Razlan Razali: «Hätte Valentino nicht nehmen sollen»

Von Günther Wiesinger
Valentino Rossi: Zu stark unter Druck?

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Razlan Razali war drei Jahre Teamprinzipal bei Petronas-Yamaha, jetzt ist er Eigentümer des neuen WITHU-Yamaha-Teams und spricht offen über zwei begangene Fehler.

Nach dem Rückzug von Hauptsponsor Petronas bekam das malaysische SRT-Yamaha-Kundenteam mit dem bisherigen Teamprinzipal Razlan Razali einen neuen Eigentümer, mit dem italienischen Energiekonzern WITHU einen neuen «title sponsor» und mit Andrea Dovizioso und Rookie Darryn Binder (Siebter in der Moto3-WM, auf der Petronas-Sprinta-Honda) eine neue Fahrerpaarung.

Razali plante den neuen Rennstall eigentlich gemeinsam mit dem bisherigen Team Director Johan Stigefelt, doch es kam zu Zerwürfnissen und Meinungsverschiedenheiten, deshalb präsentiert sich Razali, der ehemalige CEO des Sepang Circuits, jetzt mit seiner Firma RNF als Alleineigentümer. RNF steht für die Namen seiner Kinder Razali, Nadia und Farouk.

«Durch die Probleme mit Johan Stigefelt ist die Neugründung des Teams erschwert worden», stellte Razali im Gespräch mit SPEEDWEEK.com fest.

Stigefelt hatte einen Teil des Geschäfts für das Petronas-Yamaha-SRT-Team mit seiner schwedischen Firma «One Performance» abgewickelt, weil Petronas und SIC als staatliche Unternehmen in Europa eine «pass through company» brauchten, also eine Firma, die die Sponsorbeträge entgegennahm und weiterleitete, auch zu Bischoff & Scheck in Deutschland, wo die Fahrzeuge und Hospitalitys aufgebaut und gemietet wurden.

Es kam nach dem Ausstieg von Petronas zu heftigen Diskussionen über die Eigentümerschaft der Fahrzeuge. Razali: «Sie wollten mich wie einen neuen Kunden behandeln. Aber es war ja klar, dass das Geld von unseren Sponsoren stammte.»

Stigefelt wird nachgesagt, er habe sogar versucht, das Team künftig alleine zu betreiben und die Leasing-Verträge mit Yamaha zu übernehmen. «Aber die beiden Plätze hatte die Dorna nach 2018 mir überschrieben» hält Razali fest. «Die beiden wertvollen MotoGP-Slots gehörten und gehören mir.»

Razali sagt auch: «Wir haben das SIC-Team in der Moto3-WM 2015 gestartet. Ich war damals CEO des Sepang Circuits und habe dieses Team gegründet. Wir haben die Firma ‚One Performance‘ von Johan als ‚pass through company‘ benutzt. Wir waren die Zahlmeister! Also war Sepang Circuit immer der ultimative und endgültige Kunde.»

Zur Erinnerung: Bis inklusive 2018 war Stigefelt bei Petronas nur für die Klassen Moto3 und Moto2 zuständig.

Beim Silverstone-GP im August 2021 hatte Razali noch angekündigt, er werde künftig gemeinsam mit Stigefelt als Teambesitzer auftreten.

Doch vor dem ersten Misano-GP änderte sich die Situation. Denn in Aragón waren die Zerwürfnisse eskaliert. Razali: «Wir haben dann entschieden, getrennte Wege zu gehen. Über die genauen Beweggründe und Einzelheiten will ich mich nicht äußern. Für mich sind die Probleme zwischen Johan und mir eine Privatangelegenheit.»

Razali: «Wegen Rossi kein Druck von Yamaha»

Was würde Razlan Razali als Petronas-Yamaha-Teamprinzipal anders machen, wenn er nach drei Jahren die Uhr noch einmal zurückdrehen könnte?

