Danilo Petrucci: Heute Besuch bei KTM in Munderfing?

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Valencia-GP 2019: Petrucci (9) vor Pol Espargaró (44), Aleix Espargaró und Zarco

Valencia-GP 2019: Petrucci (9) vor Pol Espargaró (44), Aleix Espargaró und Zarco

KTM muss sich nach vier Jahren von Pol Espargaró trennen und einen vielversprechenden Ersatz suchen. Immer deutlicher bringt sich der beherzte Kämpfer Danilo Petrucci als Favorit für den KTM-Job in Stellung.

Obwohl KTM im aktuellen Vertrag mit MotoGP-Aushängeschild Pol Espargaró eine Art Vorkaufsrecht («right of first refusal») verankert hat und der Spanier bis zu diesem Termin keinen neuen Vertrag unterschreiben darf, steht seit 5. Juni fest, dass sich der WM-Elfte nach einigem Hin und Her für die sportliche Herausforderung bei Repsol-Honda entschieden hat.

Die KTM-Verträge sind folgendermassen gestaltet: Wenn ein Werkspilot ein Angebot eines anderen Herstellers bekommt, muss er KTM über die Details des Angebots unterrichten. KTM hat dann sieben Tage Zeit, ein Gegenangebot zu unterbreiten. Wenn sie das gegnerische Angebot «matchen», also finanziell gleichziehen, muss der Fahrer den Vertrag bei KTM unterschreiben.

Falls KTM das Angebot nicht auf die gleiche Höhe bringt, darf der abtrünnige Fahrer seinen Transfer nicht vor dem 15. September bekannt machen. Widrigenfalls kann KTM eine Strafe von 15 Prozent der Jahresgage kassieren.

Pol Espargaró, der Moto2-Weltmeister von 2013 (auf einer Kalex im Pons-Team), schwankte einige Zeit zwischen Honda und KTM, denn er hat zur familiären KTM-Mannschaft in dreieinhalb Jahren ein sehr inniges Verhältnis aufgebaut. Aber als KTM seine Gage für 2021 und 2022 nicht drastisch erhöhte, war sein Abgang besiegelt.

Honda verkauft ca. 20 Millionen von motorisierten Zweirädern im Jahr, das Budget ist unerschöpflich. «Wir sind Honda, wir können uns das leisten», betonte der einstige Repsol-Honda-Teamchef Livio Suppo, als HRC nach der Saison 2011 bei Kiefer Racing freiwillig 300.000 Euro für die Freigabe von Stefan Bradl ablieferte, obwohl der Moto2-Weltmeister für 2012 nur eine mündliche Zusage gemacht hatte.

Inzwischen verbreitete die renommierte Sporttageszeitung «Gazzetta dello Sport» die Nachricht, der letztjährige WM-Sechste Danilo Petrucci reise heute mit seinem Manager Alberto Vergani zu Red Bull Factory Racing nach Munderfing oder zumindest zu einem Treffen mit Motorsport-Direktor Pit Beirer und Race Manager Mike Leitner, um erste Gespräche zu führen und die Möglichkeiten für 2021 und 2022 abzutasten.

Der Mugello-GP-Sieger von 2019 gilt als logischer Kandidat für die Pol-Espargaró-Nachfolge. Der bullige Italiener findet nach zwei Jahren im Ducati-Werksteam keinen Platz mehr, weil dort Jack Miller fix ist und dazu an einem neuen Deal mit Andrea Dovizioso gearbeitet wird. Es gehe nur noch um die Gage des 14-fachen MotoGP-Siegers, ist zu hören.

Gigi Dall‘Igna, General Manager bei Ducati Corse, sagte angesichts dieser Faktenlage, er würde es unverständlich finden, wenn KTM bei Petrucci nicht zugreifen würde.

Petrucci-Manager Vergani hat bei KTM vor zwei Wochen die Verfügbarkeit seines Schützlings angeboten. Damals hoffte KTM noch auf einen Verbleib von Pol Espargaró, man erbat sich Bedenkzeit.

Vergani wollte heute gegenüber SPEEDWEEK.com eine Reise nach Österreich weder dementieren noch bestätigen.

Durch den Abgang von Espargaró stehen bei Red Bull-KTM momentan die zwei Rookies Brad Binder und Iker Lecuona im MotoGP-Aufgebot für 2021, dazu Miguel Oliveira aus dem Tech3-KTM-Team, der jetzt seine zweite Saison in der Königsklasse bestreitet.

«KTM braucht neben diesen drei Youngstern auch einen Routinier, der das Motorrad entwickeln kann», meint ein KTM-Teammitglied.

Dani Pedrosa (34) wäre ein Wunschkandidat von KTM gewesen, er fuhr im Februar beim Sepang-Test am zweiten Tag die drittbeste Zeit, aber er sträubt sich sogar gegen Wildcard-Einsätze, von einer kompletten Saison mit 20 Rennen ganz zu schweigen. Die Überredungskünste von Pit Beirer und Mike Leitner fielen auch jetzt nicht auf fruchtbaren Boden. Pedrosa gaben ihnen einen Korb.

Und alle anderen Kandidaten mit MotoGP-Erfahrung von Bagnaia bis Nakagami gelten als zweite Wahl. Cal Crutchlow (34) kommt wegen Co-Sponsor Red Bull nicht in Frage, denn er wirbt seit zwölf Jahren für den Konkurrenten Monster.

Petrucci bestreitet bereits seine sechste Saison auf der Werks-Ducati, er hat bisher neun Podestplätze errungen und kommt mit dem aggressiven V4-Gerät glänzend zurecht. «Danilo würde perfekt zur KTM-Familie passen», ließ sich Vergani entlocken.

Bei einer Verpflichtung von Petrucci könnte Red Bull KTM auch dem Portugiesen Miguel Oliveira (2019 Platz 8 beim Spielberg-GP) noch eine weitere Saison im Tech3-Kundenteam schmackhaft machen. Der dreifache Vizeweltmeister hatte sich im Oktober heftig beschwert, als an seiner Stelle Rookie Brad Binder im Werksteam die Nachfolge von Zarco antreten durfte.

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