ORF 2017 ohne Formel 1? Fans in Österreich schockiert

Kolumne von Mathias Brunner
Formel 1
Pioniere der Formel 1 für Österreich: Heinz Prüller und Niki Lauda

Pioniere der Formel 1 für Österreich: Heinz Prüller und Niki Lauda

​Wie das Magazin «TV-Media» gemeldet hat, wolle der ORF über 2016 hinaus auf die Berichterstattung aus der Formel 1 verzichten. GP-Fans in Österreich sind schockiert.

Die Formel-1-Freunde in Österreich sind baff: Die Programmzeitschrift «TV-Media» hat vermeldet, der ORF ab 2017 auf die Rechte zur Übertragung von Grands Prix verzichten. Dabei hat der ORF absolute Pionierarbeit geleistet, zu Zeiten, als es noch kein RTL und Sky gab, als Jochen Rindt 1970 zum Massenphänomen und Niki Lauda 1975 zum zweiten Formel-1-Champion aus dem Alpenland wurde. Heinz Prüller hat mit seinen leidenschaftlichen Reportagen den Grundstein für eine tiefe Liebe Österreichs zur Formel 1 gelegt und auch viele Fans aus Deutschland sowie der Schweiz in seinen Bann gezogen – und das alles soll nun zu Ende gehen?

Fakt ist: der bestehende Vertrag mit Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone läuft noch bis Ende 2016.

Fakt ist auch: entschieden ist überhaupt nichts. Ein ORF-Sprecher quittierte im Online-Portal des Standard die Meldung von TV-Media postwendend: «Ob und zu welchen Bedingungen die Formel 1 weiterhin im ORF zu sehen sein wird, ist laufend Gegenstand von Gesprächen und wurde von Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz noch nicht entschieden.»

Nach Informationen von SPEEDWEEK.com verhält sich die Sachlage so: Innerhalb des ORF gibt es zwei Fraktionen – die einen sind grundsätzlich dafür, die Formel 1 weiterhin zu zeigen. Dabei stellt sich aber die Frage, ob jährliche Kosten in Höhe von 13 bis 15 Millionen Euro (je nach Informationsquelle) mit Ecclestone nicht verhandelbar wären (siehe RTL und Sky weiter unten). Die andere Fraktion findet, dieses Geld könnte man in Eigenproduktionen des ORF investieren, und dafür müsste die Formel 1 halt über die Klinge springen.

Fakt ist auch: die Einschaltquoten sind nicht mehr so hoch wie beim Höhenflug von Red Bull Racing und Sebastian Vettel bei vier WM-Titeln von 2010 bis 2013. Der Rückgang der Zuschauerzahlen ist jedoch weniger gross als beispielsweise in Deutschland bei RTL. Dort haben sich die Quoten nach einem Einbruch 2014 wieder erholt.

Schon im vergangenen Juni sagte ORF-Finanzdirektor Richard Grasl im Rahmen eines Gastkommentars in der «TV-Media»: «Natürlich gehört die Formel 1 seit Jahrzehnten als ganz starke Marke zum ORF-Image, die man nicht leichtfertig aufgibt. Natürlich ist die Rückkehr nach Spielberg ein ganz starkes Argument, natürlich sind die führenden Funktionen Niki Laudas, Toto Wolffs und die bis vor kurzem dominierende Rolle des österreichischen Red Bull-Teams auf der Haben-Seite zu verbuchen. Aber genauso beschäftigen wir uns mit dem Rückgang des Seherinteresses wegen komplizierter Modi, einer Fadesse erzeugenden Dominanz einiger Teams und mit der Frage, wie ein öffentlich-rechtliches TV zu ökologischen Fragen steht.»

«Vor allem aber ist es bei knappen Mitteln eine Prioritätenfrage: Können jene Millionen, die uns die Formel 1 kostet, nicht für anderes besser eingesetzt werden – für österreichische Filme, Serien, Dokus oder grosse Live-Events, die im TV immer wichtiger werden? Die Entscheidung, die wir demnächst zu treffen haben, wird wohl spannender als so manches der letzten Rennen.»

