Nach Sturz: Scott Redding brach vor Wut in Tränen aus

Von Ivo Schützbach
Superbike-WM
Scott Redding konnte die Tränen nach seinem Sturz nicht zurückhalten

Scott Redding konnte die Tränen nach seinem Sturz nicht zurückhalten

Wie ein Häufchen Elend kauerte Scott Redding nach seinem Sturz im ersten Lauf der Superbike-WM in Aragon in der Ducati-Box. Er weiß, dass er Jonathan Rea damit ein unschätzbares Geschenk machte.

Zehn Punkte lag Ducati-Star Scott Redding vor diesem Wochenende in der Gesamtwertung hinter Jonathan Rea (Kawasaki). Nach seinem Crash im ersten Hauptrennen im MotorLand hat sich der Rückstand auf 30 erhöht, weil der Nordire sämtlichem Druck standhielt und hinter dem überragenden Michael Ruben Rinaldi (Go Eleven Ducati) auf den zweiten Platz fuhr.

«Ich machte im ersten Rennen auf Phillip Island einen großen Fehler und habe viele Punkte verloren», dachte Rea ein halbes Jahr zurück. «Jetzt hat jeder in der Spitzengruppe seine Nullrunde. Es gibt gute und schlechte Tage. Ich hatte dieses Jahr mehr schlechte Tage als im Schnitt in den letzten fünf Jahren. Platz 6 in Jerez war ein totales Desaster für uns. Aber letztlich musst du einfach immer Punkte sammeln. Wenn die Pace so hoch ist, dann überschreitest du schnell mal das Limit. Vor allem, wenn es so heiß ist, die Reifen nachlassen und man nur noch rutscht.»

Wirst du mit jetzt 30 Punkten Vorsprung Risiken nur noch eingehen, wenn sie nötig sind? «Ich werden nach wie vor versuchen, zu gewinnen. Die Big-Points gibt es für Siege, der Unterschied zwischen Platz 1 und 2 sind 5 Punkte. Deshalb ist es immer wichtig, zu versuchen, zu gewinnen.»

Als sich Redding nach dem Sturz wieder gefasst und die Tränen aus dem Gesicht gewischt hatte, erzählte er, wie sich die vielleicht WM-entscheidende Szene in Runde 8 abspielte.

«Das Ganze war etwas außerhalb meiner Kontrolle», meinte der Engländer. «Ich hatte schon das ganze Wochenende das Problem, dass der Vorderreifen über die Renndistanz durchhält. Wir verbesserten das Motorrad, strauchelten aber mit dem Vorderreifen. Schon drei Runden vor dem Sturz konnte ich das Motorrad nur mit ganzem Einsatz halten, weil mir ständig das Vorderrad wegrutschte. Ich habe nicht damit gerechnet, in Kurve 4 zu stürzen. Aber ich konnte nichts tun, der Reifen rutsche einfach weg. Am meisten frustriert mich, dass Rinaldi fahren kann, als wäre er auf einem Sonntagsausflug mit seinen Kumpels. Seine Leistung war herausragend, es freut mich sehr für ihn, dass er sein erstes Rennen gewinnen konnte. Aber wir haben ein Motorrad vom gleichen Hersteller und ich kann ihm nicht einmal nahekommen. Das bremst mich in der Weltmeisterschaft, was nicht fair ist. Ich nütze alles, was mir das Team gibt, aber es funktioniert nicht. Ich war heute in einer Position, in der ich mir überlegte, ob ich weiter pushe und versuche Johnny zu schlagen, oder ob ich mich mit Platz 4 oder 5 abfinde. Fuck, ich will die Meisterschaft gewinnen. Unglücklicherweise bin ich dann gestürzt.»

Ich habe dich zum ersten Mal in der Box weinen gesehen. «Das kommt auch nicht oft vor», versicherte der Britische Meister. «Ich war sehr traurig. Ich bin sehr leidenschaftlich, ich glaube, dass ich diesen Titel gewinnen kann. Heute habe ich aber Punkte wie ein verdammtes Geschenk hergegeben. Das hat mich aus der Fassung gebracht, weil ich so viel investiert habe. Dann habe ich es aber verbockt – und das tat mir weh.»

«Mir sagen immer wieder Leute, dass das meine erste Saison ist, aber ich scheiß drauf, ich will den Titel gewinnen. Es kommen noch elf Rennen, in denen ich Punkte holen kann. Mein Problem ist die Person, der ich die Punkte abnehmen muss: Johnny ist sehr konstant und abgebrüht. Ihm darf ich keine Punkte überlassen, ich muss ihn permanent unter Druck setzen. Jetzt habe ich ihm Raum zum Atmen gegeben, was nicht ideal ist. Ich will die Meisterschaft nicht jetzt schon abschreiben. Ich brauche nur ein Team, das mir ein Motorrad gibt, mit dem ich gewinnen kann. Wenn das so ist, dann gewinne ich jedes Rennen. Wenn ich am Sonntag zweimal aufs Podium fahre, dann verliere ich nicht allzu viele Punkte auf Jonathan. 30 Punkte Rückstand sind viel, aber ich gebe nicht auf. Würde ich das tun, dann bliebe ich zuhause.»

Ergebnis Superbike-WM, Aragon/2, Lauf 1
Pos Fahrer Motorrad Zeit/Diff
1. Michael Rinaldi Ducati 33:19,700 min
2. Jonathan Rea Kawasaki + 5,888 sec
3. Chaz Davies Ducati + 10,035
4. Michael van der Mark Yamaha + 15,965
5. Toprak Razgatlioglu Yamaha + 19,357
6. Alex Lowes Kawasaki + 24,138
7. Leon Haslam Honda + 24,275
8. Eugene Laverty BMW + 24,749
9. Federico Caricasulo Yamaha + 25,437
10. Tom Sykes BMW + 26,796
11. Garrett Gerloff Yamaha + 27,354
12. Loris Baz Yamaha + 28,096
13. Xavi Fores Kawasaki + 33,131
14. Matteo Ferrari Ducati + 41,500
15. Takumi Takahashi Honda + 41,565
16. Maximilian Scheib Kawasaki > 1 min
17. Roman Ramos Kawasaki > 1 min
out Alvaro Bautista Honda  
out Scott Redding Ducati  
out Marco Melandri Ducati  
out Sylvain Barrier Ducati  

 

 

Stand Superbike-WM nach Lauf 1 in Aragón/2
Pos Fahrer Motorrad Punkte
1. Jonathan Rea Kawasaki 209
2. Scott Redding Ducati 179
3. Chaz Davies Ducati 136
4. Toprak Razgatlioglu Yamaha 135
5. Michael van der Mark Yamaha 123
6. Alex Lowes Kawasaki 112
7. Michael Rinaldi Ducati 104
8. Álvaro Bautista Honda 77
9. Loris Baz Yamaha 68
10. Leon Haslam Honda 60
11. Tom Sykes BMW 57
12. Garrett Gerloff Yamaha 33
13. Xavi Fores Kawasaki 30
14. Federico Caricasulo Yamaha 29
15. Eugene Laverty BMW 26
16. Marco Melandri Ducati 19
17. Sandro Cortese Kawasaki 14
18. Leandro Mercado Ducati 12
19. Maximilian Scheib Kawasaki 11
20. Sylvain Barrier Ducati 5
21. Christophe Ponsson Aprilia 4
22. Roman Ramos Kawasaki 3
23. Takumi Takahashi Honda 2
24. Matteo Ferrari Ducati 2
25. Lorenzo Gabelini Honda 0

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