Danilo Petrucci: «MotoGP-Bike macht keinen Spaß»

Von Nora Lantschner
MotoGP
Danilo Petrucci bei der Arbeit

Danilo Petrucci bei der Arbeit

Ducati-Werksfahrer Danilo Petrucci erklärt, warum er von der MotoGP-Klasse so fasziniert ist, obwohl er eigentlich auf dem Motocross-Bike mehr Spaß hat.

Die MotoGP-Asse haben im Moment mehr Freizeit, als ihnen lieb ist. Daher herrscht auf den sozialen Netzwerken Hochbetrieb. Auch Danilo Petrucci, der zu Hause in Terni das «Hotel Mama» genießt, nutzt die Zwangspause für Instagram-Live-Chats. So war er kürzlich auf dem Kanal des Promoters der Motocross-Italienmeisterschaft FX Action zu Gast, keine Stunde später stand er Andrea Schlager bei @servusmotogp Rede und Antwort. Kein Wunder also, dass er interessante Vergleiche zwischen den zwei Disziplinen anstellte.

Der Ducati-Star wechselte mit 14 Jahren vom Minicross auf das Straßenmotorrad, für das Training und aus purer Leidenschaft ist der inzwischen 29-Jährige immer noch häufig auf den MX-Strecken anzutreffen.

«Im Motocross kommt die Freiheit des Fahrers zum Ausdruck», schwärmte «Petrux». «Dort zählt der Fahrer viel mehr, er hat mehr Spielraum. Er kann mehr von sich aus einbringen, wenn er fährt. In der MotoGP – und dieser Satz mag jetzt merkwürdig klingen – macht das Fahren keinen Spaß», hielt er fest. «Denn um schnell zu sein, musst du eine Methode anwenden, die oft eben kein Vergnügen ist.»

Das heißt aber noch lange nicht, dass der Mugello-Sieger von 2019 seinen Job nicht genießt: «Die MotoGP ist faszinierend, weil es eine wirkliche Herausforderung ist, es ist dein ganzes Leben. Du fährst eines der schnellsten Bikes auf dem Planeten, mit den schnellsten Fahrern der Welt – und die Herausforderung besteht darin, der Schnellste der Welt zu sein; ein Bike ans Limit zu bringen, das nur 22 Fahrer auf der Welt fahren dürfen. Das ist die Challenge: Das beste Motorrad der Welt gegen die besten Fahrer der Welt zu bewegen.»

«Ich habe schon mit vielen Fahrern darüber gesprochen, weil ich dachte, vielleicht bin ich in der Hinsicht merkwürdig. Aber es hat sich herausgestellt, dass es normal ist», ergänzte der Italiener. «Vielleicht liegt es auch daran, dass wir auf unserem Level – kaum höher als das eines Amateurs – auf dem Motocross-Bike noch Spaß haben können. Ich weiß nicht, wie Tony [Cairoli] oder Gajser das sehen», verwies er auf zwei der MXGP-Weltmeister der vergangenen Jahre.

«Auf Asphalt täuscht es, weil die Strecke immer dieselbe zu sein scheint. In Wirklichkeit ist der Unterschied zwischen 9 Uhr am Morgen und 15 Uhr am Nachmittag wie Tag und Nacht. Von außen sieht man es nicht», erklärte der Sechste der MotoGP-WM 2019. «Auf dem MX-Bike kannst du als Fahrer mehr von dir selbst einbringen, in der MotoGP musst du dich mehr der Situation anpassen. Alle Fahrer haben einen eigenen Stil und spezielle Eigenschaften, aber zu 80 Prozent muss man sich auf das Motorrad und die Reifen einlassen und sich an die vorherrschenden Bedingungen anpassen.»

«Selbst wenn du in der MotoGP versuchst, mehr von dir zu geben und die Intensität zu erhöhen, schaffst du es damit trotzdem nicht, deine Rundenzeit zu verbessern. In der MotoGP ist der stärkste Fahrer derjenige, der sich an das Motorrad, die Reifen und die Strecke anpasst – bei den jeweiligen Bedingungen; der Fahrer, der sich konstant anpasst.»

«Alle MotoGP-Fahrer haben ihr ganzes Leben darauf hingearbeitet, dort zu sein», weiß Petrucci aus eigener Erfahrung. Das macht die Königsklasse der Motorrad-WM aus seiner Sicht so reizvoll: «Jeder MotoGP-Fahrer ist ein Biest. Du kannst dort keine schwachen Fahrer finden. Daher ist es sehr schwierig, den Unterschied zu machen. Das ist das Beste daran. Du fährst mit den besten Fahrern der Welt.»

Dazu kommt: «Ich habe solches Glück, dass ich das beste Bike fahren kann, dass Ducati je gebaut hat. Das macht mich als Italiener besonders stolz», unterstrich der 29-Jährige, der in der MotoGP-WM seit 2015 auf Ducati unterwegs ist und für die Saison 2019 in das Werksteam befördert wurde.

Zurück zum Thema Biest: Wen sieht Petrux in der Hinsicht ganz vorne? «Ich kann keinen Fahrer aus den Top-5 hervorheben. Im Vorjahr bin ich auf WM-Rang 6 gelandet, obwohl ich lange um den dritten Platz gekämpft habe. Ich kann aber unmöglich sagen, welcher der Schlimmste oder der Beste ist, für mich ist jeder der schlimmste Feind», lachte der Italiener, der trotz Ausgangssperre und Zwangspause die gute Laune nicht verloren hat.

«Gegen Marc, Andrea, Fabio, Maverick oder Valentino anzutreten… Das sind alles harte Knochen. Es ist sehr schwierig. Jeder hat eine besondere Fähigkeit, Valentino ist zum Beispiel auf der Bremse wirklich stark, das gilt auch für Andrea. Aber man kann nicht behaupten, dass Marc nicht auch wirklich gut auf der Bremse wäre», gab der Ducati-Werksfahrer schmunzelnd zu. «Wie gesagt, alle 22 Fahrer sind unglaublich. Den Unterschied machen manchmal nur die Details aus.»

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