Marc Márquez (Honda): Nur Spaziergänge sind erlaubt

Von Günther Wiesinger
Es ist ruhig geworden um den sechsfachen MotoGP-Weltmeister Marc Márquez, auch in den sozialen Medien. Kein Wunder: Er könnte nur Bilder von langweiligen Spaziergängen posten.

Den Verantwortlichen der Honda Racing Corporation bleibt nichts erspart. Denn der weltgrößte Motorradhersteller verlor den Dakar-Sieger Kevin Benavides an Red Bull KTM, er unterlag in der Moto3-WM KTM und auch im prestigeträchtigen Kampf um den MXGP-Titel musste sich Titelverteidiger Tim Gajser dem Niederländer Jeffrey Herlings aus dem Red Bull KTM-Werksteam geschlagen geben.

Und jetzt bangen Honda-Manager in tiefer Bestürzung auch noch um das Wohlergehen und die Genesung des sechsfachen MotoGP-Weltmeisters Marc Márquez, der sich bei einem Trainingsunfall vor vier Wochen eine Gehirnerschütterung mit schwerwiegenden Folgen zugezogen hat.

Zur Erinnerung: Der Repsol-Honda-Star verzichtete zuerst einmal auf die Teilnahme am Algarve-GP am 7. November, und wie bei Honda üblich rückten die in punkto Kommunikation hinterwäldlerischen HRC-Japaner mit der Wahrheit nur scheibchenweise heraus.

Erst sieben Tage nach der «leichten Gehirnerschütterung» Márquez wurden die wahren Tatsachen auf den Tisch gelegt. Bei einer Untersuchung in der Dexeus-Klinik in Barcelona stellte Dr. Sánchez Dalmau am 8. November eine Diplopie fest. Das bedeutet, dass Márquez zwei Bilder eines einzelnen Objekts erkennt, also binokulare Doppelbilder.

Dalmau erklärte: «Die Untersuchung, die Marc Márquez nach dem Unfall durchführen ließ, hat bestätigt, dass der Fahrer unter einer Diplopie leidet. Die Untersuchung hat zudem eine Lähmung des vierten rechten Nervs mit Beteiligung des rechten Musculus obliquus superior ergeben. Es wurde eine konservative Behandlung mit regelmäßigen Aktualisierungen gewählt, um die klinische Entwicklung zu verfolgen. Dieser Nerv ist derjenige, der bereits im Jahr 2011 verletzt wurde.»

Damals hatte es nach dem Moto2-Crash im FP1 von Sepang viereinhalb Monate gedauert, bis der Spanier wieder auf eine Rennmaschine steigen konnte.

Ob die aktuelle Verletzung leichter oder schwerwiegender ist, kann vorläufig offenbar niemand seriös beurteilen.

Beim Valencia-GP war bei Honda zu hören: «Das Trauma befindet sich genau an derselben Stelle wie 2011. Die Doppelsichtigkeit passiert, sobald Marc den Blick nach unten richtet. Die Sicht nach oben und nach vorne ist nicht beeinträchtigt.»

Für alle Beteiligten ist klar: Es wird ein kleines Wunder nötig sein, wenn Repsol-Honda beim Saisonstart 2022 von 6. bis 8. März in Doha/Katar einen 100 Prozent einsatzfähigen Marc Márquez an den Start bringen will.

Momentan ist auch Marcs Teilnahme an den IRTA-Tests für die MotoGP-Klasse von 5./6. Februar in Sepang/Malaysia und von 11. bis 13. Februar auf dem Mandalika Street Circuit in Indonesien gefährdet.

Denn in Spanien ist jetzt durchgesickert: Marc Márquez wurde von den Ärzten eine absolute Schonung für sechs Wochen auferlegt. Er darf sich in diesem Zeitraum sportlich nicht ertüchtigen, jede Anstrengung ist strikt untersagt, nur Spaziergänge sind erlaubt.

Danach wird Mitte Dezember untersucht, ob der 59-fache MotoGP-Sieger immer noch an der Diplopie leidet und binokulare Doppelbilder sieht.

Wie lange es dann dauern wird, bis Marc Márquez körperlich wieder in der Lage ist, die Honda RC213V am Limit zu beherrschen, lässt sich nicht beurteilen.

Es ist gut möglich, dass der Spanier wie 2021 erst verspätet ins WM-Geschehen eingreifen kann.

Manche Insider rechnen sogar mit einem Jahr Pause. Denn Marcs neuer Honda-Vertrag erstreckt bis zum Ende der Saison 2024.

Für die Gegner wie Fabio Quartararo (Yamaha), Pecco Bagnaia (Ducati), Joan Mir (Suzuki), Jorge Martin (Ducati) und so weiter hat Márquez seinen Schrecken und den Nimbus der Unbesiegbarkeit verloren.

Márquez hat aber bei seinen letzten vier Rennen 2021 immerhin 83 Punkte einkassiert, Bagnaia nur 66, Quartararo 61.

Ein gesunder Marc Márquez bleibt mit seinen 28 Jahren also trotz der vielen Rückschläge und Verletzungen immer noch eine ernsthafte Bedrohung. 

MotoGP-Ergebnis, Valencia (14. November):

1. Bagnaia, Ducati, 27 Runden in 41:15,481 min
2. Martin, Ducati, + 0,489 sec
3. Miller, Ducati, + 0,823
4. Mir, Suzuki, + 5,214
5. Quartararo, Yamaha, + 5,439
6. Zarco, Ducati, + 6,993
7. Binder, KTM, + 8,437
8. Bastianini, Ducati, + 10,933
9. Aleix Espargaró, Aprilia, + 12,651
10. Rossi, Yamaha, + 13,468
11. Morbidelli, Yamaha, + 14,085
12. Dovizioso, Yamaha, + 16,534
13. Alex Márquez, Honda, + 17,059
14. Oliveira, KTM, + 18,221
15. Lecuona, KTM, + 19,233
16. Viñales, Aprilia, + 19,815
17. Marini, Ducati, + 28,860
18. Petrucci, KTM, + 32,169
– Rins, Suzuki, 17 Runden zurück
– Nakagami, Honda, 23 Runden zurück

MotoGP Endstand Fahrer-WM (nach 18 Rennen):

1.Quartararo, 278 Punkte. 2. Bagnaia 252. 3. Mir 208. 4. Miller 181. 5. Zarco 173. 6. Binder 151. 7. Marc Márquez 142. 8. Aleix Espargaró 120. 9. Martin 111. 10. Viñales 106. 11. Bastianini 102. 12. Pol Espargaró 100. 13. Rins 99. 14. Oliveira 94. 15. Nakagami 76. 16. Alex Márquez 70. 17. Morbidelli 47. 18. Rossi 44. 19. Marini 41. 20. Lecuona 39. 21. Petrucci 37. 22. Bradl 14. 23. Pirro 12. 24. Dovizioso 12. 25. Pedrosa 6. 26. Savadori 4. 27. Rabat 1.

Konstrukteurs-WM:

1. Ducati 357 Punkte. 2. Yamaha 309. 3. Suzuki 240. 4. Honda 214. 5. KTM 205. 6. Aprilia 121.

Team-WM:

1. Ducati Lenovo 433 Punkte. 2. Monster Energy Yamaha 380. 3. Suzuki Ecstar 307. 4. Pramac Racing 288. 5. Repsol Honda 250. 6. Red Bull KTM Factory Racing 245. 7. LCR Honda 146. 8. Esponsorama Racing 143. 9. Aprilia Racing Team Gresini 135. 10. Petronas Yamaha SRT 96. 11. Tech3 KTM Factory Racing 76.

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