Lin Jarvis zu Rossi-Comeback: «Es war kein Politikum»

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Lin Jarvis mit Valentino Rossi

Lin Jarvis mit Valentino Rossi

Valentino Rossi ließ seine Werks-Yamaha für den zweiten Jerez-GP völlig umbauen. Er berichtete von «politischen Streitpunkten». Yamaha-Rennchef Lin Jarvis: «Es ging eher um das Thema 'Daten gegen Sehnsucht'.»

Der 62-jährige Engländer Lin Jarvis macht kein Geheimnis daraus, dass er nach dem ersten Jerez-GP vom 19. Juli nicht damit gerechnet hat, dass sich Valentino Rossi so rasch aus dem Schlamassel rettet. Der neunfache Weltmeister war beim Spanien-GP am Freitag 13., nur 17. im FP4, im Quali an 11 Stelle, und er lieferte im Rennen eine diskrete Vorstellung, bei der er meist zwischen den Rängen 8 und 10 zu sehen war. Bis der M1-Motor platzte.

Doch Lin Jarvis, Managing Director von Yamaha Motor Racing, erlebte sieben Tage später beim Andalusien-GP einen verwandelten Superstar. Platz 2 im FP1 und in der Freitag-Tageswertung, immerhin Rang 8 im FP3, im FP4 an elfter Stelle und immerhin vierter Startplatz.

Rossi hat zwar für das Yamaha Factory Team seit 2009 keine WM gewonnen, aber er hat sich durch die Titelgewinne 2004, 2005, 2008 und 2009 unbezahlbare Verdienste erworben und sich bis ans Ende aller Tage als Yamaha-Galionsfigur etabliert.

Der 115-fache hat sich schon unzählige Male aus hoffnungslosen Situationen gerettet. Aber seine eklatante Steigerung innerhalb von nur fünf Tagen brachte selbst Lin Jarvis zum Staunen.

Beim ersten Jerez-Event hatte sich Rossi noch einen verbalen Schlagabtausch mit Michelin-Rennchef Piero Taramasso geliefert, der nichts Besseres zu tun hatte, als dem Superstar vorzuwerfen, er müsse sich den Hang-off-Style der jungen Generation aneignen.

Rossi erwiderte, seine schwachen Ergebnisse seien nicht die Folge eines antiquierten Fahrstils, sondern die neue Reifenkonstruktionen von Michelin sein zu weich für ihn. «Ich habe meine besten Resultate immer mit hart abgestimmten Motorrädern erzielt», gab der 41-jährige Italiener zu bedenken.

Nach dem starken Freitag (24. Juli) erklärte Rossi zum sichtbaren Fortschritt, er habe mit Yamaha wegen einiger «political issues» (wegen politischer Streitpunkte) heftige Diskussionen geführt und dann von den Japanern die Erlaubnis bekommen, das Motorrad gemeinsam mit Crew-Chief David Munoz umzubauen.

Lin Jarvis schmunzelte über die Ausdrucksweise von Rossi. «Valentino hat zwar den Begriff ‘political‘ verwendet, aber eigentlich ist dieses Wort nicht ganz zutreffend»,. hält Jarvis fest. «Wir haben vier Motorräder im Feld, drei 2020-Werksmaschinen, das Bike von Franco Morbidelli ist ein ‚a-spec‘, also eine Mischung zwischen 2019 und 2020. Es hat eine etwas andere Basis. Aber vom Setting her haben bis zum zweiten Jerez-GP alle vier Fahrer im Großen und Ganzen eine ähnliche Richtung verfolgt. Valentino hatte mit diesem Set-up Mühe, nicht nur beim Re-Start in Jerez, sondern seit einem längeren Zeitraum. Er litt an den Reifen und fühlte sich mit den Bike nicht ganz komfortabel. Die Balance hat für ihn nicht funktioniert. Deshalb wollte er eine Änderung, nachdem er diese Richtung noch für den ersten Jerez-GP beibehalten hatte. Aber die Resultate waren sehr enttäuschend, auch für ihn. Der Defekt tat ein Übriges. Um aus dieser Situation herauszukommen, wollte Valentino eine Änderung herbeiführen. Er wollte das Gefühl zurück, das er mit der M1 in der Vergangenheit gehabt hat, als wir unterschiedliche Settings verwendet haben. Also musste er unsere japanischen Renn-Ingenieure überzeugen, in eine andere Richtung gehen zu dürfen.»

«Das war kein Politikum», betont Jarvis. «Es könnte am besten mit dem Begriff ‚data versus desire‘ beschrieben werden. Es ging also um das Thema ‘Daten gegen Sehnsucht’. Am Ende hat Valentino Druck gemacht, die Verantwortlichen überzeugt und sich durchgesetzt. Wir haben seine Wünschen stattgegeben, denn wir hatten nichts zu verlieren. Er fühlte sich mit dem alten Set-up nicht komfortabel, musste jedoch dringend eine Kehrtwende herbeiführen. Ich glaube, es war sehr wichtig für Valentino, dass er diese Situation nach dem ersten Rennen umgedreht hat. Man muss den Hut ziehen und ‚chapeau‘ sagen, denn er hat es mit Stil und Würde gemacht.»

Ging Rossi nur auf eine härtere Abstimmung zurück? Oder ist er auch auf eine Chassis-Version aus der Vergangenheit umgestiegen?

«No, no. Am Rahmen hat sich nichts geändert. Es ging nur um eine Änderung des Set-ups», hielt Lin Jarvis im Exklusiv-Interview mit SPEEDWEEK.com fest.

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