Aki Ajo (KTM): Was er von Masia und Acosta erwartet

Von Günther Wiesinger
Moto3
Nach einigen Jahren der Honda-Überlegenheit gewann KTM 2020 zum vierten Mal die Moto3-WM. Teamchef Aki Ajo will mit Jaume Masia 2021 um den Titel fighten.

Dem erfolgreichen Red Bull-KTM-Ajo-Team gelangen auch in der Corona-Saison 2020 mit Raúl Fernandez Moto3/zwei Siege) sowie Tetsuta Nagashima (Moto2/ein Sieg) und Jorge Martin (Moto2/zwei Siege) fünf GP-Erfolge, dazu acht weitere Podestplätze. Und mit dem dreifachen Moto3-GP-Sieger Jaume Masia (20) und dem 16-jährigen Supertalent Pedro Acosta (Red Bull-Rookies-Cup-Gesamtsieger 2020) hat der finnische Teambesitzer Aki Ajo für 2021 wieder eine schlagkräftige Fahrerpaarung unter Vertrag.

KTM hat in der vergangenen Saison neun der 15 Moto3-WM-Rennen gewonnen, Husqvarna als Zweitmarke der Österreicher eines, Honda fünf. Dazu sicherte sich KTM im neunten Jahr der 250-ccm-Moto3-WM durch Albert Arenas den vierten WM-Titel nach Cortese 2012, Viñales 2013 und Binder 2016. Die KTM RC250GP präsentierte sich schlagkräftiger als in den letzten Jahren, nachdem Honda 2014, 2015, 2017, 2018 und 2019 triumphiert hatte.

Vielleicht wurde die Entwicklung in der Moto3-Klasse eine Weile neben der Moto2 und MotoGP etwas vernachlässigt. Denn als KTM 2017 neu in diese beiden Klassen einstieg brachte Honda gleich sieben Fahrer auf die ersten sieben Plätze der Fahrer-WM!

KTM fiel es damals schwer, genügend Spitzenteams und Spitzenfahrer zu gewinnen. Denn Honda hatte nach der KTM-Siegesserie von 2013/2014 mit 27 GP-Erfolgen in Serie gewaltig investiert und mit der neuen Honda NSW250RW ein schlagkräftiges Sieger-Motorrad gebaut. HRC unterstützte die Teams mitunter auch durch die Bezahlung der Fahrergagen. So wurden viele Rookies-Cup-Talente von KTM zu den Japanern gelockt.

Nach 2016 schlugen Red Bull und KTM zurück, indem alle förderungswürdigen Rookies-Cup-Talente bei einem KTM-Moto3-WM-Team untergebracht wurden.

In der vergangenen Saison landeten je fünf KTM und Honda-Fahrer in den Top-Ten der Gesamtwertung.

Red Bull KTM-Teambesitzer Aki Ajo und seinen Kollegen fällt es jetzt wieder leichter, Topfahrer auf die Bikes aus Oberösterreich zu setzen.

«In der Moto3-WM erleben wir seit vielen Jahren einen Kampf zwischen Honda und KTM», sagt Ajo. «Die Kräfteverhältnisse haben sich manchmal verschoben. Inzwischen zeigt KTM in der Moto3 wirklich wieder ein sehr starkes Potenzial. Ich bin überzeugt: Jetzt sind die Fahrer wieder glücklich, wenn sie die Chance bekommen, in einem Top-Team von KTM zu fahren.»

So wurde jetzt der schnelle Jaume Masia als WM-Sechster von Leopard-Honda zurück zu KTM geholt.

Ajo Motorsport hat bisher insgesamt sechs Fahrer-WM-Titel gewonnen und dazu 96 GP-Siege und 196 Podestplätze errungen.

Traut Aki Ajo seinem Schützling Jaume Masia den Titelgewinn 2021 zu?

Ajo: «Ich gebe vor der Saison ungern Prognosen ab. Mein Stil ist es, nicht viel über die WM-Chancen zu sprechen, sondern einfach noch bessere Arbeit zu leisten. Wie gesagt: Wir haben jetzt ein gutes System gefunden mit je zwei Fahrern in den Klassen Moto3 und Moto2. Ich bin zuversichtlich, dass wir zu den Teams gehören werden, die um den Titel kämpfen können. Aber ich will nicht zu viel darüber nachdenken und nicht viel darüber sprechen. Unser Ziel ist es, jeden Tag besser zu werden.»

