Dorna: Plan C waren sechs Rennen auf derselben Piste

Von Günther Wiesinger
MotoGP
In Jerez findet am morgigen Mittwoch ein Testtag für alle GP-Klasse und MotoE statt

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Am Höhepunkt der Coronakrise entwickelte der Dorna-Krisenstab drei Notfallpläne. Im «worst case» hätten im Herbst nur sechs Grand Prix stattgefunden, alle auf derselben Strecke.

Zu den Zeiten der tiefsten Coronakrise in der ersten April-Hälfte konnte niemand so richtig abschätzen, ob 2020 noch eine MotoGP-Saison stattfinden könnte, besonders die Teamchefs aus den hart betroffenen Ländern wie Italien, Spanien und Frankreich befürchteten, es könne womöglich erst im Oktober wieder losgehen. Und als der Shutdown, die Ausgangssperren, die Reiseverbote und die Hausarreste in immer mehr Ländern zur Tagesordnung gehörten, musste sogar mit einem Szenario ohne Sportevents 2020 nachgedacht werden. Selbst Dorna-CEO Carmelo Ezpeleta musste sich mit der Frage vertraut machen., ob die WM nicht erst nach dem Vorhandensein eines Covid-19-Impfstoffs wieder losgehen könne.

Inzwischen hat die Dorna fünf Doppel-GP-Events und drei einzelne WM-Läufe in Brünn, Le Mans und Barcelona-Catalunya geplant. Alle 13 Grand Prix finden in Europa statt, nicht weniger als sieben Rennen davon in Spanien. Und sogar für den MotoE-Weltcup und den Red Bull Rookies-Cup wurde ein ansehnlicher Kalender erstellt.

Dazu kam bereits im April die Zusage, dass die Dorna die privaten GP-Teams aller drei Klassen mit stattlichen monatlichen Zuschüssen unterstützen wird – bis inklusive Juli.

Deshalb ist es nicht verwunderlich, wenn sich fast alle Teambesitzer, Teammitglieder, Werke, Piloten, Ausrüster und Sponsoren lobend über die spanische Agentur Dorna äußern, die die Krise von Anfang an mit viel Ruhe und Übersicht bewältigt hat.

Die Dorna hatte Mitte März schon vier MotoGP-Events abgesagt und verschoben, als Formel-1-Promoter Liberty Media noch davon träumte, die ersten drei Events in Australien, Bahrain und Vietnam problemlos durchführen zu können. Der Melbourne-GP wurde erst Freitagfrüh kurz vor dem ersten Training abgesagt… Zu dieserm Zeitpunkt hatte McLaren bereits die ersten Infektionen gemeldet und sich von der GP-Teilnahme zurückgezogen.

Dorna-CEO Carmelo Ezpeleta brüstet sich aber nicht mit der Performance seines Unternehmens. «Wir sind eine kleine, überschaubare Gruppe, das ist bekannt. Und wir haben das Glück, dass wir jederzeit mit den sechs MotoGP-Herstellern und den fünf privaten MotoGP-Teams in Kontakt treten konnten», erklärte Ezpeleta im Gespräch mit SPEEDWEEK.com. «Es war sehr hilfreich, dass wir diese enge Verhältnis haben. Wir haben ständig alle Informationen und Meinungen mit den Teams und den Werken geteilt. Manchmal haben wir langwierige Diskussionen geführt, um zu den besten Lösungen zu kommen. Aber ich muss noch einmal betonen: Wir haben Glück, dass wir immer ein so enges Verhältnis zu den Teams und allen Beteiligten hatten.»

In der ersten verwirrenden und hektischen Phase der Pandemie musste auch die Dorna ein paar Lektionen lernen, denn niemand konnte sich auf so eine Krise vorbereiten. So wurde im März jedes abgesagte Rennen gleich mit einem neuen Datum versehen. Durch diese Schnellschüsse bekam zum Beispiel der Valencia-GP innerhalb von 48 Stunden drei unterschiedliche Termine: 15., 22. und 29. November. Später wurden die beiden Valencia-Events für 8. und 15. November angesetzt.

Nach diesem Hin und Her blieb die Zusammenstellung des neues Kalenders wochenlang geheim, um nicht weitere Verwirrung zu stiften und die Teams zu immer neuen Hotel- und Flugbuchungen anzuregen.

Im April zeichnet sich dann ab, dass sich auch im Mai und Juni keine Motorrad-Rennen abwickeln lassen und dass an Übersee-Events 2020 wegen der Reisewarnungen kaum zu denken sei. Auch die Zuschauer mussten ausgeperrt werden. Der Dorna-Krisenstab vereinbarte dann in Abstimmung mit den Dorna-Aktionären die drei Pläne A, B und C und war erleichtert, als sich die Durchsetzbarkeit des Plans A mit 13 Rennen auf acht Strecken in Europa abzeichnete.

Plan B bedeutete: Zehn Grand Prix auf drei Strecken.

Plan C bedeutete: Sechs Grand Prix auf einer Strecke.

Beim Krisenmanagement kam der Dorna und Großaktionär Bridgepoint zugute, dass der Vertrag mit dem Weltverband FIM für die Überlassung der kommerziellen MotoGP-Rechte bis inklusive 2041 abgeschlossen wurde. So kann langfristig geplant und auch einmal ein Jahr mit geringeren Einnahmen verkraftet werden.

«Wir haben im April auch mit dem düsteren Szenario rechnen müssen, dass wir womöglich alle WM-Läufe auf einem Circuit abwickeln müssen», räumt Ezpeleta ein. Denn zu diesem Zeitpunkt waren alle Grenzen zu, Spanien und Italien standen unter Hausarrest, in manchen Ländern starben 1000 Menschen am Tag am Virus. In der ganzen EU musste man sich nach jedem Grenzübertritt in Quarantäne begeben, denn es waren nicht für jedermann Schnelltests verfügbar.

«Aber nach einigen Wochen hat sich eine Verbesserung der Situation abgezeichnet», stellt der Dorna-Chef fest. «Mit dem aktuellen Rennkalender sind wir alle extrem glücklich. In der MotoE haben wir dieselbe Anzahl Rennen wie ursprünglich geplant. Und für den Rookies-Cup, der für uns sehr wichtig ist, haben wir auch zwölf Rennen zustande gebracht. Darüber sind wir genau so froh wie Red Bull.»

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