MotoGP

Marc Márquez: «Müsste für Yamaha Fahrstil ändern!»

Von - 23.03.2015 14:21

Repsol-Honda-Pilot Marc Márquez geht auch 2015 als absoluter Favorit in die MotoGP-Saison. In einem ausführlichen Interview sprach er nun über Rossi, Lorenzo und seine Experimente in den letzten Rennen 2014.

Mit nicht einmal 21 Jahren läutete Marc Márquez 2013 eine neue Ära in der MotoGP-Klasse ein, zumindest was den Fahrstil betrifft. Er liebt es, über Technik zu plaudern, über Motorräder oder Rennen – mehr wie seine Gegner. Es entsteht der Anschein, als ob seine Überlegenheit noch grösser wird.

Marc, was erwartest du von der Saison 2015?

Ich erwarte einen bedeutend stärkeren Lorenzo, er hat sich mit Sicherheit anders vorbereitet. Ich sehe ihn als meinen stärksten Rivalen, auch wenn die Nummer 2 Valentino Rossi ist. Ich weiss nicht, was 2014 mit Jorge los war. Abgesehen davon, dass es Momente gab, wo er offenbar in Schwierigkeiten steckte, konnte er zum Beispiel in Mugello und Barcelona wieder beweisen, dass das Potenzial nach wie vor in ihm steckt.

In seinem Heimatort Cervera war Marc gewillt, viel über die Rennen zu plaudern. Also begannen wir mit der Episode Australien, als er vier Sekunden Vorsprung hatte und weggerutscht ist. Es handelte sich um ein Experiment?

Ja, beginnen wir dort. Ich war relaxed, weil ich ja den Titel bereits gewonnen hatte. Deshalb wagte ich es, bei den letzten Rennen mit dem Set-up zu experimentieren. In Australien zum Beispiel wollte ich ein anderes Rennen fahren, als ich es üblicherweise gemacht habe. Im Normalfall heisst mein Schema, gut starten, mit der Spitze mithalten und am Schluss attackieren. Dieses Mal entschied ich mich, bereits zu Beginn zu attackieren und so das Rennen im Alleingang zu gewinnen.

Also im Stil von Stoner, Lorenzo, Pedrosa oder noch früher wie Doohan.

Ja genau, in diesem Stil. Die Strategie war, die ersten 15 Runden zu pushen und die letzten fünf oder sechs Runden ruhiger angehen.

Was ist stattdessen passiert?

Diese Strategie passte einfach nicht zu meiner Art, Rennen anzugehen. Ich verliere die Konzentration, wenn ich allein vorausfahre. Ich kann das auf gewissen Strecken anwenden, aber offensichtlich nicht auf dieser.

Dann wirst du das nicht mehr versuchen?

Weiss ich nicht. Mir behagt meine Art zu fahren einfach besser, das was ich als normal beschrieben habe. Wenn ich mit den anderen zusammen bin, bleibe ich konzentrierter. Ich riskiere mehr, wenn ich 25 Runden alleine fahre. Ich ziehe den Kampf vor, Körper an Körper. Das ist aufregender, deshalb bleibe ich konzentrierter.

Manche behaupten, man müsse dich nur unter Druck setzen, damit du Fehler machst. Das sei dein Schwachpunkt.

Und sie liegen dabei falsch, denn unter Druck fühle ich mich bestens. Ich stand ja auch in der ersten Hälfte der Saison unter Druck, trotzdem gewann ich zehn Rennen. Es ist ganz einfach, nach dem Sommer war ich in einer sonderbaren Situation. Ich hatte einen grossen Vorsprung und trotzdem riskierte ich bei den Rennen viel. Das war vor allem in Misano der Fall, als ich in den ersten Runden unbedingt Valentino, der sehr stark war, angreifen wollte. Da hätte ich ruhiger bleiben sollen.

Und im folgenden Rennen in Aragón?

Da war die Situation anders. Viele denken, ich wäre unnötig viel Risiko eingegangen, mit Slicks zu fahren, auch als die Strecke immer nasser wurde. Ich fühlte mich aber damit sehr sicher. Bis zum Ausrutscher war ich der Meinung, die Situation unter Kontrolle zu haben. Ich war gelassen, wollte auf der Strecke bleiben und gewinnen. Davon war ich überzeugt. Mir fehlte wohl die Erfahrung unter solchen Bedingungen, wie auch in Misano, aber ich denke, mit 21 Jahren darf man sich das leisten.

Was hast du also in Aragón gelernt?

In gewissen Situationen ist es nicht immer einfach, die richtige Entscheidung zu treffen. Also wenn man mit Slicks draussen ist, und es anfängt zu regnen. Den Beweis erbrachte Lorenzo in Aragón. Er hatte die bessere Wahl getroffen und gewonnen. In Valencia hingegen hatte er sich böse verspekuliert. Ich versuche also aus den Fehlern andere zu lernen, nicht nur aus meinen.

