Revolution: USA setzen als Erste den Dorna-Plan um

Von Ivo Schützbach
Superbike-WM
MotoAmerica sieht Vorteile im Reglement der Superbike-WM

MotoAmerica sieht Vorteile im Reglement der Superbike-WM

In der Königsklasse MotoGP sollen die Besten der Welt fahren. WM-Vermarkter Dorna will erreichen, dass es mehr als einen Weg dorthin gibt. In den USA wurden die Weichen für 2017 gestellt.

Als bis Herbst 2012 die Superbike-WM von Infront und MotoGP von der Dorna vermarktet wurden, war der Weg eines Fahrers vorgezeichnet, sobald er sich für eine Meisterschaft entschied. Nur wenige Piloten wechselten zwischen den beiden Serien und waren auf beiden Seiten siegreich. Und wenn, dann waren es fast ausschließlich ehemalige MotoGP-Asse wie John Kocinski, Marco Melandri, Max Biaggi oder Carlos Checa, die bei den Superbikes abräumten.

Die Superbike-Weltmeister Ben Spies (1 Sieg, 6 Podium), Troy Bayliss (1 Sieg, 5 Podium), Colin Edwards (12 Podium) und Raymond Roche (9 Podium) standen mehrmals in der Königsklasse auf dem Podest, während die Champions James Toseland, Troy Corser, Carl Fogarty und Neil Hodgson leer ausgingen.

«Jeder Fahrer hat den Traum MotoGP zu fahren», weiß Dorna-Manager Javier Alonso. «Bislang war der beste Weg dafür Moto3 und dann Moto2. Wir müssen zeigen, dass es auch alternative Wege in die MotoGP-WM gibt. Das ist für die gesamte Motorsport-Welt wichtig. Es darf nicht so sein, dass die Superbike-WM das Ende der Karriere bedeutet. Für einen Fahrer muss es möglich sein, über die nationale Meisterschaft und Superbike-WM bis in die MotoGP-Klasse zu kommen.»

Der Spanier fuhr gegenüber SPEEDWEEK.com fort: «Die Fahrer müssen wissen, dass Superbike der beste Weg in die MotoGP-WM ist, wenn sie nicht aus Moto3 und Moto2 kommen. Die letzten zehn Jahre dachte jeder, dass der Weg Moto3, Moto2 und MotoGP ist. Okay, wir hatten Crutchlow und Spies. Aber es wurde nie richtig kommuniziert, wo diese beiden Fahrer herkommen. Crutchlow hat bei Tech3-Yamaha phantastische Rennen gezeigt. Heute gibt es keine politischen Gründe mehr, die zwischen Superbike und MotoGP stehen.»

Zahlreiche talentierte Fahrer oder engagierte Teams aus der IDM, BSB oder CIV schafften es nicht in die Superbike-WM, obwohl Interesse vorhanden war. Die Weltmeisterschaft wurde immer teurer und exklusiver, die Startaufstellung schrumpfte. «Das Reglement der Superbike-WM sollte im Idealfall von den nationalen Serien übernommen werden», unterstreicht Alonso. «Wenn die Fahrer ihre normalen Motorräder benützen können, dann wird das der Superbike-WM helfen.»

So will die Dorna das Nachwuchsproblem lösen und Fahrern einen Weg aufzeigen: von der nationalen Meisterschaft über Superbike bis MotoGP.

Seit sieben Jahren kein junger Siegfahrer

Während die Britische Meisterschaft mit rudimentärer Elektronik nach wie vor ihren eigenen Weg geht und seit Alex Lowes (Champion 2013) keinen Superbike-WM-Fahrer mehr hervorgebracht hat, passen sich die anderen wichtigen nationalen Meisterschaften technisch immer mehr der Superbike-WM oder dem Superstock-1000-Cup an.

Die IDM Superstock entspricht technisch weitgehend dem Superstock-1000-Cup, die IDM Superbike ist kaum fortgeschrittener. Lediglich im Motortuning ist etwas mehr erlaubt, zudem ist die Elektronik frei.

Als erstes wichtiges nationales Championat passt sich für 2017 die US-Meisterschaft MotoAmerica der Weltmeisterschaft an. Seit Ben Spies 2009 produzierten die USA keinen schnellen WM-Piloten mehr. Josh Herrin, US-Superbike-Meister 2013, ging in der Weltmeisterschaft unter, der aktuelle Leader Cameron Beaubier (23) hat alle Voraussetzungen ein Großer zu werden, wird aber auch 2017 seiner nationalen Serie treu bleiben.

Sepang-Sieger Nicky Hayden (Honda) wechselte aus der MotoGP- in die Superbike-WM. US-Meisterschaft fuhr der 35-Jährige zuletzt 2002.

Um den Umstieg in die Weltmeisterschaft zu erleichtern, und um zu verhindern, dass die Motorrad-Hersteller für jede Meisterschaft spezielle Teile produzieren müssen, passt MotoAmerica das technische Reglement für 2017 und darüber hinaus an.

«Es war von Anfang an unser Plan, das technische Reglement jenem der Superbike-WM anzugleichen», teilte Chuck Aksland von MotoAmerica mit. «Mit einigen winzigen Unterschieden werden wir dieses Ziel schneller erreichen, als ursprünglich gedacht. Es hat sich gezeigt, dass diese Regeln in der Weltmeisterschaft gut funktionieren. Gleiche Regeln erleichtern es den Herstellern, an MotoAmerica teilzunehmen. Alles, was für die Weltmeisterschaft entwickelt wird, kann zukünftig auch in MotoAmerica verwendet werden.»

2016 sehen wir in MotoAmerica in der Superbike-Klasse Motorräder nach Superbike- und Superstock-Reglement gegeneinander antreten – wie in der IDM. Lediglich Suzuki und Yamaha bringen je zwei Werks-Superbikes an den Start, alles andere sind Superstock-Maschinen.

MotoAmerica spekuliert darauf, dass nach Suzuki und Yamaha auch Honda, Kawasaki und Ducati werksseitig einsteigen.

Ducati hat bereits abgewinkt, «wir haben keine Ressourcen für Werksteams in MotoGP, Superbike-WM und MotoAmerica», sagt Superbike-Direktor Ernesto Marinelli.

Mit identischem Reglement spricht zukünftig aber nichts dagegen, dass ein US-Team sich eine zirka 100.000 Euro teure Werks-Panigale leistet und an den Start bringt. Gleiches gilt für BMW. Deren Kundensportprogramm erlaubt es jedem Team, sich identisches Material zu kaufen, wie es die WM-Teams von Althea und Milwaukee verwenden. Zumindest, was Motoren und Elektronik betrifft. Auch bei der Chassis-Entwicklung können die Teams auf Erfahrung in München bauen.

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