Taka Nakagami (1.): «Will gut starten und wegfahren»

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Takakaki Nakagami

Takakaki Nakagami

Takaaki Nakagami bescherte Honda die erste Pole-Position in diesem Jahr. Er war noch nie auf dem MotoGP-Podest, kann sich aber jetzt sogar noch Titelchancen ausrechnen.

Sein LCR-Honda-Teamkollege Cal Crutchlow hat schon gestern nach dem zweiten freien Training beim Gran Premio Liqui Moly de Aragón erklärte, Takaaki Nakagami werden den Grand Prix mit elf Sekunden Vorsprung gewinne, wenn er denselben Speed vorlegen würde wie am Freitag im FP1. Tatsächlich zeigte sich der Idemitsu-LCR-Honda-Pilot auch am Samstag von seiner besten Seite. Er sorgte im Q2 für die erste MotoGP-Pole-Position eines Japaners seit Makoto Tamada 2004.

«Taka stand schon in Österreich einmal in der ersten Reihe, damals ist er am Ende nur Siebter geworden. Vielleicht haben wir morgen mehr Glück», stellte LCR-Honda-Teambesitzer Lucio Ccechinello fest.

Nakagami hat in der Moto2-Klasse schon fünf Trainingsbestzeiten erzielt, die letzte 2028 in Motegi/Japan; in der MotoGP war es seine erste. Und für LCR hat es seit Jerez 2028 (mit Cal Crutchlow) keine Pole mehr zu feiern gegeben.

Unglaublich: Taka war noch nie in einem Rennen auf dem Podest, aber er liegt auf dem fünften WM-Rang, nur 29 Punkte hinter Leader Joan Mir – und es sind noch 100 Punkte zu gewinnen. Dazu kommt: Joan Mir kam über den zwölften Startplatz nicht hinaus.

Takaaki Nakagami, der in Aragón mit 28 Jahren seinen insgesamt 183 Grand Prix absolviert (den 44. in der MotoGP-Klasse), nahm die Pole-Zeit recht gelassen und abgebrüht zur Kenntnis, so etwas wie Euphorie war dem Japaner nicht anzumerken, eher Genugtuung, denn er hat in den ersten zwei Jahren in der «premier class» viel Kritik einstecken müssen. Seine schwache Quali-Performance wurde kritisiert, seine schwachen ersten Rennrunden. Auch Cecchinello tat oft seinen Unmut kund, aber Taka ist ein anderer Charakter als Cal Crutchlow, er glänzte mit Beständigkeit, deshalb hat er auch das Acht-Stunden-Rennen in Suzuka schon dreimal für Honda gewonnen.

Nakagami gelang im Q2 eine erstaunliche Rundenzeit von 1:46,882 min. Damit kam er dicht an die «bester ever lap» auf dem MotorLand Aragón von Marc Márquez von 2015 heran, der damals 1:46,6 min vorlegte. Und Taka bescherte Honda beim elften Grand Prix in diesem Jahr die ersten Pole-Position der Saison.

«Das ist ein erstaunliches Gefühl», seufzte Nakagami. «Ich habe nicht erwartet, dass ich hier um den besten Startplatz kämpfen kann. Unser Ziel war, für die ersten reihe zu fighten, das hätte gereicht. Wir waren schon gestern konkurrenzfähig, deshalb war die ‚front row‘ in Reichweite. Aber am Ende ist uns in der letzten Runde eine gute Zeit gelungen. Es war ein gutes Gefühl, als mir hier meine erste Rundenzeit unter 1:47 min gelungen ist. Ich bin mehr als happy, denn auch das Gefühl mit dem Motorrad ist jetzt wirklich gut.»

Nakagami hat vor zwei Tagen seinen neuen Zwei-Jahres-Vertrag mit HRC bestätigt, somit hat er jetzt unbeschwert drauflos fahren. «Ich bin wirklich stolz, nach Platz 1 im Parc Fermé gestanden zu sein. Jetzt hoffen wir, dass wir diese Leistung am Sonntag fortsetzen können.»

Übrigens: Nakagami schaffte die Pole-Position als Fahrer aus einem Kundenteam, wie schon Fabio Quartararo viermal in diesem Jahr und Franco Morbidelli einmal.

Welche Taktik verfolgt der Honda-Pilot am Sonntag im 23-Runden-Rennen? «Gut ist, dass unsere Pace bereits seit dem FP1 gestern sehr konkurrenzfähig ist. Das hat uns überrascht, denn wir haben an unserem Renn-Motorrad überhaupt nichts geändert seit dem letzten Wochenende. Wir haben nur am Freitag hinten mal den Medium-Compound statt des Soft probiert. Angenehm ist, dass ich mit beiden Mischungen eine gute Pace habe. Aber wir haben uns bei der Reifenwahl noch nicht entschieden. Wichtig ist, dass die Pace stimmt. Klar habe ich eine Strategie, aber Franco und Alex neben mir werden zu Beginn des Rennens sicher schnell sein. Ich hoffe, ich kann gut starten und wegfahren. Ich möchte das Rennen genießen. Jetzt habe ich erstmals die Pole-Position. Nach dem neuen Vertrag habe ich weniger Stress und mehr Frieden. Ich kann das Weekend bisher wirklich genießen. Wir werden morgen unser Bestes geben. Ich glaube, dann wird ein schönes Resultat herauskommen.»

