Speedway: Trauer um Andrey Kudryashov

Die größten Gewinner und Verlierer des Texas-GP

Von Thomas Kuttruf
Großartige Gewinner beim «Grand Prix of The Americas». Maverick Vinales und Massimo Rivola (Aprilia)

Großartige Gewinner beim «Grand Prix of The Americas». Maverick Vinales und Massimo Rivola (Aprilia)

Der dritte Grand Prix des Jahres in Austin/Texas bot spannende Rennen, die das Klassement der Weltmeisterschaft ordentlich in Bewegung brachten. Wir schauen auf die fröhlichen Gewinner – und die enttäuschten Verlierer.

Es erfordert keine Redaktionssitzung, um den größten Gewinner des «Grand Prix of The Americas» zu benennen. Ohne jede Diskussion – Maverick Viñales war der Star des COTA-Wochenendes. Seine Darbietung war in vielerlei Hinsicht herausragend.

«Batman» Viñales
Die Art und Weise, wie sich der Spanier durch die gesamte Veranstaltung bewegte, attestiert Viñales Qualitäten eines Großmeisters. In keiner Sitzung zeigte der Aprilia RS-GP-Werksfahrer Schwächen und behielt auch dann die Nerven, als sich das Blatt im GP-Match gegen ihn gewendet hatte. Das Comeback im eigentlichen Grand Prix am Sonntag, war nicht nur aus sportlicher Sicht absolut sehenswert, es legte auch eine alte Stärke frei. Die Kunst des Überholens wurde Viñales in der Vergangenheit oft abgesprochen. Selbst Insider hielten es für unmöglich, dass Maverick Viñales nach den Rempeleien des Starts vom Position 10 den Weg zurück an die Spitze findet. Zu oft steckte Viñales in der Vergangenheit trotz höherem Grundspeed scheinbar hilflos hinter seinen Gegnern fest.

Doch der 29-Jährige erteilte der gesamten MotoGP-Community eine Lektion. Sein Durchmarsch war großartig und verdient volle Punktzahl – die aber in gleichem Maße für das Team verteilt werden müssen. Denn den starken Ritt hatte sich der Spanier nur mit Urvertrauen in seinen Untersatz zugetraut.
Pole-Position – Sprint und GP-Sieg – schnellste Rennrunde. Cowboy-Hut ab. In der WM-Tabelle macht Viñales mit der maximalen Punkteausbeute einen kräftigen Satz nach vorne. Nach Portugal Achter, liegt «Top Gun» jetzt direkt hinter Enea Bastianini an der zweiten Stelle.

«La Bestia»
Womit wir bei einem weiteren eindeutigen Gewinner der Reise nach Texas sind. «Las Bestia» glänzte in den USA mit Speed und Beständigkeit. Auch dank seines geschmeidigen Fahrstils trat Bastianini zwar nie spektakulär in Erscheinung, seine Ritte auf der Piste von Austin waren aber extrem effektiv. Sechster im Sprint und vor allem der dritte Platz beim Sonntags-GP füllten die WM-Punkte so weit an, dass Bastianini nun der erste Verfolger von Jorge Martin ist. Wichtig für den Kopf der #23: In beiden Rennen hatte er Weltmeister und Teamkollegen Baganaia im Griff und im GP konnte er sich auch am noch härteren Gegner Martin vorbei kämpfen.

Super-Acosta
Applausstürme gab es erneut für Pedro Acosta, den dritten großen Gewinner des Texas-Rodeo. Der wohl größte Verdienst des 19-Jährigen ist dabei die Konstanz. In jeder Sitzung zeigt der Rookie auf und legte in Texas aus sportlicher Sicht endgültig das Einsteiger-Image ab. Dazu kam ein erstaunlicher Speed auf der mit einem MotoGP-Renner noch furchteinflößenderen «Circuit of The Americas». Erstmals brauste Acosta von Startreihe eins in die Wettfahrten. Als er im Sprint realisierte, dass es nicht für den Sieg reichte, behielt er die Nerven und brillierte mit Platz vier. Im Grand Prix kämpfte der GASGAS-Star bis zur Schlussphase um den Sieg. Mit harten Manövern gegen das Establishment zeigte Acosta volle Entschlossenheit, schaltete dennoch im richtigen Moment sein Rennfahrer-Gehirn ein. Auch Acosta sprang in der Tabelle weit nach vorne. Noch vor Pecco Bagnaia liegt Pedro Acosta nach dem dritten GP auf Position vier.

