Aprilia rüstet zwei Jahre lang das WithU-RNF-Team aus

Von Günther Wiesinger
Nach den jüngsten Erfolgen von Aleix Espargaró hat es Aprilia Racing geschafft: Das WithU-Yamaha-Team steigt auf Aprilia um.

Die letzten Verhandlungen zwischen Yamaha und den Verantwortlichen des WithU-Yamaha-RNF-Teams sind gescheitert. Gestern war schon durchgesickert, dass Aprilia Racing kurz vor einer Vereinbarung mit dem WithU-RNF-Team als Kundenteam steht. Heute wurde diese Vereinbarung offiziell bestätigt.

Während sich Yamaha wie vor einem Jahr bei RNF gegen einen Zwei-Jahres-Vertrag sträubte, hat die Mannschaft von Massimo Rivola einen Deal bis Ende 2024 zugestimmt. Aprilia verfügt also erstmals in der MotoGP-WM über ein Kundenteam, Yamaha erstmals seit Beginn der MotoGP-Viertakt-Ära 2002 hingegen nicht.

Daran wird sich womöglich frühestens 2024 oder 2025 etwas ändern: Denn nach 2024 läuft Rossis Drei-Jahres-Vertrag zwischen dem Mooney-VR46-MotoGP-Team und Ducati aus. Gresini Racing ist bis Ende 2022 an Ducati gebunden.

Massimo Rivola kündigte am Donnerstag in Mugello schon an, dass «sehr bald» feststehen werde, ob es 2023 ein Aprilia-Kundenteam geben wird: «Egal ob es ein ja oder nein ist, wir werden sehr bald eine Antwort haben. Denn die Deadline, die wir ausgegeben haben, liegt um diese Zeit.»

Der Aprilia-Rennchef sagte gestern noch zur Aussicht auf vier RS-GP im MotoGP-Feld: «Es ist etwas, auf das ich hinarbeite, wenn es möglich ist. Aleix pusht mich auch, es zu tun. Wenn es aber nicht möglich ist, machen wir wie bisher weiter – es läuft ja nicht allzu schlecht. Es ist nicht etwas, das wir machen müssen. Es ist eine Chance für unser Werk, um zu wachsen. Es ist eine Gelegenheit, an der das Motorrad, die Fahrer, die Ingenieure wachsen können. Es ist eine Chance. Aber damit wir die richtig nutzen können, müssen wir in sehr wenigen Tagen eine Antwort haben.»

Am Freitag war in Mugello zu hören, Aprilia verlange von RNF-Teambesitzer Razlan Razali eine definitive Entscheidung bis zum Catalunya-GP. Doch schon am Donnerstagabend zeichnete sich eine Einigung ab. 

Damit hat sich für Yamaha auch die Frage erledigt, ob Toprak Razgatlioglu ins MotoGP-Kundenteam kommt.

2022 fahren Andrea Dovizioso und Darryn Bidner bei WithU-Yamaha. WithU soll für Aprilia das Junior-Team bilden, deshalb wäre eine Fahrerpaarung mit Darryn Binder und Celestino Vietti vorstellbar. Auch Raúl Fernández steht bei Razali auf der Wunschliste.

Schon in Le Mans hatte Razali im Gespräch mit SPEEDWEEK.com angekündigt: «Wenn uns Yamaha ein Angebot unterbreitet, mit dem wir nicht vollkommen glücklich sind, gibt es eine andere Option. Dieser Backup-Plan ist in diesem Jahr sehr attraktiv», verwies der Malaysier auf die jüngsten Erfolge des italienischen Herstellers aus Noale.

Aprilia Racing hat in der Superbike-WM jahrelang Erfahrung mit Kundenteams gesammelt und weiß, welche Logistik dafür notwendig ist. 

Aprilia kam mit der 2009 mit der neuen Vierzyliner-RSV4 2009 in die Superbike-WM. Es gab seither zwei Kundenteams: 2013 Althea Racing mit Davide Giugliano und 2013 sowie 2014 mit Red Devils Roma. 2015 wurden diese Mannschaft zum offiziellen Team, danach zog sich Aprilia aus der SBK zurück, um sich auf die MotoGP-WM zu konzentrieren.

2017 und 2018 kam das Team Milwaukee Aprilia zum Einsatz, das als offizielles Team galt und Werksunterstützung hatte. Dahinter steckte Shaun Muir Racing, das Team, welches sich seit 2019 um den BMW-Werksauftritt in SBK kümmert.

Trotzdem stehen Aprilia in der MotoGP für 2023 einige Herausforderungen bevor: Das Kundenteam muss konkurrenzfähiges Material für beide Fahrer samt Updaten während der Saison bekommen, außerdem fallen für 2023 nach den jüngsten Erfolgen die Privilegien als «concession»-Team weg. Es darf ab sofort nicht mehr mit den Stammfahrern privat getestet werden, und es gibt 2023 nicht mehr zwei Motoren pro Fahrer mehr als bei den Konkurrenz-Teams. 

Beim WithU-RNF-Team war zu hören, Aprilia habe finanziell ein wesentlich lukrativeres Angebot gemacht.  

Außerdem sei die 2022-Yamaha außer bei Fabio Quartararo nicht so konkurrenzfähig wie die Aprilia RS-GP 22, mit der Aleix Espargaró momentan an zweiter Stelle der Fahrer-WM liegt.

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