Hätte er dann zum Beispiel nach den Erfolgen von 2020 frühzeitig versucht, den Vertrag von Petronas (er lief Ende 2021 aus) zu verlängern? Damals gewannen Morbidelli und Quartararo je drei Grands Prix, Morbidelli wurde Vizeweltmeister!

«Wenn ich die Uhr zurückdrehen könnte, hätte ich im Juni 2021 entschieden, das erste neue Vertragsangebot von Petronas anzunehmen. Aber ich wollte über mehr Geld verhandeln», seufzt Razali.

Nach kurzem Nachdenken ergänzte der neue WITHU-Yamaha-RNF-Teameigentümer. «Und wenn ich ehrlich bin: Ich hätte Valentino nicht nehmen sollen!»

«Es gab immer die Vermutung, wir hätten für 2021 keine andere Wahl gehabt als Valentino zu verpflichten. Es herrschte die Annahme, wir seien unter Druck von Yamaha gestanden», hält Razali fest. «Aber nein, es gab keinen Druck.»

«Ich persönlich war skeptisch, bis Valentino im Juli 2020 neben Fabio und Viñales beim zweiten Jerez-GP als Dritter auf dem Podest gestanden ist», errinnert sich der Malaysier. «Als ich neben den drei Fahrern auf dem Podest stand, ging mir durch den Kopf: ‚Okay, vielleicht kann es der Kerl schaffen.‘»

Doch im Herbst 2020 erkrankte Rossi an Covid-19. «Danach sind die Resultate schlecht geworden. Aber zu diesem Zeitpunkt war die Entscheidung für Valentino schon gefallen», blickt Razali zurück.

Der erfolgreiche MotoGP-Teamchef kann sich auch andere Gründe für das Scheitern von Rossi vorstellen, der bei 18 MotoGP-Starts 2021 nur vier Top-Ten-Ergebnisse erreichte: dreimal Zehnter, einmal Achter (im Regen von Spielberg) und die WM als 18. beendete – nach Rang 15 im Vorjahr.

Razali: «Ich denke, Valentino setzte sich selbst unter Druck. Die jungen Fahrer sind viel schneller. Dabei ist Valentino bessere Rundenzeiten gefahren als in der Vergangenheit. Aber das hat nicht gereicht. Er wollte den Erfolg, sein Herz und sein Kopf waren bereit dazu – aber der Körper hat nicht mitgemacht.»

MotoGP Endstand Fahrer-WM (nach 18 Rennen):

1. Quartararo, 278 Punkte. 2. Bagnaia 252. 3. Mir 208. 4. Miller 181. 5. Zarco 173. 6. Binder 151. 7. Marc Márquez 142. 8. Aleix Espargaró 120. 9. Martin 111. 10. Viñales 106. 11. Bastianini 102. 12. Pol Espargaró 100. 13. Rins 99. 14. Oliveira 94. 15. Nakagami 76. 16. Alex Márquez 70. 17. Morbidelli 47. 18. Rossi 44. 19. Marini 41. 20. Lecuona 39. 21. Petrucci 37. 22. Bradl 14. 23. Pirro 12. 24. Dovizioso 12. 25. Pedrosa 6. 26. Savadori 4. 27. Rabat 1.

Konstrukteurs-WM:

1. Ducati 357 Punkte. 2. Yamaha 309. 3. Suzuki 240. 4. Honda 214. 5. KTM 205. 6. Aprilia 121.

Team-WM:

1. Ducati Lenovo 433 Punkte. 2. Monster Energy Yamaha 380. 3. Suzuki Ecstar 307. 4. Pramac Racing 288. 5. Repsol Honda 250. 6. Red Bull KTM Factory Racing 245. 7. LCR Honda 146. 8. Esponsorama Racing 143. 9. Aprilia Racing Team Gresini 135. 10. Petronas Yamaha SRT 96. 11. Tech3 KTM Factory Racing 76.

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