Massimo Rivola (Aprilia): Kundenteam pusht Werksteam

Von Günther Wiesinger
Aprilia Racing hat die «concessions» verloren und betreibt 2023 erstmals ein Kundenteam. Wie wirkt sich das auf die Performance aus? Und welches Material darf der ehrgeizige Miguel Oliveira im Kundenteam erwarten?

Nach den fünf Podestplätzen von Aleix Espargaró und drei von Maverick Viñales hat Aprilia Racing für 2023 die «concessions»-Privilegien verloren. Seit dem Erreichen von 6 «concessions points (3 für den Sieg, 2 für Platz 2, 1 für Platz 3) dürfen die Stammfahrer nicht mehr beliebig testen. Und dazu kommt jetzt: Erstmals seit dem Neueinstieg 2015 ist bei Aprilia die Motorenentwicklung ab dem ersten Grand Prix eingefroren. Die «engine specification» wird am Donnerstag vor dem ersten Training beim Portugal-GP homologiert, nachher sind bis zum Saisonende keine Updates mehr erlaubt. Außerdem durfte Aprilia 2022 noch zehn statt acht Motoren verwenden, weil 20 Rennen stattfanden. In diesem Jahr muss Aprilia Racing mit der gleich Anzahl von Triebwerken pro Fahrer durchkommen wie die anderen Top-Teams, also acht bei 21 Grand Prix.

KTM ging 2021 nach dem Verlust der «concessions» bei den zwei Katar-Rennen mit zu konservativen Motoren an den Start, weil die Laufzeit erhöht werden musste. Die Österreicher schafften damals bei zwei Rennen mit vier Fahrern in Doha nur ein Top-Ten-Ergebnis (dank Brad Binder). Erst nach einigen Neuerungen (Chassis, Treibstoff usw.) gelangen Binder und Oliveira ab Mugello wieder Podestplätze.

Aprilia-Renndirektor Massimo Rivola fürchtet jedoch keine Leistungseinbussen, und die Ergebnisse vom Sepang-Test (10. bis 12.2) geben ihm recht. «Denn wir haben das Motoren-Kontingent letztes Jahr nicht voll ausgeschöpft», hielt Rivola im Interview mit SPEEDWEEK.com fest. «Ich glaube, wir sind mit acht Motoren durchgekommen. Deshalb haben wir für 2023 nur wenig Power verloren, vielleicht weniger als KTM vor zwei Jahren. KTM hat mehr getestet und mehr Motoren verwendet.»

Aprilia muss also die Laufzeiten pro Motor nicht wesentlich erhöhen. «Wir reden nicht von großen Unterschieden. Wir machen uns in dieser Hinsicht keine Sorgen. Aber wir haben jetzt erstmals ein Satellitenteam und betreiben die Entwicklung bis zum letztmöglichen Tag voran. Deshalb sind wir mit dem Werksteam bisher nicht zu 100 Prozent bereit», räumt Rivola.

Im Gegensatz zu Ducati, wo die zwei Teams von Lenovo (Bagnaia, Bastianini) und Pramac (Martin, Zarco) jeweils 2023-Werksmaschinen erhalten und Mooney VR46 und Gresini mit Desmosedici GP22 antreten, hat Aprilia dem CryptoDATA-RNF-Team mit Oliveira und Raúl Fernández nur 2022-Material zugesagt. Es werden also zwei unterschiedliche «engine specifications» homologiert.

Aber kann der fünffache MotoGP-Sieger Miguel Oliveira wenigstens bei der Aerodynamik die neuesten Entwicklungen aus Noale erwarten?

«Nein», betont Rivola. «Wir starten beim Kundenteam mit 2022-Bikes und mit der letzten ‘aero spec» vom Vorjahr. Unsere Absicht ist, die erste Saisonhälfte mit diesem Stand zu absolvieren. Dann werden wir sehen, wie die Fahrer abschneiden. Wenn wir sehen, dass etwas Hilfe im Bereich der Aerodynamik einen Unterschied ausmachen könnte, können wir vielleicht darüber nachdenken, dem Kundenteam zu helfen. Wenn einer der zwei Fahrer, besonders Miguel, weil er mehr Erfahrung hat, um wichtige Resultate fightet, werden wir sicher beginnen, ihn dabei zu unterstützen.»

Werden Espargaró und Viñales nicht eifersüchtig oder beleidigt sein, wenn Neuzugang Oliveira plötzlich ganz vorne fährt? Und was sagen die Sponsoren des Aprilia Factory Teams dazu?

Rivola: «Unser Ziel ist es, durch ein gutes Abschneiden des Kundenteams auch einen Boost für das Factory Team zu erzeugen. Je weiter vorne die Fahrer von RNF landen, desto mehr wird das Werksteam gepusht. So läuft das Spiel. Wir haben mit allen Fahrern geredet und ihnen erklärt, was unser Ziel ist. Das Ziel ist, noch besser zu werden. Wir wollen uns weiter steigern und uns gegenseitig anstacheln.»