Pecco Bagnaia
Damit ist der erste Verlierer bereits genannt. Das Beste am Wochenende, so wird es die #1 verbucht haben, war das Qualifying. Startplatz vier war für den aktuellen Champ eine sehr gute Ausgangslage. Doch beide Chancen auf ein Top-Ergebnis musste der Mann aus Turin auslassen. Zwar gelang dem Ducati Aushängeschild eine Schadensbegrenzung, doch der achte Platz im Sprint sowie Rang fünf im Rennen liegen klar unter den Möglichkeiten von Pecco Bagnaia. Als Quittung dafür, dass der Italiener nicht auf dem gleichen Level wie Viñales, Acosta und Bastianini war, rutschte Bagnaia um einen Platz ab. Die Weltmeisterschaft 2024 befindet sich noch in einer frühen Phase, aber von einer Dominanz des Doppelweltmeisters kann keine Rede sein.

«Brad Attack» Binder
Richtig rückwärts ging es auch für den eigentlichen Star der KTM-Mannschaft. In Hinblick auf den WM-Stand erwischte es Brad Binder eiskalt im heißen Texas. Vor dem Sprint von Austin noch erster Verfolger des «Martinators» fand sich Binder nach dem GP nur noch an sechster Stelle wieder.
Verantwortlich war dafür eine nicht wirklich zu erklärende Unstimmigkeit zwischen der RC16 und ihrem Piloten, die auf den Zeitlisten konstant eine Sekunde Luft zur Spitze bedeutete.

Von einem fast aussichtslosen 17. Startplatz war der neunte Rang im Grand Prix noch ein gutes Resultat. In Summe wird Binder den USA-Trip als herbe Schlappe betrachten, denn die Konkurrenzfähigkeit der Technik vom GASGAS-Youngster in der Nebenbox eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Das Beispiel «Brad Attack» zeigt, wie dünn das MotoGP-Eis des Erfolgs ist. Ein ungutes Gefühl und es droht der Absturz ins Mittelfeld.

«MM93» Marc Márquez
Apropos Absturz. Den hatte Marc Márquez niemand gewünscht. Auch Nicht-Fans des Draufgängers grinsten vor Begeisterung, als der achtfache Weltmeister und oberster MotoGP-Cowboy in Texas zu Werke ging. Nach dem Podest beim Sprint setzte «MM93» beim Grand Prix alles auf einer Karte – und verlor. Allerdings, in Führung liegend. Der Gresini Ducati-Einsteiger war wenig überraschend in Austin stets vorne bei der Musik. Auch ging der Sturz im Rennen mit einer unkonstanten Bremsanlage nur zum Teil auf sein Konto. Doch auch der gloriose Speed ändert nichts an der zweiten Nullnummer in Folge. Direkt hinter Aleix Espargaro liegt der ältere Márquez jetzt auf WM-Rang acht. Für die #93 ist das Gesamtbild in der Weltmeisterschaft keine schmerzhafte Niederlage, doch der Abflug an der gleichen Stelle, an der er schon einmal in Führung von der RC213V geflogen war, wird eine Kerbe im Ego des Spaniers hinterlassen.

Und Jorge Martin? Der Spanier fuhr im Vergleich zur Konkurrenz unscheinbar und unbeschadet durch die dritte Etappe des MotoGP-Jahres. Mit einem Podest im Sprint und wichtigen Zählern im GP konnte Martin seine Position an der WM-Tabellenspitze souverän halten. Die spektakuläre Vorstellung des größten Gewinners von Austin wird dem «Martinator» als auch Ducati zu denken geben.


Stand MotoGP Fahrer-WM nach 3 von 21 Rennen
1. Jorge Martín 80 Punkte
2. Enea Bastianini 59 
3. Maverick Vinales 56 
4. Pedro Acosta 54 
5. Francesco Bagnaia 50
6. Brad Binder 49
7. Aleix Espargaro 39 
8. Marc Márquez 36
9. Fabio Di Giannantonio 25 
10. Jack Miller 22 
11. Marco Bezzecchi 20 
12. Fabio Quartararo 19 
13. Alex Márquez 14 
14. Miguel Oliveira 13
15. Raúl Fernández 7 
16. Augusto Fernández 7 
17. Joan Mir 7 
18. Johann Zarco 5 
19. Alex Rins 3 
20. Takaaki Nakagami 2 
21. Franco Morbidelli 0 
22. Lucai Marini Marini 0 

Stand Konstrukteurs-WM nach 3 von 21 Rennen:
1. Ducati 96 Punkte
2. KTM 76 
3. Aprilia 72 
4. Yamaha 19 
5. Honda 8 

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