Peter Bom: Der Weg zum erfolgreichen Crew-Chief

Von Thomas Baujard
Moto2
Der MotoGP-Paddock vereint unterschiedliche Menschen aus der ganzen Welt und ihre spannenden Lebensgeschichten. Danny Kents Crew-Chief Peter Bom ließ SPEEDWEEK.com an seiner Geschichte teilhaben.

Peter Bom lebt in Assen, nur wenige Kilometer vom TT Circuit entfernt. Schon seit seiner Kindheit lebte er seine Faszination für Motorräder als Schrauber und Fahrer aus. 2015 erreichte er mit dem Moto3-Titelgewinn durch Danny Kent im Leopard-Team ein weiteres Highlight in seiner Karriere, nachdem er schon mit Fahrern wie Stefan Bradl, Cal Crutchlow, Chris Vermeulen oder Neil Hodgson zusammengearbeitet hatte.

Im Gespräch mit SPEEDWEEK.com blickte er nun auf seine Anfänge und den Weg in den Rennsport zurück. «Ich besuchte nur eine niedrigere technische Schule, weil ich die Schule nicht besonders mochte», lachte Bom. «Alles was ich nun weiß, habe ich mehr oder weniger auf meinem Weg bis zu jetzigen Tag gelernt. Ich war nie auf einer weiteren Schule. Danach hatte ich in verschiedenen Positionen mit Motorrädern in Shops oder als Ducati-Importeur zu tun.»

«Ich war acht Jahre lang Ducati-Importeur, was eine spannende Zeit war, denn zu dieser Zeit kamen interessante Motorräder auf dem Markt wie die 888, die 916 oder die Monster. In dieser Zeit war ich auch einige Mal im Werk und traf die Ingenieure wie Massimo Bordi, der die Vierventil-Technik entwickelte. Ich besuchte auch NCR Ducati, was eigentlich nur ein kleiner Teil einer großen Firma war, aber es war damals für Ducati, was HRC nun für Honda ist. Dort verirrte ich mich in einen vergessenen Winkel des Werks und sah sehr viele museumsreife Maschinen, die sie entsorgen wollten. Damals wurde noch nicht so sehr auf diese Dinge geachtet. Ich hatte insgesamt eine sehr interessante Zeit mit Ducati. Danach war ich bei einer kleinen Entwicklungsfirma für Motorräder in Holland, die auch mit Ducati zusammenarbeitete. Dafür zog ich in den Norden Hollands. Danach begann Ten Kate mit dem Rennsport. Da ich schon immer begeisterter Rennsport-Fan war, fragte ich sie nach einem Job. So hat das alles begonnen.»

Im Jahr 2000 folgte für Bom der Schritt in den Rennsport. «Es war klar, wenn ich etwas mit Motorrädern machen will, dann kann ich kein Mechaniker sein, denn ich hatte meinen Körper durch viele Stürze schon sehr in Mitleidenschaft gezogen. Ich kann nicht den ganzen Tag stehen und körperlich arbeiten. Dann sagten sie mir, dass ich in diesem Fall Data Recording machen muss, denn das sei die Zukunft. Ich hatte schon immer großes Interesse daran, Dinge zu messen, ich denke analytisch und will wirklich verstehen, wie die Dinge funktionieren. Das ist also ein Traum für mich. Anfangs hatten wir kaum Ahnung davon und kauften simple Systeme aus England, die für Kart- und Autosport entwickelt wurden. Innerhalb weniger Jahre hatten wir dann ein sehr gutes Level erreicht. Ich hatte eine wirklich gute Zeit bei Ten Kate und lernte sehr viel. Niemand hatte anfangs Erfahrung, aber wir entwickelten uns und waren dann sehr erfolgreich. Fünf Jahre habe ich im Rennsport mit Ten Kate verbracht.»

In der Supersport-WM feierte Bom 2003 mit dem Australier Chris Vermeulen, der niederländische Vorfahren hat, im Ten Kate-Team den Weltmeistertitel. «Zwei Jahre arbeitete ich mit Chris, einem sehr interessanten Fahrer, in der Supersport-WM, danach auch in der Superbike-WM. Ich erlebte sehr gute Jahre in der Superbike-WM und arbeitete auch mit Broc Parkes und Karl Muggeridge. Ein paar habe ich jetzt vergessen, denn es waren in jedem Jahr zwei oder drei Fahrer. Danach zog ich in die USA für das Werksteam von Ducati. Ich war 2007 dort. 2006 hatten sie 2005er-Maschinen von Régis Laconi und James Toseland mit vielen Motoren und Teilen nach Amerika geschickt. Einige Leute wurden von Ducati in Europa für dieses Projekt engagiert, ich war einer von ihnen, der Rest waren Amerikaner. Eine Saison in der Amerikanischen Meisterschaft (AMA) hatte zwölf Rennen, aber es war ein sehr intensives Erlebnis. Zum ersten Mal nach Daytona zu kommen, war unglaublich. Als Neil Hodgson zum ersten Mal an die Box kam und die Seite der Maschine ganz weiß und zerkratzt war, war ich wirklich beeindruckt.»

«Doch es war das letzte Jahr, in dem Ducati dieses Projekt verfolgte. Ich kam zurück nach Europa, dann fragte mich Yamaha, ob ich für sie in der Supersport 600 arbeiten könnte. Kurz nach mir, kam auch Wilco Zeelenberg dazu. Wir hatten Gaststarts mit Fahrern wie Anthony West oder Eugene Laverty. 2009 gewann Yamaha mit Cal Crutchlow endlich den Supersport-WM-Titel, den sie so sehr verdient hatten. Am Montag nach dem Titelgewinn wurden wir alle von Yamaha gefeuert, was aber keine Überraschung war, denn wir wussten, dass sie dieses Projekt einstellen wollten. Ich wusste also, dass ich mich nach einer anderen Aufgabe umsehen muss.»

Im deutschen Kiefer-Team fand Bom einen neuen Job. «Die Moto2 wurde 2010 zur neuen WM-Klasse, das war sehr interessant für mich. Die Chassis sind sehr interessant und bieten mehr Möglichkeiten als jene in der Supersport-WM. Es gibt nicht viel Elektronik, was sich komisch anhört, aber ich bin kein riesiger Fan von Elektronik. Das Kiefer-Team rief mich an. Sie arbeiteten mit Stefan Bradl und Vladimir Leonov. Am Ende hatten wir ein wirklich gutes Jahr, denn wir konnten siegen. Das zweite Jahr war brillant. Danach wurde es für Kiefer schwieriger, sie waren ein bisschen old school als Team. Sie hatten öfter Probleme, einen Sponsor zu finden, aber die Atmosphäre ist wirklich gut. Ich arbeite nun schon im siebten Jahr für das Kiefer-Team. Sie hatten schwierige Jahre, denn mit einem kleinen Budget bekommt man nicht immer die besten Fahrer. Ich war auch in den ersten Moto3-Jahren dabei. Mit jungen Fahrern in der Moto3-Klasse geht man immer ein Risiko ein, man kann auch verlieren. Doch seit Leopard im letzten Jahr dazukam, haben wir mehr Ressourcen.»

Danny Kent sorgte 2015 für riesige Erfolge im Leopard-Team der Kiefer-Brüder und wurde Moto3-Weltmeister. «Das Kiefer-Team und ich dachten sofort an Danny Kent. Er war schon lange als Fahrer unterwegs und hatte großes Potenzial, das er manchmal schon zeigen konnte. Wir konnten ihn in unser Team holen, der Rest ist bekannt», lachte Bom.

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