Stefan Bradl: «Keine Abneigung gegen das SBK-Paddock»

Von Ivo Schützbach
Superbike-WM

Als Stefan Bradl 2017 für Honda in der Superbike-WM fuhr, lag der größte Motorrad-Hersteller am Boden. «Damals hat sich HRC nicht sehr interessiert und wenig gekümmert», sagt der 30-Jährige.

Im Oktober 2016 präsentierte Honda auf der Motorradmesse Intermot in Köln die vorerst letzte CBR1000RR, seit diesem Jahr hat die Fireblade ein drittes R hinzubekommen.

Honda wartete in der Saison 2017 mit den beiden Weltmeistern Nicky Hayden und Stefan Bradl in der Superbike-WM auf, doch trotz neuem Motorrad entwickelte sich die Saison zu einer Katastrophe.

Weil Honda die Serienmaschinen erst am 6. Januar zum damaligen Partnerteam Ten Kate schickte, hatten die Niederländer kaum Zeit, sich auf die Ende Februar beginnende Saison vorzubereiten. Die Leistungsentfaltung des Motors war anfänglich zu aggressiv, die Elektronik von Partner Cosworth arbeitete mangelhaft.

Und dann erlag Nicky Hayden am 22. Mai 2017 nach einem Unfall mit dem Rennrad in Italien seinen schweren Kopfverletzungen.

Das Team war gebrochen.

Stefan Bradl quälte sich durch die Saison, der Bayer erlebte Hondas erfolglosestes Jahr in der Superbike-WM – Rang 6 in Assen ist das beste Ergebnis des Deutschen.

Nach der Saison 2018 verlor Honda nicht nur Hauptsponsor Red Bull, sondern wechselte auch das Team. Man ließ nach über zwei Jahrzehnten Ten Kate fallen, verbündete sich für 2019 mit Moriwaki und stampfte für 2020 ein eigenes Team HRC aus dem Boden.

Bradl kehrte für 2018 in die MotoGP-WM zurück und arbeitet seither als Testfahrer für die Honda Racing Corporation.

Am 22./23. Januar testete der Bayer in Jerez, fuhr wegen des schlechten Wetters aber kaum. Derzeit ist Bradl für Honda bei den Shakedown-Tests in Sepang/Malaysia unterwegs.

Neunmal kam Bradl 2018 und 2019 in der MotoGP-WM zum Einsatz – mit Wildcard oder als Ersatzfahrer. Dreimal brauste er in die Top-10.

Was Bradl im Herbst 2016 von Honda versprochen wurde, ist erst heute Realität. Jetzt gibt es ein Team HRC und mit der Triple-R ein Motorrad, dessen Basis für die Superbike-WM taugt.

«Als ich für sie fuhr, war eine andere Zeit», erzählte der 30-Jährige. «Damals kannte ich HRC noch nicht so gut wie heute. Honda damals war nicht, was Honda heute für mich ist. Damals machte das noch Ten Kate und da ging halt nichts. Meiner Meinung nach war das alles nicht professionell genug. Honda hat sich damals nicht sehr für die Superbike-WM interessiert und sich wenig gekümmert. Sie lieferten zwar die Bikes, aber der Rest musste vom Team gemacht werden.»

Könntest du dir unter den heutigen Voraussetzungen vorstellen, noch einmal SBK für Honda zu fahren? «Aktuell bin ich nicht in der Lage, dazu ja oder nein zu sagen», grübelte der Moto2-Weltmeister von 2011 im Gespräch mit SPEEDWEEK.com. «Für mich war es schön, als mich Honda gefragt hat, ob ich Interesse habe, das neue Superbike zu probieren und ihnen weiterzuhelfen. Natürlich habe ich ja gesagt, dann weiß man, dass man sich gegenseitig vertraut. Dann wissen sie, dass der Herr Bradl ein Testfahrer ist, der sie weiterbringt. Nicht nur in der MotoGP-WM, sondern auch in anderen Bereichen. Ich beobachte, was in der Superbike-WM passiert, weil es HRC betrifft. Mein Interesse ist da, die Priorität dieses Jahr ist aber mein Job als MotoGP-Testfahrer. Dann wird viel darauf ankommen, wie Marc Marquez in die Saison rein- und wie Alex Marquez zurechtkommt. Es kann ja sein, dass er mit der RCV eine ganz andere Entwicklung haben will.»

«Ich habe einen netten Job und bin auch zufrieden», hielt Bradl fest. «Wenn mich einer fragt wieder Rennen zu fahren, dann sage ich nicht nein. Aber ich bin auch realistisch und nicht mehr der Jüngste. Die Voraussetzungen müssen passen. Ich setze mich nicht auf ein unbekanntes Motorrad und habe einen Ein-Jahres-Vertrag – viel Spaß. Das bringt es nicht. Ich habe keine Abneigung gegen das SBK-Fahrerlager, wir gingen halt wieder getrennte Wege. Man läuft sich ja eh immer wieder über den Weg, wie etwa in Suzuka. Ich habe aber gemerkt, dass mir die seriennahen Motorräder nicht so liegen wie die Prototypen. Das hat aber auch damit zu tun, dass ich mit der RC213V Kilometer ohne Ende abgespult habe. Auf das Motorrad sitze ich drauf, fahre los und es passt. Ich bin eingeschossen auf die Michelin-Reifen und die Prototypen. Das ist jetzt mein drittes Jahr als HRC-Testfahrer.»

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