Formel 1: Verstappen-Schlappe in Monaco

Sensation: Mattia Binotto von Ferrari zu Mercedes?

Von Mathias Brunner
Toto Wolff und Mattia Binotto

Toto Wolff und Mattia Binotto

Ferrari-Teamchef Mattia Binotto hat die Kündigung eingereicht. Wechselt der 53-jährige, in der Schweiz geborene Italiener ausgerechnet zum langjährigen Ferrari-Rivalen Mercedes-Benz?

Es war die Formel-1-Meldung des Tages am 29. November: Mattia Binotto verlässt Ferrari, der Teamchef hat seine Kündigung eingereicht. Eigentlich ein Wunder, wie lange es der ruhige Italiener auf dem Schleudersitz von Ferrari ausgehalten hat. Als Favorit unter möglichen Nachfolgern gilt der Franzose Fred Vasseur.

Ferrari hat nicht kommuniziert, wie lange Mattia Binotto für kein anderes GP-Team arbeiten darf. Branchenüblich ist eine Frist von sechs bis zwölf Monaten. Und dann? Binotto wird nachgesagt, auf der Wunschliste von Alpine zu stehen, um die technische Leitung bei den Franzosen zu übernehmen. Oder – pikant – er könnte ausgerechnet zum langjährigen Ferrari-Rivalen Mercedes-Benz wechseln. Unklar ist, wie Binotto dort am besten in die bestehende Aufstellung passen könnte.

Alles undenkbar? Nicht in der Formel 1. Immerhin sind vor Binotto schon herausragende Techniker wie Aldo Costa und James Allison von Ferrari zu Mercedes gezogen. Und vielleicht blüht Binotto nach einem Tapetenwechsel auf, so wie seine zwei Kollegen zuvor.

Aldo Costa war Technikchef bei Ferrari, als die Italiener vorderhand letztmals einen Fahrer-WM-Titel gewannen, das war 2007 mit Kimi Räikkönen, verdammt lang her. Aber Costa ist überzeugt davon, dass Ferrari alle Ressourcen besitzt, um wieder einen Titel zu erobern, wie er gegenüber den Kollegen von Automoto betont hat. Da sprach der zurückhaltende Ingenieur aus Parma auch über den unterschiedlichen Druck, den er bei Ferrari und bei Mercedes spürte.

«Als ich 2012 zu Mercedes kam, merkte ich schnell, dass dort eine ganz andere Atmosphäre herrscht – sehr pragmatisch und anpassungsfähig, da war nichts zu spüren von Politik und Drama. Bei Mercedes wird alles daran gesetzt, dass sich die Mitarbeiter auf ihren verschiedenen Posten so gut als möglich entfalten können.»

Natürlich unterstellen diese Worte, dass all dies bei Ferrari eben nicht passiert. Costa weiter: «Bei Ferrari bist du unter ständiger Beobachtung. Die Medien machen Druck, die Tifosi machen Druck, die Aktionäre machen Druck, der Barista macht Druck, bei dem du am Morgen einen Espresso trinkst.»

Von 2014 bis 2018 entstanden die Silberpfeile unter Costas Leitung, 2018 wurde Costa zunächst Berater, dann ging er auf eigenen Wunsch zurück nach Italien. Dort übernahm er den Posten des leitenden Technikers in der Rennwagenfabrik Dallara.

James Allison dockte erstmals 1999 bei Ferrari an, ging 2005 als stellvertretender Technischer Direktor aber zurück zu Benetton, das mittlerweile zum Werksteam von Renault geworden war. 2009 wurde er dort zum Technischen Direktor ernannt, diesen Posten behielt er auch, als der Luxemburger Investor Gérard Lopez Renault das in Enstone angesiedelte Team abkaufte. Ab Juli 2013 war Allison zurück in Maranello, dieses Mal als Technischer Leiter.

James Allison war verheiratet, seine Rebecca schenkte ihm drei Kinder: Emily, Matteo und Jonathan. Am 22. März 2016 gab Ferrari bekannt, dass Allison seine Gattin unerwartet verloren habe. Der Engländer erhielt von Ferrari eine Auszeit auf unbestimmte Zeit. Aber schon im April war er wieder an der Arbeit. In der Folge verschlechterte sich das Arbeitsklima zwischen Allison und Ferrari. Die Italiener dementierten wochenlang Gerüchte um eine angebliche Trennung. Ende Juli 2016 wurde aus dem Gerücht aber Tatsache: Ferrari bestätigte, dass Allison das Team mit sofortiger Wirkung verlassen habe.

Allison wurde im Februar 2017 als neuer Technischer Direktor des Mercedes-Rennstalls vorgestellt, am 1. März nahm er seine Arbeit auf. Gleich im ersten Jahr für den neuen Arbeitgeber gab es den vierten Titelgewinn von Lewis Hamilton und den vierten Triumph im Konstrukteurs-Pokal in Folge für Mercedes-Benz, 2018 bis 2020 verteidigten Hamilton und Mercedes ihre Titel unter Allison erfolgreich. Erst 2021 konnte Max Verstappen die Titelserie von Hamilton beenden.

Abu Dhabi-GP, Yas Island

01. Max Verstappen (NL), Red Bull Racing, 1:27:45,914 h
02. Charles Leclerc (MC), Ferrari, +8,771
03. Sergio Pérez (MEX), Red Bull Racing, +10,093
04. Carlos Sainz (E), Ferrari, +24,892
05. George Russell (GB), Mercedes, +35,888
06. Lando Norris (GB), McLaren, +56,234
07. Esteban Ocon (F), Alpine, +57,240
08. Lance Stroll (CDN), Aston Martin, +76,931
09. Daniel Ricciardo (AUS), McLaren, +83,268
10. Sebastian Vettel (D), Aston Martin, +83,898
11. Yuki Tsunoda (J), AlphaTauri, +89,371
12. Guanyu Zhou (RC), Alfa Romeo, +1 Runde
13. Alex Albon (T), Williams, +1
14. Pierre Gasly (F), AlphaTauri, +1
15. Valtteri Bottas (FIN), Alfa Romeo, +1
16. Mick Schumacher (D), Haas, +1
17. Kevin Magnussen (DK), Haas, +1
18. Lewis Hamilton (GB), Mercedes, +3 Runden
19. Nicholas Latifi (CDN), Williams, +3
Out
Fernando Alonso (E), Alpine, Wasserleck

WM-Schlussstand (nach 22 von 22 Rennen)

Fahrer
01. Verstappen 454 Punkte
02. Leclerc 308
03. Pérez 305
04. Russell 275
05. Sainz 246
06. Hamilton 240
07. Norris 122
08. Ocon 92
09. Alonso 81
10. Bottas 49
11. Ricciardo 37
12. Vettel 37
13. Magnussen 25
14. Gasly 23
15. Stroll 18
16. Schumacher 12
17. Tsunoda 12
18. Zhou 6
19. Albon 4
20. Latifi 2
21. De Vries 2
22. Nico Hülkenberg (D) 0

Konstrukteurspokal
01. Red Bull Racing 759 Punkte
02. Ferrari 554
03. Mercedes 515
04. Alpine 173
05. McLaren 159
06. Alfa Romeo 55
07. Aston Martin 55
08. Haas 37
09. AlphaTauri 35
10. Williams 8

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