Formel-1-Fans könnten bei dieser süffisanten Bemerkung einwenden: Hat sich Grasl auch über fade Rennen aufgeregt, als Red Bull Racing mit Sebastian Vettel und Mark Webber zu fünfzig GP-Siegen eilten?

Und: Der ORF hat sich für die Saison 2015/2016 nach drei Jahren wieder die Rechte an der europäischen Fussball-Königsklasse gesichert. Das soll pro Saison vier Millionen Euro kosten. Wird nach einer faden Kickerei auch darüber diskutiert, künftig wieder auf den Fussball zu verzichten? Zumal die Einschaltquoten für die Champions League teilweise niedriger sind als bei der Formel 1?

Während sich Grasl mindestens als Formel-1-kritisch positioniert hat, gilt ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz als neutral bis Formel-1-wohlgesonnen. In der ganzen Diskussion geht es auch um interne Machtverhältnisse beim ORF. Durchaus möglich, dass mit der Schockmeldung von TV-Media gezielt Stimmung gemacht werden soll – 2016 wird ein neuer Generaldirektor gewählt. Will sich Grasl mit einer klaren Linie für die Wahl empfehlen?

Das weitere Vorgehen: Zuerst müssen sich die Entscheidungsträger beim ORF darüber einig werden, was sie überhaupt wollen, dann wird man mit einem Vorschlag bei Bernie Ecclestone vorstellig. Wann das passiert, ist völlig unklar.

RTL und Sky haben verlängert

Im August war offiziell geworden: RTL und Sky zeigen auch in den kommenden beiden Jahren 2016 und 2017 Formel-1-Rennen. Das neue Abkommen von RTL umfasst die exklusiven Fernsehrechte in freier Ausstrahlung an sämtlichen Elementen eines GP-Wochenendes (also drei freie Trainings, Qualifying, Rennen inklusive Siegerehrung) – die Rechte können aber auch weitergegeben werden, wie es in den vergangenen Jahren mit SPORT1 oder n-tv geschehen ist.

Frank Hoffmann, Programm-Geschäftsführer von RTL: «Seit fast einem Vierteljahrhundert ist die Formel 1 fester und wichtiger Bestandteil unseres Programmangebots. Wir haben mit der Formel 1 eine Erfolgsgeschichte geschrieben, die einzigartig ist und die wir daher selbstverständlich fortsetzen möchten. Wir sind der Überzeugung, dass die Königsklasse auch in den nächsten Jahren ein populäres TV-Sportangebot bleibt.»

Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone: «Ich freue mich, dass wir unseren langjährigen Vertrag mit RTL verlängern könnten. 2016 jährt sich die kontinuierliche Berichterstattung von RTL zum 25. Mal. RTL hat immer eine exzellente Präsentation der Formel 1 in Deutschland garantiert, nicht nur hinsichtlich der Streuung der Berichterstattung, sondern auch beim journalistischen Niveau.»

Lange hatten der deutsche TV-Sender RTL und Bernie Ecclestone um die Rahmenbedingungen jenes Vertrages gerungen, der künftig die deutschen TV-Übertragungsrechte der Grands Prix regelt. Vor allem hinsichtlich des Preises waren sich die beiden Parteien nicht einig. Der Preis liege nun mit 25 Millionen Euro jährlich deutlich tiefer als zu Glanzzeiten, in denen RTL dank Rekord-Sieger Michael Schumacher noch 50 Millionen Euro jährlich hingeblättert haben soll.
Kurz nach der Verkündung von RTL zog Sky nach: Neben den Live-Übertragungsrechten via Satellit und Kabel umfasst der Vertrag die Internet-, IPTV- und Mobile-Rechte für Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Burkhard Weber, Sportchef von Sky, sagt: «Sky ist seit 1996 Partner der Formel 1 und wird dies auch künftig bleiben. Die Formel 1 ist für unsere Kunden ein wichtiger Bestandteil unseres umfassenden Sportangebots. Wir sind überzeugt davon, dass sie auch in Zukunft erfolgreich sein wird. Somit können Sky-Kunden die Königsklasse des Motorsports auch in den kommenden Jahren an jedem Rennwochenende mit besonderen Analysen und aus mehreren Perspektiven live verfolgen.»

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