Markus Reiterberger: «Ein kompletter Schmarren»

Von Ivo Schützbach
Superbike-WM
Markus Reiterberger hängt an der Heimat

Markus Reiterberger hängt an der Heimat

«Wenn man sich nicht wohlfühlt, fährt das unterbewusst mit», sagt Markus Reiterberger, der seinen Platz im BMW-Werksteam in der Superbike-WM verlor und 2020 in der Asia-Serie fahren wird.

Nächstes Jahr beginnt für Markus Reiterberger ein neuer Karriereabschnitt. Nach drei Titeln in der IDM Superbike, dem Gewinn der Superstock-1000-EM 2018 und insgesamt gut zwei Jahren in der Superbike-WM wechselt der 25-Jährige in die Asia Road Racing Championship. Dort wird er für das Team Onexox BMW TKKR insgesamt sieben Events in Malaysia, Thailand, Japan, China und Australien bestreiten. Außerdem kann sich der Bayer vorstellen, ergänzend die restlichen drei Rennen der Endurance-WM in Le Mans, Oschersleben und Suzuka für das BMW-Werksteam zu fahren.

Reiti spricht im vierten von fünf Teilen des großen Exklusiv-Interviews von SPEEDWEEK.com offen über seine Schwierigkeiten, sich an das WM-Motorrad von BMW anzupassen und über Vorwürfe, die ihm im Team von Shaun Muir unterschwellig gemacht wurden.

Markus, du kennst dich technisch gut aus. Kannst du erklären, weshalb du mit dem Superstock-Motorrad immer schnell bist und mit dem WM-Superbike Probleme hast?

Bei einem Motorrad muss immer das Paket funktionieren, egal in welcher Konfiguration. Wenn man in ein anderes Team kommt und nur noch ein ähnliches Bike hat, dann ist das nicht mehr 100 Prozent. In der WM brauchst du aber 100 Prozent. Wenn du die nicht hast, dann bist du eine halbe Sekunde oder eine Sekunde hinten und aus den Top-10 draußen.

In einem Team, mit dem man viele Jahre sehr gut zusammengearbeitet hat, und mit einem Superbike, das nach den Vorstellungen des Fahrers und Teams gebaut wurde, hat man diese 100 Prozent.

Wir haben mit meinem IDM-Team 2017 ein WM-Superbike gebaut, waren auf dem Lausitzring am Start und wurden Siebter und Neunter. Potenziell war sogar Platz 4 möglich, ich war an der Gruppe dran. Und das nach zwei Tagen Test.

Es muss alles passen, nicht nur das Motorrad oder der Fahrer. Man muss sich im Team in der Box wohlfühlen. Wenn ich auf die Strecke rausfahre denke ich immer, dass ich mein Bestes gebe. Aber wenn man ehrlich ist und in sich rein hört, dann hat es immer einen Einfluss, wie man sich fühlt. Unterbewusst spielt das mit. Und es belastet einen mental, wenn etwas nicht passt. Auch wenn man meint, es nicht zu merken.

Wenn über ein ganzes Jahr nicht 100 Prozent vom Fahrer, vom Bike und vom Team kommen, dann bist du genau dort, wo ich gelandet bin.

Als Jonathan Rea 2015 zu Kawasaki kam, musste er auch mit den Leuten arbeiten, die man ihm vorsetzte.

Die erfolgreichen Teams haben ihre Leute über Jahre dabei, da wird nicht dauernd gewechselt. Wenn dann ein Glückspilz in so ein Team kommt, wo alle perfekt zusammenarbeiten, der Teamgeist stimmt und das Motorrad schnell ist, dann ist er auch erfolgreich.

Wenn dauernd das Teampersonal oder der Fahrer gewechselt werden, dann kann man nichts aufbauen. Die guten Fahrer halten immer an ihrer Crew fest.

Im BMW-Team war 2019 mehrfach zu hören, dass du dein Leben nicht vollkommen auf den Rennsport ausrichten und alles dafür tun würdest. Wie ist das zu verstehen?

Mich hat auf dieses Thema nie jemand angesprochen.

Ich habe mich auf die Saison 2019 über den Winter stärker vorbereitet denn je. Ich trank null Alkohol, machte eine Stoffwechselkur, nahm zehn Kilogramm ab und trainierte den ganzen Winter wie ein Irrer. Das habe ich alles bis Mitte Saison durchgezogen, ich war fitter denn je. Ich weiß nicht, was ich hätte mehr machen sollen.

Hättest du nach Spanien ziehen und dort mit anderen Sportlern in einer Trainings-WG leben müssen, wie es einige andere Rennfahrer vormachen?

Meine Familie unterstützte mich schon immer, dass sie ein Störfaktor sind, ist ein kompletter Schmarren. Sie stehen alle 100-prozentig hinter mir.

Außerdem: Wer vom Team soll so etwas beurteilen können? So gut kennt mich keiner von ihnen.

Es ist schade, dass mir das nie einer ins Gesicht gesagt hat. Keiner aus meinem Umfeld bremst mich ein.

Klar gibt es Fahrer, die ziehen nach Spanien. Da bin ich aber nicht der Typ dafür. Ich hänge an meiner Heimat, meiner Familie und den Freunden. Ich kann mir nicht vorstellen, wegzuziehen.

Deutsche Nestwärme ist wichtig für dich?

Ja. Ich bin so froh, wenn ich heimkomme, besonders nach einem schlechten Wochenende. Es geht eh immer ums gleiche Thema, um Racing.

Wenn der Lebensmittelpunkt das Wichtigste ist, dann stimmt es, dass ich nicht alles auf den Rennsport ausgerichtet habe. Aber davon abgesehen – seit ich acht Jahre alt bin, ist alles auf Racing ausgerichtet. In meiner Familie gibt es nichts anderes, als Motorrad fahren.

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