Pit Beirer: «Mit den Fahrern reinen Tisch gemacht»

Von Günther Wiesinger
Nach dem Re-Start räumten einander Pol Espargaró und Oliveira in Turn 4 gegenseitig ab.

Nach dem Re-Start räumten einander Pol Espargaró und Oliveira in Turn 4 gegenseitig ab.

Bei drei Grand Prix innerhalb eines Jahres räumten sich zwei KTM-Fahrer gegenseitig aus dem Weg. Deshalb gab es gestern von Pit Beirer eine Gardinenpredigt.

Die KTM-Verantwortlichen hatten nach dem GP von Österreich am letzten Sonntag die Schnauze voll. Zum dritten Mal innerhalb eines knappen Jahres hatten sich zwei KTM-Werksfahrer in einem MotoGP gegenseitig aus dem Wettbewerb katapultiert. In Silverstone 2019 räumte Zarco bei einem optimistischen Überholmanöver den Portugiesen Miguel Oliveira ab. Beim Spanien-GP in Jerez am 19. Juli 2020 knallte Brad Binder in der allerersten Kurve Oliveira ins Heck, der Red Bull-KTM-Tech3-Pilot musste aufgeben. Er war von Startoplatz 5 losgebraust!

Und beim Heim-GP am vergangenen Sonntag kamen sich Pol Espargaró und Miguel Oliveira beim Kampf um Platz 5 in Turn 4 gegenseitig in die Quere, wieder lagen zwei Red Bull-KTM im Kiesbett.

Damit nicht genug. Bei den Presse-Interviews am Nachmittag nach dem Rennen vom 16. August beteuerte Pol Espargaró, er habe sich mit Oliveira ausgesprochen; man habe sich nicht gesehen, es sei ein «racing incident» gewesen.

Oliveira schlug aber nach. «Pol hat die Tendenz, nicht nach innen zu schauen, wenn er rausgetragen wurde und wieder auf die Ideallinie zurückkehrt», ätzte der 12-fache GP-Sieger und zweifache Vizeweltmeister (Moto3 und Moto2).

Für weitere Diskussionen sorgte vor allem ein Interview von Oliveira beim TV-Sender «Canal+» direkt nach dem Österreich-GP, in dem der Portugiese dem Spanier unter anderem vorwarf, er würde entweder zu emotional reagieren oder nicht so viel denken.

Danach reichte es den KTM-Chefs. In Spielberg redeten Motorsport-Direktor Pit Beirer und Race Manager Mike Leitner, die Johann Zarco schon im Mai 2019 in Jerez nach firmenschädigenden Äußerungen verwarnt haben, mit ihren zerstrittenen Piloten Klartext.

Musste Pit den Fahrern auf die Finger klopfen? «Eigentlich nicht», entgegnete der 250-ccm-Motocross-Vizeweltmeister von 1999. «Aber wir haben gestern am Abend ein Meeting mit den MotoGP-Fahrern gehabt. Wir haben reinen Tisch gemacht. Wir haben den Tag heute als Team mit vier fantastischen Fahrern begonnen. Es ist alles in Ordnung.»

KTM sah im ersten Rennen von Spielberg wie der sichere Sieger aus. Doch nach der roten Flagge hatte Pol Espargaró keinen Medium-Hinterreifen mehr, außerdem konnten die durstigen Ducati beliebig nachgetankt werden, dadurch konnten sie im Re-Start mit maximaler Motorleistung auftrumpfen. Espargaró verlor also zwei seiner wichtigsten Trümpfe. «das war ein harter Moment. denn Pol hatte das ganze Wochenende über fehlerlos agiert und sich bestens für das Rennen vorbereitet», sagte Beirer. «Aber im zweiten Rennen hatte er keinen Medium-Hinterreifen mehr. Die rote Flagge war ein hartes Schicksal für uns. Aber als wir die Bilder vom Crash Zarco und Morbidelli gesehen haben, wurde das Ergebnis nebensächlich. Am Wichtigsten war, dass niemand ernsthaft verletzt wurde. Wir werden weitere Chancen bekommen. Wichtiger als ein einzelnes Rennen ist, dass wir konkurrenzfähig sind. Ich weiß, Pol will einen Sieg – und der Sieg in Österreich wäre schön gewesen. Aber an diesem Wochenende bietet sich eine neue Gelegenheit.»

Die Aussagen von Oliveira vom vergangenen Sonntag trafen den KTM-Werksfahrer Pol Espargaró hart: «Ich war geschockt, weil ich dachte, dass mein Verhältnis zu Miguel gut sei. Ich war auch schon in so einer Situation, in der Hitze des Gefechts, aber ich habe nie den Respekt vor meinem Gegner verloren, vor allem nicht vor meinem Markenkollegen. Das war keine gute Wortwahl. Er hat sich nicht einmal dafür entschuldigt. Ich würde nie sagen, dass wir nicht alle mit derselben Intelligenz geboren wurden, das ist ziemlich hart – vor allem, weil er das Bike fährt, das ich entwickelt habe. Stellt euch vor, ich hätte seine Intelligenz, dann hätten wir schon im Vorjahr gewonnen», konnte sich Pol eine kleine Retourkutsche nicht verkneifen. Dann ergänzte er aber schnell: «Das ist sicher nicht gut. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Miguel weiß, dass er nicht die besten Worte gewählt hat, um die Situation zu erklären.»

Red Bull-KTM präsentierte sich heute im FP1 in Spielberg in der erwarteten Stärke: Drei Fahrer in den Top-8. Das schaffte kein anderer Hersteller.

Ergebnis Spielberg, MotoGP-FP1, 21.8.
1. Miller, Ducati, 1:23,859 min
2. Dovizioso, Ducati, + 0,004 sec
3. Oliveira, KTM, + 0,039
4. Nakagami, Honda, + 0,052
5. Mir, Suzuki, + 0,102
6. Morbidelli, Yamaha, + 0,339
7. Binder, KTM, + 0,392
8. Lecuona, KTM, + 0,442
9. Viñales, Yamaha, + 0,465
10. Quartararo, Yamaha, + 0,522
11. Pol Espargaró, KTM, + 0,538
12. Pirro, Ducati, + 0,649
13. Petrucci, Ducati, + 0,658
14. Smith, Aprilia, + 0,764
15. Rins, Suzuki, + 0,769
16. Alex Márquez, Honda, + 0,831
17. Rossi, Yamaha, + 0,840
18. Crutchlow, Honda, + 0,905
19. Rabat, Ducati, + 0,947
20. Aleix Espargaró, Aprilia, + 0,949
19. Alex Márquez, Honda, + 1,056
20. Smith, Aprilia, + 1,104
21. Bradl, Honda, +1,055

Ergebnis FP1 Moto3, Spielberg, 21.8.

1. Vietti, KTM, 1:35,977
2. Arenas, KTM, + 0,306 sec
3. Alcoba, Honda, + 0,485
4. Arbolino, Honda, + 0,501
5. Fernandez, KTM, + 0,526
6. Deniz Öncü, KTM, + 0,593
7. Foggia, Honda, + 0,633
8. D. Binder, KTM, + 0,677
9. Masia, Honda, + 0,814
10. Sasaki, KTM, + 0,826

ferner:

15. Baltus, KTM, + 1,035
20. Dupasquier, KTM, + 1,183
28. Kofler, KTM, + 1,795

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