MV Agusta nur mit 800 ccm weiter in der SSP-WM dabei

Von Ivo Schützbach
Supersport-WM
Seit 1974 wartet MV Agusta auf einen Titel in einer Motorrad-Weltmeisterschaft. Supersport-WM-Teameigentümer Andrea Quadranti will die lange Durststrecke mit seinem Schweizer Landsmann Randy Krummenacher beenden.

MV Agusta wartet seit Phil Read 1974 in der 500er-Klasse auf einen Titelgewinn in einer Motorrad-Weltmeisterschaft – Randy Krummenacher soll das 2020 ändern. Der Weltmeister aus der Schweiz bringt die Startnummer 1 mit zur Edelmarke aus Varese, MV Agusta hat in der Supersport-WM bislang neun Siege, 43 Podestplätze, 16 Pole-Positions und 11 schnellste Rennrunden vorzuweisen.

Erfolgreichster Fahrer ist der Franzose Jules Cluzel, der 2014 und 2016 Vizeweltmeister wurde – der Titel wurde die letzten Jahre mehrfach knapp verfehlt.

MV Agusta hat nicht nur Krummi verpflichtet, sondern auch dessen komplette Crew von 2019, mit welcher er bei Bardahl Evan Bros Yamaha in zwölf Rennen acht Podestplätze und vier Siege eroberte.

«Ich möchte, dass er sich bei uns absolut wohlfühlt, es soll keine Fragezeichen geben», hielt Teamchef Andrea Quadranti im Gespräch mit SPEEDWEEK.com fest. «Ich habe immer schon ein gutes Verhältnis zu Randy, wir sind beide Schweizer. Ich habe ihm immer gratuliert, wenn er gewonnen hat, das macht mir als Schweizer Freude. Es macht mich stolz, dass ich jetzt einen Schweizer im Team habe, das ist das erste Mal. Ich habe seit vielen Jahren den Traum, für MV Agusta endlich wieder einen WM-Titel zu gewinnen. Niemandem ist das gelungen – Randy hat jetzt das gleiche Ziel. Er will damit in die Geschichtsbücher eingehen. Wenn ihm das gelingt, ist das sicher mehr wert, als für jede andere Marke. Randys Crew hatte gute Angebote von anderen Teams, aber sie wollten mit ihm zu mir kommen. Das zeigt mir, dass man über mein Motorrad positiv denkt. Randy hat dieses Jahr auf der Rennstrecke selbst gesehen, was mein Motorrad wert ist. Das ist ein Kompliment für mich.»

Siehst du deine Mannschaft als ein Schweizer Team oder ein italienisches? «Die Leute sind alle Italiener, ich bin zehn Kilometer von der Grenze entfernt aufgewachsen», schmunzelte Quadranti. «Meine Mentalität ist sicher mehr die eines Italieners, als von jemandem aus Zürich. Das ist 100-prozentig klar. Aber ich lege viel Wert auf meinen Pass und bin ein stolzer Schweizer.»

Krummi gehört bei MV Agusta zu wenigen Fahrern im Supersport-Feld, die ein Gehalt bekommen und keine Mitgift mitbringen müssen.

«Cortese hat 150.000 Euro zu Kallio mitgebracht und wurde Weltmeister», überlegte Quadranti. «Danach haben alle gesagt, dass es auch so geht und fragen seither nach Geld. Es gibt keine großen Sponsoren mehr oder Investoren, nichts mehr. Wenn du im Winter die Entwicklung des Motorrads machst und Gehälter bezahlst, dann dauert es vier Monate, bis du die ersten Gelder von Sponsoren bekommst. Bevor du nach Australien fliegst, musst du alle Motoren bezahlen und vorbereiten. Wie soll man ohne Unterstützung überleben? Ich verstehe deshalb, dass fast alle Teams Geld verlangen. Ich habe das bislang aus meiner Tasche bezahlt.»

Dein Team firmiert zwar unter MV Agusta Reparto Corse, ist aber ein Privateinsatz. Bekommst du wenigstens Erfolgsprämien? MV Agusta hat einen großen Imagegewinn, wenn dein Team Podestplätze einfährt. «Wir reden über eine Zusammenarbeit für die nächsten drei Jahre und wie diese aussehen könnte», verriet der Tessiner. «MV Agusta ist nur interessiert, wenn ab 2021 unsere 800-ccm-Maschine erlaubt wird. Sonst macht das keinen Sinn. Aber ich rede über solche Dinge erst, wenn sie feststehen. Wenn wir gut in die Weltmeisterschaft 2020 starten, dann setze ich mich mit MV Agusta zusammen. Sonst läuft womöglich etwas schief und dann stehe ich blöd und als Träumer da.»

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