Toprak Razgatlioglu (BMW): Analyse seiner Niederlage
Obwohl Toprak Razgatlioglu im MotorLand Aragón sein ganzes Können in die Waagschale legte, wurde der BMW-Pilot am Sonntag von Nicolò Bulega (Ducati) besiegt. Der Weltmeister erklärt, was am Ende den Ausschlag gab.
Dass das MotorLand Aragón eine Herausforderung sein würde, war Toprak Razgatlioglu schon im Vorfeld bewusst. Schon 2024 musste der BMW-Pilot für drei zweite Plätze über sich hinauswachsen und profitierte dabei im ersten Lauf vom technisch bedingten Ausfall von Nicolò Bulega in Führung liegend.
In diesem Jahr holte Razgatlioglu am Samstag im ersten Lauf zwar seinen ersten Superbike-Sieg im MotorLand, doch am Rennsonntag hatte er gegen den Italiener im Ducati-Werkspilot das Nachsehen – im Superpole-Race um 0,1 sec und im zweiten Hauptrennen um 3,2 sec.
"Trotzdem haben wir in allen Rennen einen schönen Fight gezeigt", tröstete sich Razgatlioglu. "Das erste Rennen war für mich fantastisch, weil ich endlich in Aragón einen Sieg einfahren konnte. Im Superpole-Race habe ich das Rennen erst in der letzten Kurve verloren. Ich hatte dort keine Optionen, denn egal ob ich es innen oder außen versuchte, wurde ich dennoch überholt – Nicolò war dort 0,3 bis 0,4 sec schneller! Im zweiten Lauf gab ich alles. Als Álvaro in den letzten drei Runden näherkam, habe ich mich voll reingehängt. Erst in der letzten Runde, als ich eine Sekunde vor ihm war, habe ich es ruhiger angehen lassen. Platz 2 war mir wichtig, auch hinsichtlich der Gesamtwertung."
Zur erfolgreichen Titelverteidigung genügen Razgatlioglu zweite Plätze, von daher sind die Ergebnisse in Aragón für den Weltmeister kein Beinbruch. Bei noch zwei ausstehenden Meetings führt Razgatlioglu 36 Punkte vor Bulega.
Im zweiten Lauf sahen wir einen der seltenen Fehler des 28-Jährigen, als er sich in Runde 12 verbremste und in einer Rechtskurve eine weite Linie fahren musste. Den daraus resultierenden Rückstand konnte der Ausnahmekönner aus der Türkei nicht mehr aufholen. Was war passiert?
"In Kurve 7 fuhr Nicolò innen und ich wollte ihn auch gar nicht überholen. Als ich aber bremste und herunterschaltete, spürte ich keine Motorbremse – im Gegenteil schob das Motorrad nach vorn", erklärte der BMW-Pilot. "Ich verstand nicht wieso und war überrascht. Ich nahm sogar den ersten Gang, weil ich im zweiten Gang keine Verzögerung spürte. Aber das spielte im Grunde keine Rolle. Ich habe einen Fehler gemacht, und selbst wenn nicht, hätte ich nur eine kleine Chance gegen ihn gehabt, dafür war Ducati in der letzten Kurve einfach zu stark. Die Elektronik arbeitet bei ihnen besser, das Motorrad hat viel Drehmoment und eine super Beschleunigung. Das ist es, warum Aragón eine Ducati-Strecke ist. Bei meiner BMW drehte das Hinterrad durch, sobald ich am Gasgriff drehte."
Mit bloßem Auge war erkennbar, wie viel kontrollierter Bulega sein Motorrad verzögern konnte, obwohl diese Disziplin eigentlich die Stärke von Razgatlioglu ist!
"Das gesamte Wochenende war unsere Motorbremse nicht sonderlich gut. Im Grunde habe ich das Bike ausschließlich über das Vorderrad verzögert", verriet der WM-Leader. "Ich konnte sehen, wie unglaublich gut die Motorbremse bei der Ducati arbeitet. Wenn ich neben ihm eine Kurve anbremste, glaubte ich, er würde die Kurve nicht bekommen, aber zu meiner Überraschung kriegte er es in der letzten Bremsphase hin und konnte einlenken. Auch das Turning und der Grip waren auf einem anderen Level. Ich habe ihn an jeder erdenklichen Stelle überholt, aber das Risiko brauchte ich gar nicht eingehen, weil er auf der Geraden einfach an mir vorbeifuhr. Er gab nur in der letzten Kurve alles, alle anderen Kurven fuhr er normal. Schön ist das nicht, wenn man in jeder Runde am Limit ist, und sich sein Gegner nur in der einen Kurve anstrengen muss."
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