Jetzt ist es aber soweit wie damals bei Rossi, man beginnt zu behaupten, dass du nur Dank der Honda dominierst.

Das stimmt aber nicht. Darf ich was sagen? Wer sagt, mit der Honda zu gewinnen, sei einfach oder ich gewinne nur wegen der Honda? Das ist jemand, der nicht viel von Motorrädern versteht.

So hat auch Rossi gedacht, um es zu beweisen, ging er zu Yamaha. Früher oder später müsstest auch du eine neue Motivation finden.

Momentan ist das kein Thema, denn mir gefällt es in meiner Position, auf dem Motorrad, auf dem ich jetzt sitze. Vor mir liegen zwei weitere Jahre mit Honda. Dann, wenn ich 23 oder 24 bin, sehen wir weiter.

Mal ehrlich, würdest auch auf der Yamaha schnell sein?

Ich denke schon. Aber sicher nicht mit meinem Fahrstil, da müsste ich mich schon anpassen.

Kehren wir zurück zur angenommenen Überlegenheit deines Motorrades.

Im Rennsport war es doch schon immer so – die gleiche leidige Geschichte. Wenn Lorenzo mit der Yamaha gewinnt, ist das beste Motorrad die Yamaha. Als Stoner mit der Honda gewann, war die Honda das beste Motorrad. Manchmal ist der Fahrer ausgeglichen, manchmal eben nicht. Ich glaube, dass die Yamaha auf dem gleichen Level ist wie die Honda. Ausserdem: Das beste Motorrad existiert gar nicht.

Was willst du damit sagen?

Es existiert nur das beste Paket: Motorrad-Fahrer-Team. Ich hatte das beste Paket, aber in erster Linie ein Motorrad und ein Team, das sich mir angepasst hat. Der Unterschied oder sagen wir mein Glück ist, dass die Honda perfekt auf meinen Fahrstil angepasst wurde. Darum denken einige, dass dieses Motorrad mich gewinnen lässt. So ist es aber nicht, denn die Honda ist ein schwieriges Motorrad.

Das hatte Valentino auch schon gesagt.

Das haben alle gesagt, die sie gefahren sind. Tatsache ist, die Honda hat schon einige Fahrer in eine Krise versetzt.

Stimmt es, dass Crutchlow bei den Tests in Valencia bei dir nach einer Erklärung suchte?

Er hat mich gefragt: Sag mal, wie fährt man so ein Motorrad, was habt ihr damit gemacht?

Auch Redding war noch etwas verloren.

Er ist von der Open- auf eine Factory-Maschine gestiegen und war von der Leistungsentfaltung wohl überrascht worden. Um mit der Honda schnell zu sein, muss man sich eben anpassen können.

Inwiefern ist die Honda schwierig?

Es ist schwierig damit auf die Dauer konstant und präzise zu sein. Glaube, dass es einfacher ist mit der Yamaha ein gewisses Level zu erreichen, sagen wir an die Schwelle des Limits zu kommen, aber schwieriger es zu überschreiten. Bei der Honda ist es das Gegenteil. Sie ist schwieriger ans Limit zu bringen, aber wenn du es schaffst, kannst du auch darüber gehen. Aber dafür musst du das richtige Setting finden. Dann jedoch erlaubt es die Honda, sie am Limit oder auch etwas darüber zu bewegen. Das ist der Vorteil der Honda, nur, um davon zu profitieren, musst du erst mal in der Lage sein, diesen Level zu erreichen.

Und das gelingt offenbar nur dir.

Nun, ich sehe auch Dani, der sehr stark und konstant damit fährt. Ich wiederhole, die Honda scheint für meinen Fahrstil gebaut und sie ist ein extremes Motorrad. Wenn du sie also an einem gewissen Limit bewegst, erlaubt sie eben auch etwas darüber zu gehen. Mit dem Resultat, dass sie auf einer Strecke perfekt funktioniert, aber beim nächsten Rennen ist es wieder sehr schwer, damit zu fahren. Das Set-up ist also fundamental. Wenn du mit der Honda ein Problem hast, dann hast du wirklich ein Problem. Willst du was wissen?

Bitte.

Die letztjährige Honda war sehr aggressiv. Ich hatte mich deswegen öfters bei den Technikern beschwert. Nur ist die 2015er-Honda noch aggressiver geworden.

Vielleicht hängt das einfach von der DNA ab, also vom Konzept, wenn jemand einen potenten Motor wünscht.

Vielleicht. Wenn du mit der Honda schnell sein willst, musst du immer hundert Prozent geben ohne nachzulassen. Du musst in jeder Runde ans Maximum gehen, wenn du auch nur ein wenig sanfter fahren willst, wirst du gleich langsamer. Du musst dich immer am Limit bewegen.

