Barcelona, Tag 1: Lotus glänzt mit Bestzeit

Von Mathias Brunner
Formel 1
Romain Grosjean (Lotus) lässt es knallen

Romain Grosjean (Lotus) lässt es knallen

Die Aufhängungsprobleme scheinen Lotus nicht viel geschadet zu haben – SPEEDWEEK-Technikexperte Gary Anderson über Musterschüler und Sorgenkinder.

SPEEDWEEK-Technikexperte Gary Anderson wollte es am ersten von vier Testtagen genau wissen: Der frühere Jordan-Technikchef stiefelte der Piste entlang, um das Fahrverhalten der 2012er-Autos zu analysieren.
 
Sein Urteil: «Der RBR-Renner von Mark Webber zeigte für meinen Geschmack etwas zu viel Untersteuern in mittelschnellen Kurven, gut möglich, dass hier mit der Abstimmung etwas ausprobiert wurde, als ich an der Piste war. Denn bislang war Red Bull Racing zusammen mit McLaren in Sachen Handling immer ein Musterschüler.»
 
Gute Noten gibt es von Gary auch für einen verblüffend konstanten Dauerlauf von Paul Di Resta im Force India. Wer hier nur auf die Rangliste guckt, erkennt nicht das ganze Bild. Eine beträchtliche Weile waren der Schotte und Nico Rosberg im Silberpfeil zusammen auf der Bahn, beide auf mittelharten Reifen. Und der Force-India-Renner war deutlich schneller! Überhaupt fällt auch Gary Anderson auf: Der neue Mercedes verschleisst die Reifen stärker als gegnerische Chassis das tun.
 
Gary Anderson fährt fort: «Lotus musste den Vorwochen-Test in Barcelona ja auslassen, konnte heute aber den guten Eindruck von Jerez bestätigen. Das Auto liegt satt auf der Strasse, die Rundenzeiten bleiben konstant.»
 
Romain Grosjean bestätigte das mit der Tages-Bestzeit auf weichen Reifen – gut eine Sekunde langsamer als Kamui Kobayashi vor einer Woche, allerdings fuhr Grosjean seine schnellste Zeit am Nachmittag, der Japaner damals am Morgen. Die Probleme mit den Anlenkpunkten der Vorderrad-Aufhängung scheinen bei Lotus jedenfalls gelöst zu sein.
 
Gary Anderson weiter: «Sauber arbeitet offensichtlich daran, die Quali-Schwäche von 2011 auszumerzen. Natürlich war die Barcelona-Bestzeit von Kobayashi in der vergangenen Woche kein Indikator dafür, dass sie in Australien alles in Grund und Boden fahren werden. Aber sie scheinen mir auf gutem Weg zu sein, sich im dichten Mittelfeld mit Force India, Toro Rosso und Williams mehr als achtbar aus der Affäre zu ziehen. Heute hat mich der Dauerlauf von Reifenflüsterer Sergio Pérez beeindruckt.»
 
Ferrari sind zweifellos Fortschritte gelungen, aber der Wagen wirkt an der Hinterachse noch immer zu instabil, besonders wenn man an Red Bull Racing oder McLaren gemessen wird. Gary Anderson: «Da wird noch immer mit zähflüssiger Farbe und mit Schutzfolie gearbeitet. Das sind für mich beides Anzeichen, dass die Techniker noch nicht verstehen, was mit dem Luftfluss ums Auto herum genau passiert. Und das ist so kurz vor dem Saisonbeginn schon alarmierend.»
 
Verwirrung auf den Tribünen, als einige Piloten mit unmarkierten Reifen ausrücken. Erklärung: Pirelli will gerüstet sein, sollte die Formel-1-Reifenfabrik ausserhalb von Istanbul nicht liefern können – sagen wir nach einem Erdbeben (in der Türkei bedauerlicherweise nicht ungewöhnlich). Also wurden in einem Werk in (man staune) Rumänien F1-Reifen gebaut, sie entsprechen in der Konstruktion und in der Mischung exakt den 2012er-Walzen. Es ging nur darum herauszufinden, ob sie sich auch so verhalten.
 
Heikki Kovalainen musste sich durch Vitaly Petrov ersetzen lassen: «Oben raus, unten raus – so schlecht war mir schon lange nicht mehr», twitterte der Finne, der übermorgen wieder fahren möchte.
 
Von HRT ist bislang nur ein hübsch weiss-golden lackiertes Motorhome zu sehen, das Team plant jedoch weiterhin, mindestens am Sonntag hier in Barcelona antreten zu können. Am Lenkrad wird Pedro de la Rosa sitzen.
 

Die
Bestzeiten vom Donnerstag
 
1. Romain Grosjean (F), Lotus E20-Renault, 1:23,252 (72 Runden)
2. Jenson Button (GB), McLaren MP4/27-Mercedes, 1:23,510 (63)
3. Sergio Pérez (MEX), Sauber C31-Ferrari, 1:23,820 (116)
4. Mark Webber (AUS), Red Bull Racing RB8-Renault, 1:23,830 (101)
5. Nico Rosberg (D), Mercedes MGP W02, 1:23,992 (128)
6. Jean-Eric Vergne (F), Toro Rosso STR7-Ferrari, 1:24,216 (113)
7. Paul Di Resta (GB), Force India VJM05-Mercedes, 1:24,305 (98)
8. Felipe Massa (BR), Ferrari F2012, 1:24,318 (104)
9. Vitaly Petrov (RU), Caterham CT01-Renault, 1:24,876 (124)
10. Pastor Maldonado (YV), Williams FW34-Renault, 1:25,587 (59)
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