Neue Diskussion: Martin statt Bastianini zu Lenovo?

Von Günther Wiesinger
Logischerweise will Ducati für die Sponsoren im Werksteam 2024 das beste Fahrerduo aufbieten. Doch Ende August wurde Bastianini der zweite Platz neben Bagnaia zugesagt. Jetzt besteht Gesprächsbedarf.

Natürlich stellen sich die Verantwortlichen von Ducati Corse momentan die Frage, ob eine Fahrerformation bei Lenovo Ducati 2024 mit Pecco Bagnaia und Jorge Martin nicht schlagkräftiger wäre als die geplante Konstellation mit Bagnaia und Bastianini.

Deshalb wird in den einschlägigen Medien jetzt spekuliert und erörtert, ob es bei Lenovo und Pramac nicht zu einem Fahrertausch Bastianini gegen Martin kommen könnte. Gigi Dall’Igna, dessen Wechsel von der Piaggio Group zu Ducati Corse genau am Donnerstag beim Sepang-GP 2013 an die Öffentlichkeit kam, erklärte heute in Sepang gegenüber SPEEDWEEK.com: «Das ist momentan nicht geplant. Von den Verträgen her besteht so eine Möglichkeit eigentlich nicht.»

«Ducati hatte im Vertrag mit Enea einen Passus, wonach sie bis Ende August bestimmen konnten, ob Enea weiter bei Lenovo fährt oder ins Pramac-Team kommt», erklärte Carlo Pernat, der Manager des letztjährigen MotoGP-WM-Dritten Enea Bastianini. «Ducati Cose hat mir dann am 30. oder 31. August ein E-Mail geschickt und bestätigt, dass Enea weiter im Werksteam fahren wird. Damit haben sie die Möglichkeit verspielt, so einen Transfer vorzunehmen. Ich habe also schriftlich, dass Enea 2024 bei Lenovo bleiben wird. Dieses offizielle Dokument kann man nicht wegdiskutieren.»

«Ich verstehe nicht, wie es jetzt zu diesen Gerüchten kam. Ich weiß auch nicht, ob sich an den Plänen von Ducati etwas ändert, wenn Jorge Martin die Weltmeisterschaft gewinnt. Für uns hätte so ein Teamwechsel natürlich starke finanzielle Auswirkungen, weil unsere privaten Sponsoren für einen Platz im Werksteam deutlich mehr bezahlen als für einen Platz bei Pramac. Dort hat man zwar ein Werksmotorrad, ist aber nicht im Werksteam», betont Pernat. 

«Ich verstehe auch nicht, was sich an den Plänen von Ducati in der kurzen Zeit seit Ende August geändert haben soll», seufzte Carlo Pernat im Gespräch mit SPEEDWEEK.com.

Tatsache ist, dass Enea Bastianini in diesem Jahr einige enttäuschende Ergebnisse geliefert hat, wobei er sich natürlich in Portimão und in Barcelona zweimal schlimm verletzt hat.

«Enea ist in Portugal von Marini abgeschossen worden und dann fast drei Monate wegen des gebrochenen Schulterblatts ausgefallen», gibt Pernat zu bedenken. «Er bekam 2023 erstmals ein aktuelles Werksmotorrad, er kam in ein neues Team, er musste sich an die Arbeitsweise seines neuen Crew-Chiefs Marco Rigamonti gewöhnen. Aber er konnte die GP23 drei Monate nicht fahren und drei Monate kein vernünftiges Konditionsprogramm machen. Auf jeden Fall stehen wir auf dem Standpunkt, dass Enea auch 2024 im Lenovo-Werksteam fahren wird.»

Pernat weiß aber, dass Fahrer wie Lorenzo (2018 bei Ducati), Zarco (2019 bei KTM), Viñales (2021 bei Yamaha) trotz gültiger Verträge einen Teamwechsel vollzogen haben. Und Marc Márquez wird nach 2023 von HRC zu Gresini Ducati wechseln – trotz Vertrags für 2024.

«Wenn es passieren sollte, dass Enea zu Pramac transferiert wird, wird es Ducati eine Stange Geld kosten», rechnete Pernat unmissverständlich vor.

Weltmeister und WM-Leader Pecco Bagnaia hält sich aus diesen Diskussionen heraus: «Ich bin in diese Entscheidungen nie involviert und will mich in diese Art von Entscheidungen auch nicht einmischen. Ich glaube, dass es für Enea nicht fair wäre nach dieser Saison, die er erlebt hat. Ich bin aber nur hier, um Rennen zu fahren. Es ist besser, wenn ihr ihn fragt, ich weiß es nicht.»

Eine innige Liebe existiert allerdings zwischen Bagnaia und Bastianini nicht. Denn die «Bestia» hat den Weltmeister 2022 mit der Gresini-Ducati GP21 mindestens viermal ziemlich rücksichtslos bekämpft und wenig Rücksicht auf dessen Titelkampf gegen Fabio Quartararo genommen.

