MotoGP: GASGAS wird wieder zu KTM

Stefan Pierer: «Problem mit Fernández sauber gelöst»

Von Günther Wiesinger
Die Manager von KTM verlangten vor einem Jahr 500.000 Euro und jetzt sogar 900.000 Euro für die Freigabe von Rául Fernández. In Spielberg wurde eine Einigung erzielt – der Spanier bekam die Freigabe.

Vor einem Jahr galt Rául Fernández als die heisseste Aktie auf dem MotoGP-Parkett. Kein Wunder: Er hat am 8. und 22. November 2020 in Valencia und dann beim Finale in Portimão seine ersten zwei GP-Siege in der Moto3-Weltmeisterschaft gefeiert. KTM, Red Bull und Teamchef Aki Ajo änderten damals hurtig alle Pläne und beförderten den Ausnahmekönner als WM-Vierten frühzeitig für 2021 in die Moto2-WM. Dabei war Raúl am 23. Oktober 2020 gerade mal 19 Jahre alt geworden.

Aber der Junioren-Weltmeister von 2018 (im Aspar-Team) übertraf alle Erwartungen. Deshalb durfte er zehn Monate nach seinem ersten Moto3-Sieg am 22. September 2021 in Misano auf einer Tech3-KTM bereits den ersten MotoG-Testtag abwickeln. Damals stand fest: KTM-Tech3 trennt sich von Petrucci und Lecuona und setzt 2022 auf die Moto2-Talente Remy Gardner und Raúl Fernández.

Der Spanier machte aber dem Red Bull-KTM-Team schon in der Saison 2021 trotz der acht GP-Siege und des zweiten WM-Rangs hinter Gardner nicht nur Freude. Denn sein Management verhandelte bis zum Spielberg-GP im August 2021 mit Petronas-Yamaha, auch andere Werke und Teams zeigten Interesse. Zum  Beispiel Rossis VR46-Moto2-Team: Die Italiener wollten ihn 2022 neben Vietti in der Moto2 fahren lassen, danach sollte der Wechsel in die MotoGP stattfinden – für 2023.

Dabei hatte KTM eine Option auf Raúl Fernández für 2022 und sie auch rechtzeitig eingelöst. Doch Petronas-Yamaha war sogar bereit, die fällige Ablöse von 500.000 Euro zu bezahlen.

Doch als Petronas beim Yamaha-MotoGP-Kundenteams in Spielberg offiziell den Rückzug als Sponsor bestätigte, beendete Yamaha die Verhandlungen mit dem Fernández-Management für 2022.

Raúl löschte dann sogar den Rekord von Marc Márquez von sieben Saisonsiegen als Rookie in der Moto2-WM aus. im Oktober 2021 rückte er WM-Leader Gardner in der Tabelle gefährlich nahe, doch nach einem Sturz beim zweiten Misano-GP sanken die Titelchancen. Raúl verlor den Fight gegen Gardner um 4 Punkte.

Danach machte Raúl Fernández Teamchef Aki Ajo für die Niederlage verantwortlich, er sagte ihm in einem denkwürdigen Interview mangelnde Unterstützung nach.

In Spanien wurde Raúl Fernández inzwischen als neuer Marc Márquez oder neuer Fabio Quartararo gefeiert. Die Erwartungen für die MotoGP-Saison wuchsen, es wurde ein großartiger Durchbruch wie bei den MotoGP-Rookies Quartararo 2019 oder Martin und Bastianini 2021 erwartet.

Im Interview mit SPEEDWEEK.com erklärte Raul Fernández beim ersten MotoGP-Test in Misano 2021: «Ich möchte der erste MotoGP-Weltmeister von KTM werden. Ich habe alle meine Erfolge mit KTM erzielt. Ich bin in meiner ganzen Karriere vom Rookies-Cup weg bis zur MotoGP immer KTM gefahren, nur ein Jahr nicht.»

Denn 2017 setzte Fernández bei Jorge «Aspar» Martinez eine Moto3-Mahindra ein, er kam sogar in der Junioren-WM damit über Rang 27 nicht hinaus.

Doch in den ersten 13 MotoGP-Rennen 2022 erlebten das Tech3-KTM-Team und Raul Fernández viele Enttäuschungen.

Da auch das Umfeld mit drei Managern und dem raubeinigen Vater schwierig zu handhaben war, fiel in Österreich im vergangenen Mai die Entscheidung: Pol Espargaró übernimmt 2023 den Tech3-Platz von Fernández.

Rául Fernández hatte KTM schon beim vergangenen Jerez-GP (1. Mai) mitgeteilt, dass er nach 2022 weggehen werde.

