Leichtsinnig oder heldenhaft? Thomsens erster GP-Sieg

Von Manuel Wüst
Zehn Tage nach seinem schweren Sturz in Vojens gewann der Däne Anders Thomsen in Landsberg zum ersten Mal einen Speedway-GP. Dass er die Ehrenrunde nur in Unterhose fuhr, war keine Premiere.

Mit einem Podiumsplatz in Kroatien startete der Däne Anders Thomsen stark in die Grand-Prix-Saison, erlebte aber auch Tiefschläge wie das Rennen in Warschau, wo er nur einen WM-Zähler mitnahm und Letzter wurde. Thomsens bisheriger Saisonverlauf ist sehr schwankend, auf starke Grand Prix folgen schwächere Auftritte: «Eines meiner Ziele für dieses Jahr ist, im Grand Prix zu bleiben, indem ich unter den ersten sechs und konstant bin. Ich bin etwas enttäuscht von meinem Saisonstart im Grand Prix. Ich hoffe, dass sich jetzt alles dreht.»

In Landsberg an der Warthe (Gorzow) lieferte der 28-Jährige sein bisher bestes Grand-Prix-Ergebnis. Und das, obwohl er zehn Tage zuvor einen furchterregenden Sturz in der dänischen Liga hatte, bei dem er und sein Landsmann Mikkel Michelsen zu Boden gegangen waren.

Thomsen war mehrere Minuten bewusstlos und wurde in ein Krankenhaus gebracht. In den Medien wurde anschließend von einem Blutgerinsel im Gehirn sowie zwei Wirbelfrakturen berichtet. Anscheinend war Thomsen deswegen aber in keiner größeren Gefahr. «Ich hatte am Tag nach dem Sturz Kopfschmerzen», erzählte der WM-Siebte. «Ich habe mit dem Arzt darüber gesprochen, ob es sicher ist zu fahren, und er sagte: ‚Wenn sie sich gut fühlen, können sie wieder aufs Bike steigen‘.»

Wenige Tage später kehrte Thomsen bei einem Rennen der polnischen Liga aufs Motorrad zurück. «Ich war mir nicht sicher, ob ich fahren würde», bemerkte er. «Aber am Morgen sagte ich, dass ich mich okay fühle und bereit sei. Wenn ich angefangen hätte mich schlecht zu fühlen, wäre ich nur ein paar Läufe gefahren. Aber ich fühlte mich gut, alle fünf Läufe zu absolvieren.»

Seine Leistung in Landsberg war also eher heldenhaft als leichtsinnig, wie manch einer angesichts der vorangegangenen Verletzungen postulierte.

Thomsen, der auch über Probleme mit seiner Schulter klagt, fuhr wenige Tage vor dem Grand Prix in Landsberg das Dänische Finale, in dem er zwar den Titelhattrick verpasste, aber die Vizemeisterschaft feiern konnte.

In Landsberg schlug dann seine große Stunde, als er seinen ersten Grand Prix gewann. Mit neun Punkten kam Thomsen unspektakulär in die Halbfinals und schaffte es dort mit dem Sieg vom blauen Startplatz zum zweiten Mal in dieser Saison ins Finale. Der Däne wählte noch einmal den gleichen Startplatz, konnte sich ausgangs der Startkurve an die Spitze setzen und das Rennen vor Martin Vaculik und Bartosz Zmarzlik gewinnen.

Im Anschluss an die Siegerehrung zog Thomsen fast blank und drehte nur in Unterhose bekleidet seine Ehrenrunde im mit 14.000 Zuschauern gut gefüllten Edward-Jancarz-Stadion. Thomsens Aktion sorgte für viel Aufsehen, doch es war keine Premiere für ihn. «Als ich zum ersten Mal ein Dänisches Finale gewann, tat ich dasselbe», schmunzelte er. «Das war ein Mannschaftsfinale in Munkebo. Ich und meine Freunde sagten, wir sollten uns ausziehen und eine Runde fürs Live-TV drehen. Also taten wir das und traten im größten Sportprogramm Dänemarks auf! Ich wurde später für die schönste Art zu feiern ausgezeichnet.»


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