten diese Anpassungen, dass wir einen Teil Leistung verloren haben.»

Die Formel-1-Rennställe haben zuletzt am 4. Juni Post bekommen von Nicholas Tombazis. Der Grieche ist beim Autosport-Weltverband der leitende Techniker für Einsitzer. Der frühere Ferrari-Chefdesigner hat vier Direktiven versandt, drei zum Motor, eine zur Abnahme von Material beim Boxenstopp.

Bei den Motor-bezogenen Richtlinien ging es um Folgendes: Die technische Direktive 18/20 beschreibt den Einsatz eines zusätzlichen Sensors. Er soll genauer messen, wie viel elektrische Energie vom Hybridsystem abgegeben wird. Hier wird also geprüft, ob die gesammelte Energie gemäss Reglement ins Antriebssystem fliesst.

Bei Richtlinie 19/20 geht es um den Ölverbrauch, der in der Saison 2020 auf drei Deziliter pro 100 Kilometer verringert worden ist (2019 waren es noch 0,6 Liter). Die FIA-Regelhüter wollen verhindern, dass Öl als leistungssteigerndes Element in den Benzinkreislauf eingegeben wird. Die FIA will zudem das Ölversorgungs-System regelmässiger kontrollieren.

Richtlinie 20/20 schliesslich dreht sich um eine genauere Kontrolle der Daten aus der Benzinfluss-Regelung.

Die FIA nimmt keine Stellung zur Frage, ob die drei neuen Motor-Richtlinien eine direkte Folge des vertraulichen Abkommens mit Ferrari sind.

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