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VR46 Rossi Ducati: Platzt der Aramco-Millionen-Deal?

Von Günther Wiesinger
Bleibt die angekündigte Aramco-Oil-Sponsorship bei Rossis VR46-Ducati-Team eine Fata Morgana, ein Märchen aus 1001 Nacht? Die Aussagen sind widersprüchlich und merkwürdig.

Ziemlich fragwürdig und mysteriös wirkt allmählich die Situation um die saudi-arabischen Partner des VR46-Teams. So hat zum Beispiel der Prinz mit dem eindrucksvollen Namen Abdulaziz bin Abdullah bin Saud bin Abdul Aziz Al Saud mit seiner Holding Tanal Entertainment Sport & Media Partner eine Unterstützung des MotoGP-Projekts von VR46 angekündigt. Der Prinz ließ schon Ende Juli eine Pressekonferenz ankündigen, die innerhalb weniger Tage Klarheit über die hochtrabenden MotoGP-Pläne der Saudis verschaffen sollte.

Dann lud der ominöse Prinz am 19. August eine Handvoll ausgewählter italienischer Medienvertreter zu einem Online-Zoom-Meeting ein. Wie die Kollegen von GPOne.com anschließend berichteten, wurde dort der Mittwoch als Stichtag genannt: Dann sollten im Rahmen einer offiziellen Pressekonferenz die MotoGP-Pläne der Regierung von Saudi-Arabien die Details zum Deal veröffentlicht werden. Aber auch dieser Termin ist längst verstrichen – ergebnislos.

Im Frühjahr hat Tanal verlautbart, die gigantische saudi-arabische Mineralölgesellschaft Aramco (55 Milliarden US-Dollar Jahresgewinn), die auch in der Formel 1 in Erscheinung tritt, werde beim neuen VR46-Ducati-Team von Rossi als Hauptsponsor mitmachen.

Diese Ankündigung von Tanal wurde jedoch von einem Aramco-Sprecher bald heftig dementiert.

Zu den widersprüchlichen Meldungen um den vermeintlich lukrativen Aramco-Deal wollte sich Prinz Abdulaziz bin Abdullah bin Saud bin Abdul Aziz Al Saud nicht äußern. Er versicherte zur Partnerschaft mit VR46 aber am 19. August: «Der Vertrag ist schon unterzeichnet und in der kommenden Woche werden wir die gesamte Summe zur Verfügung stellen.»

Die Rede ist von rund 18 Millionen Dollar pro Jahr, die allein in die MotoGP-WM fließen sollen. Das sei aber nur ein Teil eines noch umfassenderen Projekts und einem Gesamtinvestment von rund einer Milliarde Dollar, ist bei Tanal zu hören. So ist in Saudi-Arabien unter anderem ein Themenpark zu Motorsport und VR46 geplant, dazu sollen auch Fabriken für die Herstellung von Autos und Motorrädern gebaut werden. Eine Teamübernahme in der Formel 1 stehe ebenfalls auf der Wunschliste.

«Wir verfolgen viele unterschiedliche Projekte, in einige wird auch Valentino involviert sein. Wir wollen auch einen Motorrad-Grand-Prix in Saudi-Arabien. Wir sprechen mit dem Sportministerium noch darüber, aber es wird bald passieren», wurde der Prinz von GPOne.com zitiert.

Für das MotoGP-Team braucht VR46 bis zu 15 oder 20 Millionen Euro im Jahr. Rund 5 Millionen steuert bei jedem Privatteam die Dorna für 2 Fahrer bei. Einige Kollegen von Websites wie misterhelmet.com und descalspotters.com haben bei Tanal lud Aramco nachgeforscht, aber es existieren teilweise widersprüchliche Informationen bezüglich der Sponorship für Marini und Bezzecchi 2022.

Sicher werden auch Geldgeber wie WITHu und Sky bei Rossis VR46-Truppe weitermachen.

Irgendwann werden die Prinzen, Emire und Ölhändler aus Saudi-Arabien die Karten auf den Tisch legen. Teambesitzer Rossi wirkt gelassen. «Ich bin gewöhnt, den Menschen zu vertrauen. Deshalb bleibe ich ruhig», teilte er kürzlich mit.

Im vergangenen April hat das VR46-Team die Übernahme der zwei MotoGP-Plätze von Esponsorama Avintia bestätigt – für die nächsten fünf Jahre.

Vor dem Jerez-GP zeigte sich Rossi felsenfest davon überzeugt, dass Aramco als Geldgeber einsteigen wird. Er räumte aber ein, die Verhandlungen nicht persönlich geführt zu haben.

Tatsache ist: Wenn Aramco das Rossi-Team nicht finanziert, wird die VR46-Truppe den Gürtel enger schnallen müssen.

