Ferrari-Blamage: Kimi Räikkönen raucht, wer bezahlt?

Von Mathias Brunner
Formel 1
Kimi Räikkönen auf dem Hungaroring: Rauch nicht nur von den Reifen

Kimi Räikkönen auf dem Hungaroring: Rauch nicht nur von den Reifen

Kopfschütteln rundum im Fahrerlager, was die Ferrari-Posse im Abschlusstraining zum Ungarn-GP angeht. Kimi Räikkönen ist Leidtragender, die Schuld übernimmt keiner.

Noch immer ist die Nummer von Ferrari gestern im Qualifying zum Ungarn-GP ein heisses Thema im Fahrerlager: Obschon Kimi Räikkönen mehrfach darum bat, nochmals auf die Bahn gehen zu dürfen, waren die Ferrari-Strategen davon überzeugt, dass seine Zeit auf harten Reifen reichen würde, um ins zweite Quali-Segment vorzudringen. Tat sie leider nicht. Die Rauchbildung aus den Ohren von Kimi hat noch nicht aufgehört: «Ein Anfängerfehler, eines Rennstalls wie Ferrari unwürdig.»

Mit diesen sieben Worten spricht der Weltmeister von 2007 aus, was die meisten Gegner denken, und in Gesprächen ist keine Schadenfreude gegenüber Ferrari zu spüren, eher schon Mitleid.

Pat Fry, der leitende Mann am Kommandostand, nahm gestern so Stellung: «Maldonado und Hamilton waren out, wir dachten, die Zeit auf der mittelharten Mischung würde reichen. Das tat es bei Alonso, bei Kimi leider nicht. Leider hat uns die Entwicklung der Piste auf dem falschen Fuss erwischt.»

Die Worte könnten unterstellen, dass Kimi halt langsamer als Fernando war, es ist also gewissermassen des Finnen Schuld, und dann hat sich die böse Piste unerwartet entwickelt. Ja, um Himmels Willen, wer konnte das schon erahnen?

Antwort: alle anderen, nur nicht die Ferrari-Stümper.

Schon in England waren gleich beide Ferrari im ersten Quali-Segment gescheitert, Alonso und Räikkönen waren zur falschen Zeit auf die Bahn geschickt worden ...

Stimme aus dem Fahrerlager: «Wer hat am Kommandostand eigentlich das letzte Wort? Und wieso hält für diese Dummheit niemand den Kopf hin?»

Rein hierarchisch hat der Engländer Pat Fry die Leitung, jener Mann also, der de facto durch die Rückkehr von James Allison als Technikchef zum leitenden Ingenieur degradiert worden ist. Zumal Teamchef Marco Mattiacci ja gerne betont, dass sein rechter Arm James Allison heisse.

Fry direkt unterstellt ist Diego Ioverno, als Leiter des Boxenbetriebs, dann ist da natürlich Kimis Renningenieur Antonio Spagnolo, dem der Brite David Lloyd als Hilfe zur Seite gestellt wurde, weil Kimi seit Monaten an der Abstimmung seines Ferrari herummurkst. Ironie der Geschehnisse: Ausgerechnet hier in Ungarn schien es endlich mal gut zu laufen für Kimi, dann der Kapitalfehler.

Ferner haben wir ex-Red Bull Racing-Mitarbeiter Neil Martin als Chef des Aussenpostens in Maranello, wo Techniker in Echtzeit die Mannschaft vor Ort mit Rat unterstützen.

Merken Sie etwas? Das sind ziemlich viele Fachkräfte, die da potenziell mitreden.

Ferrari-Star Fernando Alonso hat schon vor Monaten festgehalten: Gewisse Abläufe bei den Italienern müssen vereinfacht werden, die Kommunikationswege sind zu verästelt.

Wollte Teamchef Marco Mattiacci auf diesem Gebiet nicht aktiv werden? Wie lange will er Aktionen wie in Silverstone oder am Hungaroring noch zuschauen, bis er personell umstellt? Was hätte es geschadet, den Vollgas-Tiger Kimi mit einem Satz Reifen aus dem Käfig zu lassen?

Wäre Räikkönen des Italienischen mächtig, hätte er wohl so reagiert wie vor einem Jahr Alonso nach einem missglückten Windschattenkniff mit dem damaligen Stallgefährten Felipe Massa, in Monza.

Fernando war damals im Funk so zu hören: «Veramente siete scemi, mamma mia ragazzi.»

Später meinte der Spanier, er habe natürlich «geni» gesagt.

Aber geni (Mehrzahl von Genie) und scemi (Mehrzahl von scemo, Dummkopf) liegt lautmalerisch ja auch sehr nahe beieinander ...

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