Gardner schimpft: «Stewards machen, was sie wollen!»
Ein kontroverser Zwischenfall bei der Superbike-WM in Most am Freitag sorgte für Frust bei Remy Gardner: Der Yamaha-Pilot zeigte sich verwundert über die Engstirnigkeit der Stewards, die eine harte Strafe aussprachen.
Das sturzreiche erste Training bei der Superbike-WM in Most hatte für GRT-Yamaha-Pilot Remy Gardner unschöne Folgen: Der Sturz in der Zielkurve brachte dem Australier eine Durchfahrtsstrafe für das Samstags-Rennen ein. Der Grund: Gardner stürzte kurz nach Andrea Iannone (GoEleven-Ducati) und demzufolge bei gelben Flaggen. Doch weder die Strafe an sich noch deren Ausmaß konnte Gardner nachvollziehen.
"Die Durchfahrtsstrafe war nicht fair. Laut den Regeln ist ein Sturz bei gelben Flaggen eine doppelte Long-Lap-Penalty. Doch sie machen, was sie wollen", schimpfte Gardner beim Treffen mit SPEEDWEEK.com in Most.
"Wenn sechs Fahrer, die keine Idioten sind, in einer Session via Highsider abfliegen, dann sollte man etwas mehr Verständnis entwickeln. Ich drehte das Gas zu, weil ich in der letzten Kurve die gelben Flaggen sah", schilderte Gardner. "Ich fuhr 10 km/h langsamer, dann richtete ich das Motorrad auf. Ich hatte 46 Grad Schräglage, drehte das Gas auf 50 Prozent und dann warf mich das Motorrad ab."
Laut Gardner konnte man auf den Telemetriedaten also sehen, dass er Tempo rausnahm. "Ich zeigte ihnen die Daten. Doch das interessierte sie überhaupt nicht. Sie hatten bereits eine Entscheidung getroffen. Was ich aber echt nicht verstehe: Laut den Regeln ist es eine doppelte Long-Lap und ich erhielt eine Durchfahrtsstrafe, was unser Rennen ruinierte", ärgerte sich der Yamaha-Pilot.
"Ich zeigte ihnen, dass ich mich an die Regeln hielt. Dann meinten sie, dass die anderen Fahrer nicht vom Gas gingen. Alle fuhren ihre besten Sektorzeiten. Warum bekomme ich eine Strafe, nur weil ich stürzte? Warum erhielten die anderen Fahrer keine Strafen?", fragte sich Gardner.
Die vielen Stürze beim Trainingsauftakt sind ein Indiz, dass der Asphalt in Most nicht perfekt vorbereitet wurde. "Der Kurs war nicht sauber. Er war ziemlich dreckig und vermutlich drückte noch etwas Luftfeuchtigkeit durch den Asphalt. Alle stürzten auf dem neuen Reifen. Ich denke, es waren keine normalen Voraussetzungen. Ich hatte nicht die Eier, um den Reifen noch einmal zu verwenden", scherzte der Australier.
"Es war ein heftiger Sturz am Freitag. Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich überhaupt an den Rennen teilnehmen konnte. Eine ältere Verletzung am Knöchel meldete sich zurück. Das tat ziemlich stark weh. Deshalb hat das Fahren keinen Spaß gemacht. In Portimao verletzte ich mir die Schulter und hier verletzte ich sie mir erneut. Auch mit meinem Kopf schlug ich hart auf. Wirklich nicht einfach, sich danach zurückzumelden", betonte Gardner nach dem finalen Rennen.
Nach der Nullrunde am Samstag erlebte Gardner am Sonntag einen versöhnlichen Abschluss des Rennwochenendes. Im zweiten Hauptrennen fuhr er als Fünfter ins Ziel und war damit bester Yamaha-Pilot. Das Podium war nicht allzu weit weg.
Für Yamaha war das Gastspiel in Tschechien aber kein allzu erfolgreiches Wochenende. "Es war okay, aber definitiv nicht eine unserer stärkeren Strecken. Auf jeden Fall besser als Cremona, als wir stark zu kämpfen hatten", fasste Gardner zusammen.
"Wenn ich nach dem Sturz am Freitag nicht so mitgenommen gewesen wäre, dann hätte ich es vielleicht nicht unbedingt aufs Podium geschafft. Doch ich hätte Danilo (Petrucci) und Sam (Lowes) sicher jagen können. Doch ich war körperlich ziemlich am Ende und hatte nicht mehr viel zu geben", erklärte Gardner, der Most als WM-Zwölfter verlässt und somit momentan der zweitbeste Yamaha-Pilot in der Fahrerwertung ist.
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