Motocross-Skandal: Hund auf der Strecke

Heftige Kritik: «Der neue Zeitplan ist eine Gefahr»

Von Ivo Schützbach
Nicht alle in der 300er-Klasse haben so viel Erfahrung wie Weltmeister Jeffrey Buis (vorne)

Nicht alle in der 300er-Klasse haben so viel Erfahrung wie Weltmeister Jeffrey Buis (vorne)

Um die neue Motorrad-WM für Frauen unterzubringen, musste der SBK-Zeitplan für 2024 angepasst werden. Für die beiden Supersport-Klassen eine Katastrophe: Ihre Trainingszeit wurde mehr als halbiert.

Die Veröffentlichung des neuen Zeitplans für 2024 war für die Fahrer und Teams in den beiden Supersport-Klassen ein böses Erwachen: Die Hinzunahme der neuen Frauen-Klasse sorgt dafür, dass die Zeit für freies Training mehr als halbiert wurde.

Bislang hatten die Fahrer der Supersport-WM zweimal 45 Minuten freies Training, jetzt nur noch einmal 40 min, bevor es ins Qualifying geht. Die Youngster in der 300er-Klasse hatten zweimal 30 Minuten, jetzt nur noch einmal 25.

Bislang war das Qualifying der beiden Klassen am Samstagvormittag, am Nachmittag war das erste Rennen. Vor dem zweiten Rennen am Sonntag gab es ein 15-minütiges Warm-up.

Weil die Superpole in den beiden Supersport-Klassen ab diesem Jahr bereits am Freitagnachmittag ausgetragen wird, gibt es vor den Rennen am Samstag und Sonntag jeweils 10 Minuten Warm-up. Für die Abstimmungsarbeit an den Motorrädern ist das aber keine Hilfe.

«Der neue Zeitplan ist für die 300er-Klasse nicht gut», kritisierte ein renommierter Teammanager gegenüber SPEEDWEEK.com. «Und für Neulinge ist es gefährlich. Mit nur 25 Minuten Training muss man in die Superpole gehen, wo jeder den Kopf senkt, weil er den anderen folgen muss. Es gibt keine Zeit zum Abstimmen des Motorrads. Hinzu kommt: Vor den Superbike-Rennen mit der strengen Zeitvorgabe aufgrund der TV-Übertragung gibt es zwei andere Rennen (Frauen-WM und SSP300 – der Autor). Bei einem Abbruch bleibt fast keine Zeit für einen normalen Neustart, sicherlich werden die Rennen dann gekürzt.»

Dass zukünftig die schnellsten Rennrunden im ersten Lauf darüber entscheiden, wer im zweiten Lauf die ersten drei Startreihen bildet, bezeichnete er als «noch gefährlicher». Und ergänzte: «Zum Beispiel in Aragon liegt die Rundenzeit über 2 Minuten. Im freien Training können sie maximal zehn Runden fahren. Ich weiß nicht, wer die Idee hatte, aber für die jungen Fahrer und unerfahrenen Piloten in dieser Klasse ist es eine Gefahr. Ich frage mich, was die Dorna mit der kleinen Klasse vor hat? In der BSB fahren sie acht Rennen an einem Tag, es gibt genügend Zeit. Warum muss der Tag um 16 Uhr zu Ende sein?»

Bislang habe ich kein Team gefunden, welches sich positiv über den neuen Zeitplan äußert. «Er ist für alle ein kleiner Schock», bemerkte der Manager eines Topteams aus der Supersport-WM, der namentlich ebenfalls ungenannt bleiben möchte, weil er sich bei der Dorna nicht unbeliebt machen will. «Letztlich müssen alle damit klarkommen. Ein freies Training vor dem Qualifying ist nicht viel, das gibt es in keiner anderen Meisterschaft rund um den Globus. Ich bin mir sicher, dass es während der Saison einige sehr kritische Kommentare dazu geben wird.»

Zu den neuen Regeln bezüglich der Startaufstellung für das zweite Rennen sagte er: «Das orientiert sich ein bisschen an den Superbikes, wo es seit Jahren das Superpole-Race gibt. Ich glaube, dass es für die Zuschauer gut ist, weil die Startaufstellung etwas durcheinandergemischt wird, es wird viel Action geben. Wie sich das während eines Rennwochenendes auswirken wird, müssen wir erst noch herausfinden, das sehen wir auf Phillip Island. Schade ist, dass die Fahrer unterm Strich weniger Zeit auf dem Motorrad haben, auch wir als Team hätten gerne mehr Zeit im freien Training, Qualifying und Rennen. Neu ist auch, dass das Qualifying jetzt am Freitag ist. Bislang war es am Samstag, dann folgte das Rennen. Das bedeutet, dass es jetzt bereits am Freitag voll zur Sache geht.»

Am wenigsten beschnitten wurde die Trainingszeit der Superbike-Piloten. Ihr FP1 und FP2 geht weiterhin über 45 Minuten, nur das FP3 wurde von 30 auf 20 Minuten verkürzt.

Zeitplan 2024:

FREITAG

09.00–09.25 – WCR – Freies Training
09.40–10.05 – SSP300 – Freies Training
10.20–11.05 – SBK – Freies Training 1
11.20–12.00 – SSP – Freies Training
13.30–13.55 – WCR – Superpole
14.15–14.40 – SSP300 – Superpole
15.00–15.45 – SBK – Freies Training 2
16.00–16.40 – SSP – Superpole

SAMSTAG
09.00–09.20 – SBK – Freies Training 3
09.30–09.40 – WCR – Warm-up
09.50–10.00 – SSP300 – Warm-up
10.10–10.20 – SSP – Warm-up
11.00–11.15 – SBK – Superpole
11.50 – WCR – Rennen 1
12.45 – SSP300 – Rennen 1
14.00 – SBK – Rennen 1
15.15 – SSP – Rennen 1

SONNTAG
09.00–09.10 – SBK – Warm-up
09.20–09.30 – WCR – Warm-up
09.40–09.50 – SSP300 – Warm-up
10.00–10.10 – SSP – Warm-up
11.00 – SBK – Superpole-Race
11.50 – WCR – Rennen 2
12.45 – SSP300 – Rennen 2
14.00 – SBK – Rennen 2
15.15 – SSP – Rennen 2


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