Denn ob die 18 Millionen US-Dollar von Tanal fließen werden, bleibt abzuwarten.

Das hört sich an eine ein Märchen aus 1001 Nacht.

Zur Erinnerung: Schon in dieser Saison promoten die Sky-VR46-Fahrer für die Regierung von Saudi-Arabien das Projekt «Saudi Vision 2030», ein strategisches Programm, zukunftsorientiert und hoch technologisch, mit dem die Abhängigkeit der Saudis von der Erdölforderung verringert werden soll. Dieses Ziel soll durch die durch die Diversifizierung der Wirtschaft und eine vermehrte Entwicklung von Sektoren wie Gesundheit, Bildung, Infrastrukturen, Erholung und Tourismus. Damit verbunden sind die Marken «KSA New Cities» und «Maic Technologies», deren Logos auf den Bikes von Marini, Bezzecchi und Vietti prangen.

Tanal Entertainment versicherte die Beteiligung von Aramco mit VR46 sei vereinbart, Aramco behauptet das Gegenteil. Bisher existiert keine strategische Vereinbarung, wird beteuert.

Talal Al-Marri, CEO von Aramco Overseas, kam auf Einladung von Pramac zur Dutch-TT in Assen. Der clevere Pramac-Teambesitzer Paolo Campinoti hatte wohl einen Hintergedanken dabei, er möchte die saudische Geldquelle sicher auch gerne anzapfen.

Fakt ist: Die Holding Tanal Entertainment Sport & Media Partner betreibt keine eigene Website. Ein seltsames Gebaren für ein Unternehmen, das mit Millionen um sich wirft, ganze Städte bauen, Autofirmen gründen und ein Formel-1-Team kaufen will.

Auf die Frage von MisterHelmet.com, ob auf die Aussagen von Prinz Abdulaziz bin Abdullah bin Saud bin AbdulAziz Al Saud kein Verlass sei, entgegnete Al Marri mit einer Gegenfrage: «Wisst ihr, wie viele Prinzen wir in Saudi-Arabien haben?»

Ergebnisse MotoGP Silverstone/GB:

1. Fabio Quartararo, Yamaha, 20 Runden in 40:20,579 min
2. Alex Rins, Suzuki, +2,663 sec
3. Aleix Espargaró, Aprilia, +4,105
4. Jack Miller, Ducati, +4,254
5. Pol Espargaró, Honda, +8,462
6. Brad Binder, KTM, +12,189
7. Iker Lecuona, KTM, +13,560
8. Alex Márquez, Honda, +14,044
9. Joan Mir, Suzuki, +16,226
10. Danilo Petrucci, KTM, +16,287
11. Johann Zarco, Ducati, +16,339
12. Enea Bastianini, Ducati, +17,696
13. Takaaki Nakagami, Honda, +18,285
14. Pecco Bagnaia, Ducati, +20,913
15. Luca Marini, Ducati, +21,018
16. Miguel Oliveira, KTM, +22,022
17. Cal Crutchlow, Yamaha, +23,232
18. Valentino Rossi, Yamaha, +29,758
19. Jake Dixon, Yamaha, +50,845
– Jorge Martin, Ducati, 19 Runden zurück
– Marc Márquez, Honda, 1. Runde nicht beendet

Stand Fahrer-WM nach 12 von 18 Rennen:

1. Quartararo, 206 Punkte. 2. Mir 141. 3. Zarco 137. 4. Bagnaia 136. 5. Miller 118. 6. Binder 108. 7. Viñales 95. 8. Oliveira 85. 9. Aleix Espargaró 83. 10. Martin 64. 11. Rins 64. 12. Marc Márquez 59. 13. Nakagami 58. 14. Pol Espargaró 52. 15. Alex Márquez 50. 16. Morbidelli 40. 17. Petrucci 36. 18. Bastianini 35. 19. Lecuona 33. 20. Marini 28. 21. Rossi 28. 22. Bradl 11. 23. Pedrosa 6. 24. Savadori 4. 25. Pirro 3. 26. Rabat 1.

Konstrukteurs-WM:

1. Yamaha 234. 2. Ducati 225 Punkte. 3. KTM 162. 4. Suzuki 158. 5. Honda 115. 6. Aprilia 84.

Team-WM:

1. Monster Energy Yamaha, 301 Punkte. 2. Ducati Lenovo 254. 3. Pramac Racing 205. 4. Suzuki Ecstar 205. 5. Red Bull KTM Factory Racing 193. 6. Repsol Honda 118. 7. LCR Honda 107. 8. Aprilia Racing Team Gresini 87. 9. Tech3 KTM Factory Racing 69. 10 Petronas Yamaha SRT 68. 11. Esponsorama Racing Ducati 63.

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