Sebastian Vettel: Aston Martin-Renner erhält Namen

Von Mathias Brunner
Der 2011er Red Bull Racing-Rennwagen von Sebastian Vettel, sauber beschriftet

Der 2011er Red Bull Racing-Rennwagen von Sebastian Vettel, sauber beschriftet

​Seit 2008 gibt der Heppenheimer Sebastian Vettel seinen Formel-1-Autos Namen. Diese Tradition wird fortgesetzt, wenn der vierfache Weltmeister seine Karriere bei Aston Martin fortsetzt.

Alberto Ascari packte jeweils das nackte Grausen, wenn er eine schwarze Katze erblickte. Tazio Nuvolari konnte beim Renneinsatz nicht auf seine Schildkrötenbrosche verzichten. Alles skurriler Aberglaube leicht verschrobener Italiener aus der Steinzeit des Rennsports, meinen Sie? Mitnichten! Fragen Sie doch mal Sergio Pérez, der stets ein Papstbild im Rennwagen mitführt. Und zwei verschiedenfarbene Rennschuhe von Alexander Wurz, das war Kult. Ganz abgesehen davon, dass die meisten Racer ihre kleine Rituale pflegen – immer von der gleichen Seite ins Rennauto einsteigen, zum Beispiel.

Sebastian Vettel hätschelt auch ein paar sympathische Marotten. Die Glücksmünze im Rennschuh gehört dazu. Und natürlich hat Seb einen kleinen Sparren, wenn er seinen Rennwagen Namen gibt. Im Grunde ist das nur eine Spielerei. Für Sebastian Vettel ist es aber alles andere als unwichtig. Vielmehr ist es zu einem Ritual geworden: Vor jeder Saison verpasst der Rennfahrer seinem neuen Boliden einen Namen, in Zusammenarbeit mit seinen Mechanikern.

«Das hat sich einfach so ergeben, es war eigentlich nie geplant», sagte Vettel vor einigen Jahren über seinen kleinen Tick, der 2008 in seiner ersten vollen GP-Saison begann, damals fuhr der junge Seb für die Scuderia Toro Rosso (heute AlphaTauri). «Meine Crew und ich setzen uns vor dem Saisonstart zusammen für ein kleines Brainstorming», erklärt Vettel den Namensfindungsprozess. In der Regel ist es ein Abendessen, zu dem Vettel seine Crew einlädt, entweder bei den Wintertests oder knapp vor dem Saisonbeginn.

Das erfolgreichste Auto von Vettel? Passenderweise «Hungry Heidi», die hungrige Heidi. Mit ihr gewann Vettel in seinem letzten WM-Jahr mit Red Bull Racing 13 von 19 Rennen, das war 2013.

Die erfolglosesten Damen waren 2014 Suzie (Red Bull Racing), 2016 Margherita (Ferrari) und 2020 Lucilla (Ferrari). Es waren Vettels einzige volle Saisons in der Formel 1 ohne Sieg.

Die Namen haben in der Regel wenig Bezug zur Realität, meist hat Vettel und seinen Schraubern die Bezeichnung einfach gefallen. Vettel: «Es geht mehr um den Spass und um einen Namen, der spontan allen gefällt.»

Ab 2008 folgte Vettel eine Weile lang dem Alphabet – J für Julia, K für Kate, L, für Liz, M für Mandy. Dann brach diese Serie ab.

Kylie war 2011 angelehnt an die australische Pop-Ikone Kylie Minogue. Den Anfang bei Ferrari machte 2015 logischerweise Eva.

Margherita, der Name des 2016er Autos, stand nicht nur für die Lieblingspizza von Sebastian Vettel (und auch nicht für die italienische Königin gleichen Namens, wie einige Italiener damals stolz verkündeten). Das griechische Wort «margarites» stammt aus dem Persischen und steht für – Perle. Leider erwies sich der Wagen dann als wenig glänzend: kein Sieg 2016.

Vettel damals auf die Frage eines italienischen Journalisten, wieso er sein Auto nach einer Pizza benannt habe: «Also ich habe nicht zunächst an eine Pizza gedacht, sondern Margherita ist vor allem mal ein schöner Name.»

Der 2017er Name von Vettels Auto: Gina, als Koseform von Regina, der Königlichen. Und wieso Gina? «Einfach, weil wir den Namen hübsch fanden.»

Gina war nicht nur die Königliche, sie war auch ziemlich flott: Kein Auto war 2017 schneller als Gina mit ihren 362,4 km/h in Mexiko-Stadt. Vettel startete mit Gina 13 Mal aus Reihe 1 (gleich oft wie Weltmeister Lewis Hamilton). Vettel ging in Russland, Ungarn, Singapur und Mexiko vom besten Startplatz ins Rennen.

Vettel stand dank Gina 13 Mal auf dem Siegerpodest (wie Hamilton), fünf Rennen konnte der Heppenheimer gewinnen – Australien, Bahrain, Monaco, Ungarn und Brasilien.

Der Name des 2018er Autos wurde bei einem Dinner in Melbourne 2018 festgelegt: Loria.

Wikipedia weiss – ein Ort in Venetien (9354 Einwohner), dann haben wir zwei rennradfahrende Brüder (Domenico und Eugenio), einen Mathematiker, einen Naturforscher, dazu zwei Fussballspieler. Loria steht auch für ein französisches Informatiklabor und ein Strategiespiel. Und für eine Hochzeitsfoto-Agentur in den USA.

Aber so kamen die Ferrari-Mechaniker und Seb gewiss nicht auf den Namen. Vettel lässt sich nicht in die Karten gucken: «Das ist halt der Name, den wir uns haben einfallen lassen. Und wenn nicht alle wissen, wie wir darauf gekommen sind, dann ist das vielleicht auch Teil des Spasses.»

2019 hiess der Wagen von Vettel dann Lina. Sebastians früherer Red Bull Racing-Stallgefährte Mark Webber witzelte: «Ist sie nun lean (englisch für schlank oder mager) und heisst deshalb Lina?» Vettel: «Ja genau, vielleicht hätte ich sie ja ‘lean Lina’ nennen sollen.» Mager war auch die Beute: Vettel konnte nur einmal gewinnen, in Singapur.

2020 dann nochmals ein L, Lucilla.

Und bei Aston Martin? Die kleine Macke bleibt, wie Vettel meiner Kollegen Bianca Garloff vom Portal f1-insider verraten hat. «Ich habe schon eine Idee. Es muss jedenfalls ein Name sein, der zu Aston Martin passt.»

Die Autos von Sebastian Vettel

Toro Rosso 2008: Julia
Red Bull Racing 2009: Kate, dann Kate’s Dirty Sister (Kates schmutzige Schwester)
Red Bull Racing 2010: Luscious Liz (leckere oder üppige Liz), dann Randy Mandy (geile Mandy)
Red Bull Racing 2011: Kinky Kylie (sexy Kylie)
Red Bull Racing 2012: Abbey
Red Bull Racing 2013: Hungry Heidi (hungrige Heidi)
Red Bull Racing 2014: Suzie
Ferrari 2015: Eva
Ferrari 2016: Margherita
Ferrari 2017: Gina
Ferrari 2018: Loria
Ferrari 2019: Lina
Ferrari 2020: Lucilla
Aston Martin 2021: ?

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