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Yamaha: Warum vorläufig keine V4-Motoren geplant sind

Von Günther Wiesinger
Lin Jarvis, Managing Director von Yamaha Motor Racing, liefert starke Argumente für die Beibehaltung der Yamaha-Reihenmotoren für die MotoGP-WM.

Nach dem Rückzug von Suzuki setzt Yamaha in der MotoGP-Weltmeisterschaft als einziger Hersteller 1000-ccm-Reihenmotoren ein. Da die Japaner vor einem Jahr einen Vertrag mit der Firma Marmotors von Ing. Luca Marmorini abgeschlossen haben, um die YZR-M1-Triebwerke von Fabio Quartararo und Franco Morbidelli so bald wie möglich wieder konkurrenzfähig zu machen, tauchen immer wieder Spekulationen auf, bei Yamaha werde an einem V4-Konzept für 2024 gearbeitet. Denn Ing. Marmorini hat in der Formel 1 sein ganzes Leben lang mit V-Motoren zu tun gehabt.

Doch Lin Jarvis, Managing Director von Yamaha Motor Racing, hält eine Konzeptänderung vor der Saison 2027 für ausgeschlossen. «Ich kann mir das nicht vorstellen», erklärte der Engländer im Interview mit SPEEDWEEK.com. «Denn es ist eine gewaltige Aufgabe, einen 1000-ccm-V4-Motor für die MotoGP-WM von null auf neu zu konstruieren, zu entwickeln und zu erzeugen. Wenn wir das für das neue Reglement für die fünf Jahre von 2027 bis 2031 planen würden, könnte das Sinn machen. Aber wir haben noch nicht entschieden, für welche Richtung wir uns dann entscheiden, weil das technische Reglement noch nicht feststeht. Es soll 2023 beschlossen werden, danach haben wir vier Jahre Zeit für die Entwicklung. Dann haben wir mit der neuen Technologie dieselbe Gelegenheit für einen neuen MotoGP-Motor wie alle anderen Hersteller.»

Aber Yamaha will nichts überstürzen und wird deshalb das Konzept für 2024 nicht über den Haufen werden, auch deshalb, weil bei den Sportmaschinen (R6 mit 600 ccm und R1 mit 1000 ccm) Reihenmotoren verkauft werden.

«Es wäre eine sehr mutige und weitreichende Entscheidung, wenn wir genau jetzt ein ‘re-engineering’ machen würden. Wir halten es für sinnvoller, mit einem 'engine design' weiterzumachen, das wir in- und auswendig kennen», betont Lin Jarvis. «Wir sind überzeugt, dass wir bei unserem Inline-Four noch große Entwicklungs-Kapazitäten vorfinden.»

Der erfolgreiche Aprilia-Chefkonstrukteur Jan Witteveen sagte immer: «Wenn du nur die Konlkurrenz nachahmst, kannst du sie nie besiegen.»

Deshalb trat Aprilia bei den Zweitaktern (125 und 250 ccm) mit Drehschieber-Motoren an, während die Japaner auf Membran-Einlass-Steuerungen setzten. Witteveen ärgerte die japanischen Vierzylinder mit einem 500er-Twin, dann baute er einen MotoGP-Reihendreizylinder namens Cube für 2002 bis 2004 und ärgerte die Japaner in der Superbike-WM mit einem Zweizylinder – wie Ducati.

Ducati setzte den Japanern in der MotoGP jahrelang einen Stahlrahmen entgegen und nutzt bis heute die exklusive desmodromische Ventilsteuerung.

«Ich höre jetzt immer: ‘Suzuki ist weg, Yamaha ist das einzige Werk mit einem Reihenmotor'», hält Lin Jarvis schmunzelnd fest. «Ich entgegne dann gerne: ‘Ja, wir sind die einzigen mit diesem Vorteil!'»

Denn wir wissen: Suzuki hat mit der GSX-RR 2022 dank Alex Rins zwei der letzten drei Rennen für sich entschieden.

Dazu kommt: Mit Reihenmotoren wurden in den letzten drei Jahren zwei von drei Fahrer-Weltmeisterschaften gewonnen – 2020 durch Joan Mir (Suzuki), 2021 durch Fabio Quartararo (Yamaha).

«Man kann also nicht behaupten, die Reihenmotoren seien nicht konkurrenzfähig, wir seien damit verloren», streicht Lin Jarvis hervor. «Denn Yamaha ist mit der M1 außerdem 2020 mit Franky WM-Zweiter geworden und 2022 mit Fabio. Wir glauben stark an unserer Motorenkonzept und gehen im Moment unabänderlich weiter in diese Richtung.»

«Ich kann mir eine kurzfristige Änderung nicht vorstellen», bekräftigt der Yamaha-Rennchef gegenüber SPEEDWEEK.com. «Denn wenn wir jetzt auf einen V4-Motor umstellen würden, hätten wir am Anfang klare Nachteile. Wir würden hinterher hinken, denn die Konkurrenz hat großteils mehr als 20 Jahre Erfahrung damit.»

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