Ist das der Grund, dass es dir gelingt, die Honda so leicht zu fahren?

Nun ja, gerade leicht ja nicht, aber es ist das Motiv, wenn ich sage, dieses Motorrad ist wie für mich geschaffen. Ich fahre immer am Limit und in extremer Weise. Viele Fahrer haben einen anderen Stil und sind dann überfordert, wenn sie auf die Honda steigen. Es gelingt ihnen nicht, ihre Aggressivität zu bändigen.

Auch Freddie Spencer spricht von deiner Fähigkeit, stets am Limit zu fahren ohne dabei all zu viele Fehler zu begehen. Er denkt, du hast diese Sensibilität, die es dir erlaubt, zu fühlen, wenn das Motorrad am Limit ist. Auch wenn sie sich viel bewegt, erkennst du, ob sie noch zu kontrollieren ist oder eben nicht mehr.

Das ist etwas, an dem ich viel arbeite, wenn sich mein Motorrad bewegt, dann nur, weil es so will. Mir gefallen zu steife Motorräder nicht, obwohl es stimmt, dass je steifer es ist, umso mehr spürst du es. Trotzdem, wenn sich das Motorrad bewegt, ist es manchmal nicht so einfach zu lenken, aber ich erhalte dann diese Alarmsignale, bevor sie die Haftung verliert.

Es sind doch immer Kompromisse?

Das Problem ist doch immer das gleiche. Wenn du am Kurveneingang schnell sein willst, bist du am Kurvenausgang langsamer. Wenn du es akzeptierst, am Eingang langsamer zu sein, kannst du dafür aus der Kurve raus schneller sein. Es war schon immer so. Aber die 2015er-Honda ist noch schwieriger.

Was hast du den Techniker beim letzten Meeting 2014 gesagt?

Dass ich weniger Motorkraft wünsche. In Valencia habe ich die Techniker gebeten, die Motorcharakteristik zu ändern. Die Power setzt zu aggressiv ein, ich sage aber nicht, dass ich weniger Power will, denn die kannst du immer brauchen.

Du beherrschst auch das Sliden.

Bis 2012 war Casey Stoner der Beste im Sliden. Aber er slidete erst von der Mitte der Kurve aus. Vermutlich war ich der erste, der das Sliden auch in die Kurve rein praktizierte. Das ist sicher auch ein Vorteil.

Ist das die Moto2-Technik?

Richtig, in der Moto2-Klasse ist es bereits normal, dass man querstellt und so in die Kurve reinslidet. Jetzt wiederhole ich mich zwar, aber mir fällt es auch mit der MotoGP leicht, weil man mit der Honda gewisse Dinge machen kann. Auch Pol Espargaró würde so fahren, aber mit der Yamaha geht das nicht. Diese Technik beherrscht auch Maverick Viñales, das hängt aber von der Charakteristik der Suzuki ab.

Wie entsteht diese Technik?

Das kommt vom Dirt Track und Flat Track, sie sind die Basis meines Trainings. Zusammen mit Motocross. Auch Valentino trainiert regelmässig Flat Track.

Ist dein Trainingsprogramm gleich geblieben?

Ich trainiere sehr viel mit dem Motorrad. In der Stadt, also in Cervera, bin ich nicht viel, ausser ich gehe aus zum Abendessen. Wenn ich daheim bin, trainiere ich viel Flat Track in Ruefa, wo wir nebenan auch ein Motocross-Piste gebaut haben. Für das Motocross benutze ich aber auch andere Strecken. Motocross ist meine grosse Leidenschaft, dort hat alles begonnen, als ich noch klein war.

Bist du der gleiche Marc geblieben wie früher?

Ja, in erster Linie fühle ich mich als eine normale Person und möchte auch wie eine normale Person leben können. In Spanien ist das nicht mehr möglich und mittlerweile auch in Italien nicht. Man sagt, das sei der Preis der Berühmtheit. Ich versuche immer zu allen nett zu sein. Es ist mir ein Vergnügen, wenn die Leute mit mir fotografiert werden wollen. Oder wenn sie mit mir plaudern wollen.

Jetzt bist du aber ein Star.

Ich fühle mich aber nicht wie einer. Sicher, in den letzten vier oder fünf Jahren habe ich mehr erreicht, als ich für möglich hielt. Es hat sich natürlich schon einiges verändert. Aber alles was ich erreicht habe, verdanke ich der Arbeit.

Aber gewisse Erfahrungen verändern eine Person.

Mit Sicherheit habe ich meine Unschuld verloren, ich glaube nicht mehr jedem, wie als junger Bursche. Ich bin 21 und erwachsen, ich entdecke die Probleme und auch die Verantwortung. Wichtig ist, dass man Freude an dem hat, was man macht, damit man die schönen Momente geniesst und vor allem mit beiden Füssen auf dem Boden bleibt.

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