Übrigens: Wenn im Juli vor dem Saisonstart in Jerez jemand prophezeit hätte, Honda könne 2020 auch ohne Marc Márquez um den Titel fighten, er wäre wohl in die Klappsmühle eingeliefert worden.

Heute weiß man: Ein Titelanwärrter hätte auch mit lauter vierten Plätzen WM-Leader werden können. Dann hätte er jetzt 130 Punkte, WM-Leader Joan Mir hält bei 121.

Teruel-GP, MotoGP, Q2 (24.10.):

1. Nakagami, Honda, 1:46,882 min
2. Morbidelli, Yamaha, 1:46,945
3. Rins, Suzuki, 1:47,155
4. Viñales, Yamaha, 1:47,241
5. Zarco, Ducati, 1:47,297
6. Quartararo, Yamaha, 1:47,326
7. Crutchlow, Honda, 1:47,377
8. Oliveira, KTM, 1:47,509
9. Pol Espargaró, KTM, 1:47,519
10. Alex Márquez, Honda, 1:47,603
11. Lecuona, KTM, 1:47,621
12. Mir, Suzuki, 1:47,642

Die weitere Startaufstellung:
13. Aleix Espargaró, Aprilia, 1:47,372
14. Miller, Ducati, 1:47,394
15. Binder, KTM, 1:47,478
16. Bradl, Honda, 1:47,585
17. Dovizioso, Ducati, 1:47,747
18. Bagnaia, Ducati, 1:47,759
19. Petrucci, Ducati, 1:47,855
20. Rabat, Ducati, 1:48,114
21. Smith, Aprilia, 1:48,402

Fahrer-WM-Stand nach 10 von 14 Rennen:

1. Mir, 121 Punkte. 2. Quartararo 115. 3. Viñales 109. 4. Dovizioso 106. 5. Nakagami 92. 6. Morbidelli 87. 7. Rins 85. 8. Miller 82. 9. Pol Espargaró 77. 10. Oliveira 69. 11. Binder 67. 12. Alex Márquez 67. 13. Petrucci 65. 14. Rossi 58. 15. Zarco 53. 16. Bagnaia 42. 17. Aleix Espargaró 27. 18. Crutchlow 21. 19. Lecuona 20. 20. Smith 11. 21. Bradl 8. 22. Rabat 8. 23. Pirro 4.

Konstrukteurs-WM:

1. Yamaha 183. 2. Ducati 160. 3. Suzuki. 4. KTM 130. 5. Honda 112. 6. Aprilia 35.

Team-WM:

1. Team Suzuki Ecstar 206. 2. Petronas Yamaha SRT, 202 Punkte. 3. Ducati Team 171. 4. Monster Energy Yamaha MotoGP 167. 5. Red Bull KTM Factory Racing 144. 6. Pramac Racing 128. 7. LCR Honda 113. 8. Red Bull KTM Tech3 89. 9. Repsol Honda Team 75. 10. Esponsorama Racing 61. 11. Aprilia Racing Team Gresini 38.

Siehe auch

Kommentare

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben.

Lewis Hamilton: Hunger auf mehr als Formel 1

Mathias Brunner
​Lewis Hamilton ist nach 2008, 2014, 2015, 2017, 2018 und 2019 zum siebten Mal Formel-1-Weltmeister. Doch sein Erbe besteht nicht aus Bestmarken, die er reihenweise niederreisst. Sein Erbe reicht erheblich weiter.
» weiterlesen
 

TV-Programm

  • Mi. 25.11., 08:55, Motorvision TV
    High Octane
  • Mi. 25.11., 09:30, Eurosport 2
    Rallye: FIA-Europameisterschaft
  • Mi. 25.11., 09:40, SPORT1+
    Motorsport - FIA World Rallycross Championship
  • Mi. 25.11., 09:45, Motorvision TV
    Made in....
  • Mi. 25.11., 10:00, Eurosport 2
    Rallye: FIA-Europameisterschaft
  • Mi. 25.11., 10:40, Motorvision TV
    Top Speed Classic
  • Mi. 25.11., 10:55, SPORT1+
    Motorsport - FIA World Rallycross Championship
  • Mi. 25.11., 11:00, Eurosport 2
    Rallye: FIA-Europameisterschaft
  • Mi. 25.11., 11:30, Eurosport 2
    Rallye: FIA-Europameisterschaft
  • Mi. 25.11., 12:30, SPORT1+
    Motorsport - Porsche GT Magazin
» zum TV-Programm
6DE