Valentino Rossi: Weitere Rekorde im Visier

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Valentino Rossis jüngster Podestplatz: Der «Doctor» wurde im Andalusien-GP 2020 Dritter hinter Fabio Quartararo und Maverick Viñales

Valentino Rossis jüngster Podestplatz: Der «Doctor» wurde im Andalusien-GP 2020 Dritter hinter Fabio Quartararo und Maverick Viñales

Valentino Rossi hat 115 GP-Siege auf dem Konto und will noch einige weitere Rekorde brechen. «Solange ich an der Spitze mithalten kann, fahre ich weiter», sagt der neunfache Weltmeister.

Valentino Rossi wird am 16. Februar 42 Jahre alt und gilt inzwischen als Methusalem des Motorrad-GP-Sports. Seinen Rücktritt hat er schon mehrmals hinausgeschoben. So hat er bereits beim Texas-GP 2015 anklingen lassen, dass er sich durchaus vorstellen könne, nach Ablauf des Yamaha-Vertrags 2016 noch ein oder sogar zwei Jahre MotoGP zu fahren. Daraus wurden inzwischen vier Jahre. 


Der Yamaha-Star hat zwar seit 25. Juni 2017 keinen WM-Lauf mehr gewonnen und seit 2009 keinen Weltmeistertitel. Aber immerhin war er 2015 wieder WM-Spitzenreiter und Titelanwärter, er war seit der Rückkehr von Ducati zu Yamaha mehrmals bester Yamaha-Pilot, obwohl es auch viele empfindliche Niederlagen gab und er zum Beispiel 2020 nur einen Podestplatz (Rang 3 beim Andalusien-GP in Jerez) zustande brachte.

Rossi freute sich dafür in den letzten Jahren über die Erfolge seines Sky VR46-Teams und über die erfolgreichen Schützlinge in der VR46 Riders Academy. Franco Morbidelli und Pecco Bagnaia gewannen die Moto2-WM 2017 und 2018, Bruder Luca Marini verpasste den Titel 2020 knapp.

«The Doctor» plant jetzt auch die Übernahme des spanischen Esponsorama Ducati-MotoGP-Teams von Raúl Romero. Für 2021 existiert bereits ein Joint Venture, und bei der Dorna wird mit «99-prozentiger Sicherheit» damit gerechnet, dass Rossi diesen Rennstall für fünf Jahre (2022 bis 2026) übernehmen wird. Für 2021 hat er dort schon Luca Marini als Fahrer installiert, mit Sky VR46-Sponsorship.

Rossi selbst wechselt nach genau 15 Jahren (2004 bis 2010 und 2013 bis 2020) vom Yamaha-Werksteam ins Petronas-Yamaha-Kundenteam. Er spricht jetzt gerne von einem willkommenen Tapetenwechsel, von einer frisch entflammten Leidenschaft, von der Genugtuung, die ihm die (sporadisch gewordenen) Erfolge verleihen, vom Kampf gegen die jungen Löwen, der ihn jung hält.

«Solange ich an der Spitze mithalten kann, fahre ich weiter», hält «The Doctor» fest.

Papa Graziano, selbst dreifacher 250-ccm-GP-Sieger, rechnet inzwischen mit dem Schlimmsten. «Valentino wird fahren, bis er 46 Jahre alt ist», schmunzelt der Senior. 


Nach seiner Rückkehr von Ducati hat Valentino 2014 mit 35 Jahren zwei MotoGP-Siege errungen. 2015 hat er sogar zwei der ersten drei Rennen gewonnen. 2018 und 2019 verspielte er die Siege in Sepang und Texas nur knapp. Und sein Siegeshunger ist noch immer nicht gestillt. Er hat jetzt 115 GP-Siege auf dem Konto und will noch einige weitere Rekorde brechen.


Superstar Valentino Rossi erzählte schon im Juli 2013 in einem Exklusiv-Interview mit SPEEDWEEK.com, er habe den All-Time-Rekord von Giacomo Agostini noch nicht aus den Augen verloren, deswegen habe er den Yamaha-Werksvertrag um zwei weitere Jahre bis Ende 2016 verlängert.

«Denn ich will Agostinis Rekord von 122 GP-Siegen angreifen», schmunzelte der Yamaha-Star damals. «Zumindest will ich ihm einen kleinen Schrecken einjagen... Ago soll sich nur nicht zu sicher fühlen.»

Momentan ist es realistisch, dass Rossi auch in der MotoGP-WM 2022 an den Start geht. Er benötigt noch sieben Siege, um die Bestmarke von «Ago nazionale» einzustellen und einen mehr, um den Landsmann zu übertreffen. Aber die beiden sieglosen Ducati-Jahre haben diese Aufgabe erheblich erschwert. Durch die seit 2017 andauernde Durststrecke ist sie fast unlösbar geworden.

Natürlich kann man einwenden, Agostini sei zeitlebens in zwei WM-Klassen (überwiegend 350 ccm und 500 ccm) gleichzeitig angetreten. Dafür gab es damals weniger Rennen, das gleicht sich in etwa aus.

Und «The Doctor» hat noch einen weiteren Rekord im Visier.

«Seit ich 2016 den 37. Geburtstag gefeiert habe, möchte ich der älteste MotoGP-Sieger in der Königsklasse werden», verriet der neunfache Weltmeister und inzwischen 115-malige GP-Sieger. Valentino wusste damals nicht, wer bisher der älteste GP-Sieger in der «premier class» ist. Er wusste nur, dass er zum Zeitpunkt des Erfolgs 37 Jahre alt war.

Bei dieser Kalkulation ging Rossi offenbar von der Neuzeit aus, also von der 2002 gestarteten MotoGP-Viertakt-Ära. Troy Bayliss gewann im November 2006 als neuer Superbike-Weltmeister als Ersatz für den verletzten Sete Gibernau mit der Werks-Ducati den Valencia-GP, damals war er 37 Jahre und 213 Tage alt.

Insgesamt liegt der Australier nur noch an neunter Stelle der Ewigen Bestenliste in der Königsklasse, was das GP-Siegesalter betrifft. Valentino Rossi hat sich inzwischen in Assen 2017 an die siebte Position geschoben. Wenn er der absolut älteste Sieger der Königsklasse (inklusive 500 ccm) werden will, müsste er auch in der Saison 2023 noch fahren – und als Motorrad-Methusalem gewinnen.

Rossis Bilanz ist auch heute schon eindrucksvoll: 413 GP-Starts, 115 Siege, 65 Pole-Positions, 96 schnellste Rennrunden, total 235 Podestplätze, GP-Debüt 1996 in Shah Alam (Malaysia, 125 ccm), erster GP-Sieg in Brünn 1996. Seine Siegesserie erstreckt sich also über sagenhafte 21 Jahre!

Die ältesten Sieger in der Königsklasse (500 ccm/MotoGP):

Fergus Anderson: 44 Jahre und 237 Tage – Montjuich/E 1953

Jack Findlay: 42 Jahre und 85 Tage – Salzburgring/A 1977

Les Graham: 41 Jahre und 21 Tage – Montjuich/E 1952
Jack Ahearn: 39 Jahre und 327 Tage – Imatra/FIN 1964

Harold Daniell: 39 Jahre und 240 Tage – Tourist Trophy/GB 1949
Frantisek Stastny: 38 Jahre und 247 Tage – Sachsenring/D 1966
Valentino Rossi – 38 Jahre und 130 Tage – Assen/NL 2017
Nello Pagani: 37 Jahre und 328 Tage – Monza/I 1949

Troy Bayliss: 37 Jahre und 213 Tage – Valencia/E 2006

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