Und beim Saisonstart in Portugal schleppte Bastianini den Honda-Star Marc Márquez zur Pole-Position, Bagnaia verlor sie. Zuletzt hat Bastianini den Teamkollegen beim Grand Prix in Mandalika im Q1 auf Platz 3 verdrängt und ihm dadurch dort die Chance auf einen guten Startplatz vermasselt.

Der WM-Zweite Martin wartet gelassen ab. «Ich kann nicht viel dazu sagen», erklärte er heute in Sepang. «Was ich sagen kann: Ich wäre stolz, eine weitere Saison mit Pramac weiterzumachen. Falls Ducati mich auf einem roten Bike sehen will, wäre ich aber mit Sicherheit auch glücklich.»

Ergebnis MotoGP-Rennen, Buriram (29.10.):

1. Martin, Ducati, 26 Rdn in 39:40,045 min
2. Bagnaia, Ducati, + 0,253 sec
3. Binder*, KTM, + 0,114
4. Bezzecchi, Ducati, + 2,005
5. Quartararo, Yamaha, + 4,550
6. Marc Márquez, Honda, + 5,362
7. Marini, Ducati, + 6,778
8. Aleix Espargaró**, Aprilia, + 7,303
9. Di Giannantonio, Ducati, + 7,569
10. Zarco, Ducati, + 9,377
11. Morbidelli, Yamaha, + 11,168
12. Mir, Honda, + 11,990
13. Bastianini, Ducati, + 12,323
14. Nakagami, Honda, + 14,537
15. Raúl Fernández, Aprilia, + 15,093
16. Miller, KTM, + 17,640
17. Augusto Fernández, KTM, + 21,307
18. Pol Espargaró, KTM, + 21,435
– Viñales, Aprilia, 3 Runden zurück
– Alex Márquez, Ducati, 14 Runden zurück
– Oliveira, Aprilia, 20 Runden zurück

*= 1 Platz zurück («track limits» in der letzten Runde)
**= 3-Sekunden-Strafe (2. Reifendruck-Vergehen der Saison)

Ergebnis MotoGP-Sprint, Buriram (28.10.):

1. Martin, Ducati, 13 Rdn in 19:41,593 min
2. Binder, KTM, + 0,933 sec
3. Marini, Ducati, + 1,841
4. Marc Márquez, Honda, + 3,503
5. Aleix Espargaró, Aprilia, + 3,581
6. Bezzecchi, Ducati, + 4,029
7. Bagnaia, Ducati, + 4,121
8. Alex Márquez, Ducati, + 6,727
9. Zarco, Ducati, + 7,323
10. Miller, KTM, + 9,240
11. Quartararo, Yamaha, + 9,339
12. Mir, Honda, + 10,356
13. Bastianini, Ducati, + 12,312
14. Raúl Fernández, Aprilia, + 15,390
15. Morbidelli, Yamaha, + 15,535
16. Pol Espargaró, KTM, + 15,644
17. Oliveira, Aprilia, + 17,753
18. Viñales, Aprilia, + 22,675
19. Nakagami, Honda, + 37,854
OUT: Di Giannantonio (Kupplung), Augusto Fernández (Sturz)

MotoGP-WM-Stand nach 33 von 39 Rennen:

1. Bagnaia, 389 Punkte. 2. Martin 376. 3. Bezzecchi 310. 4. Binder 249. 5. Aleix Espargaró 198. 6. Zarco 194. 7. Viñales 170. 8. Marini 164. 9. Quartararo 145. 10. Miller 144. 11. Alex Márquez 117. 12. Di Giannantonio 93. 13. Morbidelli 84. 14. Marc Márquez 81. 15. Oliveira 76. 16. Augusto Fernández 67. 17. Rins 54. 18. Nakagami 52. 19. Bastianini 45. 20. Raúl Fernández 40. 21. Pedrosa 32. 22. Mir 24. 23. Pol Espargaró 12. 24. Savadori 9. 25. Folger 9. 26. Bradl 8. 27. Pirro 5. 28. Petrucci 5. 29. Crutchlow 3.

Konstrukteurs-WM:

1. Ducati, 589 Punkte (Weltmeister). 2. KTM 321. 3. Aprilia 287. 4. Honda 166. 5. Yamaha 165.

Team-WM:

1. Prima Pramac Racing, 570 Punkte. 2. Mooney VR46 Racing 474. 3. Ducati Lenovo Team 444. 4. Red Bull KTM Factory Racing 393. 5. Aprilia Racing 368. 6. Monster Energy Yamaha 229. 7. Gresini Racing 210. 8. CryptoDATA RNF 120. 9. LCR Honda 112. 10. Repsol Honda 105. 11. GASGAS Factory Racing Tech3, 88.

 

Siehe auch

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Happy Birthday, Marc Márquez!

Werner Jessner
Mit 31 Jahren startet der achtfache Weltmeister in den Herbst seiner Karriere. Möge er uns noch lange erhalten bleiben. Die MotoGP wäre sehr viel ärmer ohne ihn.
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