Die Manager des Spaniers nahmen danach die Verhandlungen mit dem neuen WithU-RNF-Teambesitzer Razlan Razali und Aprilia auf. Doch zu einer Unterschrift für das neue Aprilia-Kundenteam kam es nicht, denn KTM forderte weiter eine saftige Ablöse. Immerhin hatte Rául erst bei Red Bull-KTM ab 2020 den Durchbruch an die Weltspitze geschafft.

Doch bei vernünftigen Gesprächen beim GP von Österreich wurde Raúl Fernández von den Verantwortlichen der Pierer Mobility AG aus seiner Geiselhaft entlassen. 

Die Pierer-Gruppe hatte für Raúl  Fernández sowieso keinen MotoGP-Platz verfügbar. Denn beim neuen GASGAS Tech3 Factory Team ist neben Pol Espargaró noch der vierfache MotoGP-Sieger Miguel Oliveira vorgesehen. Und wenn der Portugiese trotz des angebotenen 3-Jahres-Werksvertrags nicht zusagt, wird Moto2-Titelanwärter Augusto Fernández die zweite GASGAS steuern. 

«Wir haben das Problem mit Rául Fernández sauber gelöst», erklärte der Vorstandsvorsitzende Stefan Pierer im Interview mit SPEEDWEEK.com. «Er geht jetzt wahrscheinlich ins Aprilia-Kundenteam. Wir haben mit ihm eine faire Lösung gefunden, wir tun nicht streiten.»

«Wir wollen Rául auch in seiner weiteren Karriere nicht im Weg stehen», bestätigte KTM-Vorstand Hubert Trunkenpolz.

Vor zwei Jahren bekam Jorge Martin für eine Ablöse von 80.000 Euro die Freigabe von KTM – so konnte er zu Pramac Ducati wechseln.

«Wir haben bei Rául Fernández eine ähnliche Vereinbarung getroffen», bestätigte Hubert Trunkenpolz. «Die vereinbarte Vertragsstrafe wäre aber bei 900.000 Euro gewesen.»

«Der erste Vorschlag von ihm lag dann bei 500.000 Euro», schilderte Stefan Pierer. «Aber Rául braucht ja Geld zum Leben, auch im nächsten Jahr. Also haben wir gesagt: Gib uns ein bisserl was…»

MotoGP-Ergebnis, Spielberg, 21. August

1. Bagnaia, Ducati, 28 Runden in 42:14,886 min
2. Quartararo, Yamaha, + 0,492 sec
3. Miller, Ducati, + 2,163
4. Marini, Ducati, + 8,348
5. Zarco, Ducati, + 8,821
6. Aleix Espargaró, Aprilia, + 11,287
7. Brad Binder, KTM, + 11,642
8. Rins, Suzuki, + 11,780
9. Bezzecchi, Ducati, + 16,987
10. Martin, Ducati, + 17,144
11. Di Giannantonio, Ducati, + 17,471
12. Oliveira, KTM, + 18,035
13. Viñales, Aprilia, + 20,012
14. Alex Márquez, Honda, + 26,880
15. Dovizioso, Yamaha, + 29,744
16. Pol Espargaró, Honda, + 30,994
17. Bradl, Honda, + 37,960
18. Fernández, KTM, + 42,082
19. Savadori, Aprilia, + 46,666
20. Gardner, KTM, + 1 Runde
– Morbidelli, Yamaha
– Darryn Binder, Yamaha
– Nakagami, Honda
– Bastianini, Ducati
– Mir, Suzuki

MotoGP-Fahrer-WM nach 13 von 20 Grand Prix:

1. Quartararo 200 Punkte. 2. Aleix Espargaró 168. 3. Bagnaia 156. 4. Zarco 125. 5. Miller 123. 6. Bastianini 118. 7. Brad Binder 107. 8. Rins 92. 9. Martin 87. 10. Oliveira 85. 11. Viñales 85. 12. Mir 77. 13. Marini 69. 14. Bezzecchi 68. 15. Marc Márquez 60. 16. Nakagami 45. 17. Pol Espargaró 42. 18. Alex Márquez 29. 19. Morbidelli 26. 20. Di Giannantonio 23. 21. Dovizioso 11. 22. Darryn Binder 10. 23. Gardner 9. 24. Raúl Fernández 5.

Konstrukteurs-WM:

1. Ducati 296 Punkte. 2. Yamaha 200. 3. Aprilia 185. 4. KTM 140. 5. Suzuki 118. 6. Honda 90.

Team-WM:

1. Ducati Lenovo Team 279 Punkte. 2. Aprilia Racing 253. 3. Monster Energy Yamaha 226. 4. Prima Pramac Racing 212. 5. Red Bull KTM Factory 192. 6. Suzuki Ecstar 169. 7. Gresini Racing 141. 8. Mooney VR46 Racing 137. 9. Repsol Honda 102. 10. LCR Honda 74. 11. WithU Yamaha RNF 21. 12. Tech3 KTM Factory 14.

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