Sepang-Test, kombinierte Zeiten (10. bis 12.2.):

1. Marini, Ducati, 1:57,889 min
2. Bagnaia, Ducati, + 0,080 sec
3. Viñales, Aprilia, + 0,147
4. Bastianini, Ducati, + 0,260
5. Martin, Ducati, + 0,315
6. Aleix Espargaró, Aprilia, + 0,418
7. Di Giannantonio, Ducati, + 0,455
8. Bezzecchi, Ducati, + 0,474
9. Alex Márquez, Ducati, + 0,496
10. Marc Márquez, Honda, + 0,777
11. Raúl Fernández, Aprilia, + 0,812
12. Mir, Honda, + 0,895
13. Pol Espargaró, GASGAS, + 0,908
14. Brad Binder, KTM, + 0,923
15. Oliveira, Aprilia, + 0,950
16. Zarco, Ducati, + 0,963
17. Quartararo, Yamaha, + 1,008
18. Miller, KTM, + 1,012
19. Rins, Honda, + 1,043
20. Morbidelli, Yamaha, + 1,097
21. Nakagami, Honda, + 1,646
22. Augusto Fernández, GASGAS, + 1,771
23. Crutchlow, Yamaha, + 2,034
24. Bradl, Honda, + 2,546
25. Nakasuga, Yamaha, + 3,350

Ergebnis Sepang-Test, 12.2.:

1. Marini, Ducati, 1:57,889 min
2. Bagnaia, Ducati, + 0,080 sec
3. Viñales, Aprilia, + 0,147
4. Bastianini, Ducati, + 0,260
5. Martin, Ducati, + 0,315
6. Aleix Espargaró, Aprilia, + 0,418
7. Di Giannantonio, Ducati, + 0,455
8. Bezzecchi, Ducati, + 0,474
9. Alex Márquez, Ducati, + 0,496
10. Marc Márquez, Honda, + 0,777
11. Raúl Fernández, Aprilia, + 0,812
12. Mir, Honda, + 0,895
13. Pol Espargaró, GASGAS, + 0,908
14. Brad Binder, KTM, + 0,923
15. Zarco, Ducati, + 0,963
16. Miller, KTM, + 1,012
17. Oliveira, Aprilia, + 1,033
18. Rins, Honda, + 1,043
19. Quartararo, Yamaha, + 1,054
20. Morbidelli, Yamaha, + 1,097
21. Nakagami, Honda, + 1,646
22. Augusto Fernández, GASGAS, + 1,771
23. Crutchlow, Yamaha, + 2,034
24. Bradl, Honda, + 2,546

Ergebnis Sepang-Test, 11.2.:

1. Martin, Ducati, 1:58,736 min
2. Oliveira, Aprilia, + 0,103 sec
3. Pol Espargaró, GASGAS, + 0,145
4. Quartararo, Yamaha, + 0,161
5. Bagnaia, Ducati, + 0,331
6. Raúl Fernández, Aprilia, + 0,376
7. Marini, Ducati, + 0,382
8. Rins, Honda, + 0,427
9. Bastianini, Ducati, + 0,458
10. Brad Binder, KTM, + 0,494
11. Morbidelli, Yamaha, + 0,553
12. Bezzecchi, Ducati, + 0,625
13. Marc Márquez, Honda, + 0,714
14. Di Giannantonio, Ducati, + 0,766
15. Zarco, Ducati, + 0,767
16. Mir, Honda, + 0,896
17. Alex Márquez, Ducati, + 1,011
18. Viñales, Aprilia, + 1,034
19. Miller, KTM, + 1,123
20. Aleix Espargaró, Aprilia, + 1,281
21. Nakagami, Honda, + 1,487
22. Crutchlow, Yamaha, + 1,618
23. Augusto Fernández, GASGAS, + 1,996

Ergebnis Sepang-Test, 10.2.:

1. Bezzecchi, Ducati, 1:58,470 min
2. Viñales, Aprilia, + 0,130 sec
3. Bastianini, Ducati, + 0,262
4. Martin, Ducati, + 0,267
5. Bagnaia, Ducati, + 0,387
6. Aleix Espargaró, Aprilia, + 0,471
7. Zarco, Ducati, + 0,496
8. Di Giannantonio, Ducati, + 0,551
9. Alex Márquez, Ducati, + 0,566
10. Morbidelli, Yamaha, + 0,648
11. Quartararo, Yamaha, + 0,952
12. Marc Márquez, Honda, + 0,954
13. Marini, Ducati, + 0,999
14. Oliveira, Aprilia, + 1,260
15. Raúl Fernández, Aprilia, + 1,343
16. Miller, KTM, + 1,356
17. Mir, Honda, + 1,362
18. Rins, Honda, + 1,493
19. Augusto Fernández, GASGAS, + 1,557
20. Pol Espargaró, GASGAS, + 1,608
21. Brad Binder, KTM, + 1,615
22. Nakagami, Honda, + 2,734
23. Nakasuga, Yamaha, + 2,769
24. Bradl, Honda, + 5,031 (nur 2 Runden)


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Happy Birthday, Marc Márquez!

Werner Jessner
Mit 31 Jahren startet der achtfache Weltmeister in den Herbst seiner Karriere. Möge er uns noch lange erhalten bleiben. Die MotoGP wäre sehr viel ärmer ohne ihn.
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