Ajo setzt vor allem auf die Erfahrung von Jauma Masia, der schon dreieinhalb GP-Jahre hinter sich hat, 2017 in Österreich im Caponera-Team auf KTM debütiert und mittlerweile 53 Grand Prix absolviert hat. Dabei hat er insgesamt sieben Podestplätze verbucht. «Jaume braucht noch etwas mehr Selbstvertrauen. Ich hoffe, dass wir ihm da helfen können und die richtige Harmonie finden», meint Weltmeister-Macher Ajo.

Pedro Acosta gewann die ersten sechs der zwölf Rookies-Cup-Rennen 2020 und gewann die Nachwuchsserie mit 64 Punkten Vorsprung. Es herrschte dann ein heftiges Tauziehen um Acosta, Ajo behielt das bessere Ende für sich.

«Ich habe mit seinem Manager Albert Valera schon vor einem Jahr über Pedro geredet», schildert der Finne. «Ich habe immer ein Auge auf ihn gehabt. Mein Sohn Niklas und ich haben ihn auch in der CEV-Junioren-WM beobachtet. Was uns besonders gefiel war seine Arbeitsweise. Uns hat beeindruckt, dass er seinen eigenen Weg geht. Andere Fahrer ins einem Alter kopieren nur die Gegner und verfolgen sie im Training auf der Piste. Pedro hat viel Selbstvertrauen; er arbeitet oft im Alleingang, er kümmert sich um die Beständigkeit und die Rennpace. Das sind vielversprechende Anzeichen. Er hat uns gezeigt, dass er sich von anderen jungen Talenten unterscheidet. Als wir mit Red Bull und KTM entschieden habe, dass Raúl Fernandez bei uns nach zwei Siegen als WM-Vierter in die Moto2-WM aufsteigt, war für mich klar, dass wir Pedro nehmen, wenn er verfügbar ist. Und als wir so weit waren, stand er zur Verfügung.»

Was darf man von Rookie Acosta im ersten GP-Jahr erwarten? «Wir haben schon viele Rookies gesehen, die in unseren Team eine schwierige erste WM-Saison erlebt haben», hält Ajo fest. «Der Aufstieg vom Rookies-Cup und von der Junioren-WM ist kein Kinderspiel für die Neulinge. Die Kämpfe sind härter, du musst neue Erfahrungen sammeln. Aber Pedro ist sehr professionell und sehr fokussiert. Er hat bei uns in Portimão am Montag nach dem Finale getestet und uns wirklich beeindruckt. Er hat sich ganz um die Rennpace gekümmert. Wenn er in diesem Stil weitermacht und kühlen Kopf bewahrt, kann er in der ersten GP-Saison bereits gute Highlights erreichen. Aber ich bin bei Prognosen der Rookies vorsichtig geworden. Man weiß nie… Normal braucht ein Neuling drei Jahre in der Moto3-WM. Pedro war im Rookies-Cup sehr kontant und sehr eindrucksvoll. Wir haben einen Zwei-Jahres-Vertrag mit ihm. Bei Saisonmitte werden wir besser wissen, wie er auf dem höheren Level zurechtkommt. Bis dahin müssen wir mit den Füßen auf dem Boden bleiben. Aber das Ziel ist, ihn bald in die Moto2-WM zu bringen. Und dann in die MotoGP. Das muss immer das Ziel sein. Mit Brad Binder und Migiuel Oliveira ist uns das auch gelungen.»

Die WM-Titelgewinne von Ajo Motorsport

2008: 125 ccm, Mike di Meglio auf Derbi
2010: 125 ccm, Marc Márquez auf Derbi
2012: Moto3, Sandro Cortese auf KTM
2015: Moto2, Johann Zarco auf Kalex
2016: Moto2, Johann Zarco auf Kalex
2016: Moto3, Brad Binder auf KTM

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