Andrea Dovizioso (Ducati/10.): «Eine Wette verloren»

Von Nora Lantschner
MotoGP
Andrea Dovizioso: Auf der Lederkombi steht in Misano «Unemployed» (zu Deutsch: arbeitslos)

Andrea Dovizioso: Auf der Lederkombi steht in Misano «Unemployed» (zu Deutsch: arbeitslos)

Andrea Dovizioso erklärt nach Platz 10 im Qualifying von Misano, was ihm in der MotoGP-Saison 2020 das Leben schwermacht. Der Ducati-Werksfahrer fiel außerdem mit dem Schriftzug «Unemployed» auf.

Andrea Dovizioso wirkte nach dem Umweg über das Q1 und dem zehnten Startplatz für den Emilia Romagna-GP niedergeschlagen: «Wir analysieren und studieren die Daten immer wieder, nach jeder Session. Es ist ziemlich klar, was passiert, aber es ist sehr schwierig, es auf der Strecke umzusetzen. Die Bremsphase zu verändern ist schwer, weil da viele Dinge passieren», seufzte er.

Einmal mehr betonte der Ducati-Werksfahrer das Grundproblem: «Was ich in den vergangenen drei Jahren gemacht habe – und was wir besser als die Gegner gemacht haben – funktioniert nicht mehr. Ich versuche auch gar nicht, das zu wiederholen. Aber es zu verändern, ist so schwierig. Auch das Set-up des Motorrads ist komplett anders zu allem, was wir in den vergangenen drei Jahren gemacht haben. Es funktioniert für mich nicht instinktiv, dafür braucht man Zeit. Ich muss mich richtig anstrengen, so zu fahren, und daher habe ich Mühe.»

Am Samstag stellte der WM-Leader aber eine Verbesserung fest: «Am Nachmittag habe ich mich verbessert, ich konnte härter bremsen und die 1:31,5 min im Q2 war gut, der Speed ist gut. Ich wusste, dass mir zwei Zehntel fehlten für die ersten zwei Startreihen, aber das konnte ich nicht herausholen.»

Nach dem Dienstag-Test hatte sich «Dovi» insgeheim mehr erhofft, aber auch die Konkurrenz legte zu: «Wir sind näher dran als beim ersten Rennen, aber nicht dort, wo ich es erwartet hätte», gestand er.

Lässt die verkürzte Corona-Saison dem 34-jährigen Italiener noch genügend Zeit, um das Problem zu lösen? «An den Rennwochenenden ist es sehr schwierig, diese Dinge zu verändern», schickte er voraus. «Aber ich glaube nicht, dass die Zeit das eigentliche Problem ist. Was man machen muss, darin liegt die Schwierigkeit. Weil es in eine komplett andere Richtung geht als das, was ich in den vergangenen drei Jahren gemacht hat. Das ist nicht etwas, wo man sagt: ‚Okay, du veränderst das – und dann funktioniert es.‘ Und das ist der Punkt.»

Was sich vor allem in der Bremsphase im Detail verändert hat, versuchte Dovizioso so zu erklären: «Ich werde mir Mühe geben, es so einfach wie möglich zu erklären… Im Vorjahr verfügte der Hinterreifen nicht über denselben Grip wie der neue. Man konnte das Motorrad auf der Bremse also nicht so stoppen, man musste dafür – wie immer mit Michelin – beide Reifen einsetzen. In den vergangenen drei Jahren haben wir aber das Set-up verändert und den Vorderreifen viel mehr genutzt, um das Motorrad abzubremsen. Gleichzeitig haben wir mit dem Slide am Hinterreifen gespielt, um das Motorrad zu stoppen und in die Kurve einzulenken. In diesem Jahr ist der Grip anders, man hat mehr Grip. Also ist der einzige und der beste Weg, um schneller zu sein, den Kurveneingang mehr als die Bremsphase zu nutzen. Man muss also auf eine andere Weise bremsen, man kann nicht denselben Slide produzieren und man kann damit nicht mehr spielen. Und in der letzten Phase des Kurveneingangs muss man viel schneller sein als noch im letzten Jahr, weil einem der neue Hinterreifen die Möglichkeit dazu gibt. Dafür muss man das Motorrad aber erst in eine bestimmte Position bringen, damit das möglich wird, weil der Hinterreifen die Front pusht. Der Kurvenausgang ist nicht mehr so wichtig, man muss stattdessen den Kurveneingang und die Kurvenmitte besser nutzen – und dann mit weniger Gas aus der Kurve fahren. Eben weil man den Grip hat, um im Kurveneingang mehr zu gewinnen, als man im Ausgang verliert. Und das ist das exakte Gegenteil zu dem, was ich in den letzten drei Jahren gemacht habe.»

Übrigens: Auf die Nachfrage eines Kollegen, ob dies wirklich die einfachste Erklärung sei, musste der Ducati-Pilot herzhaft lachen.

Trotz allem scheint Dovi seinen Humor nicht verloren zu haben, was auch der neue Schriftzug an seiner Lederkombi beweist: «Undaunted» machte an diesem Wochenende «Unemployed» Platz. Der dreifache MotoGP-Vizeweltmeister ist also nicht mehr unerschrocken, sondern auf Jobsuche.

«Ich wurde dazu gezwungen, weil ich eine Wette verloren habe. Meine Freunde sagten: Falls ich nach Misano-1 die WM-Führung übernehmen würde, müsste ich das tun – und es ist passiert. Ich habe mich eigentlich nicht so gut angestellt, aber es ist trotzdem passiert», lachte der routinierte Italiener. «Wettschulden muss man ja bekanntlich begleichen. Meine Freunde haben mich dazu gezwungen.»

Ergebnisse Misano, MotoGP, Q2, 19.9.:

1. Viñales, Yamaha, 1:31,077 min
2. Miller, Ducati, 1:31,153
3. Quartararo, Yamaha, 1:31,222
4. Pol Espargaró, KTM, 1:31,308
5. Bagnaia, Ducati, 1:31,313
6. Binder, KTM, 1;31,389
7. Rossi, Yamaha, 1:31,436
8. Morbidelli, Yamaha, 1:31,566
9. Petrucci, Ducati, 1:31,574
10. Dovizioso, Ducati, 1:31,581
11. Mir, Suzuki, 1:31,617
12. Nakagami, Honda, 1:32,284

Die weitere Startaufstellung:
13. Lecuona, KTM, 1:31,715
14. Zarco, Ducati, 1:31,764
15. Oliveira, KTM, 1:31,841
16. Aleix Espargaró, Aprilia, 1:31,912
17. Alex Márquez, Honda, 1:32,198
18. Rins, Suzuki, 1:32,275
19. Smith, Aprilia, 1:32,486
20. Rabat, Ducati 1:32,850

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