Eddie Mielke und die Corona-Krise: «Viel schlimmer»

Von Andreas Reiners
DTM
Eddie Mielke

Eddie Mielke

Eddie Mielke leidet als Kommentator ohne aktuellen Live-Sport besonders unter der Coronakrise. Nicht der erste Rückschlag in seiner Karriere, aber ein sehr spezieller.

Eigentlich war Eddie Mielke lange ein Social-Media-Verweigerer. Vor acht Monaten folgte jedoch die Wende, da startete der 57-Jährige tatsächlich mit seinem Profil auf Instagram. Was sich inzwischen sogar auszahlt. Denn Eddie schweigt. Wird dazu gezwungen, denn die Motorsport-Welt steht still.

Böse gesagt: Seinen Kritikern wird das gefallen. Doch viele vermissen den Kult-Kommentator, die Motorrad- und DTM-Stimme. Er selbst vermisst das Kommentieren fraglos am meisten. Nicht nur, weil es seine Leidenschaft ist, sondern in allererster Linie auch sein Beruf.

Diverse Standbeine

Zwar ist Mielke als Motorrad-Experte bei DAZN, als Fußball-Kommentator bei Magenta Sport (Telekom) und als Stimme der DTM in Sat.1 gut unterwegs, doch Covid-19 bremst nicht nur die Sportarten, sondern auch deren Protagonisten aus. Und damit auch die Journalisten, vor allem auch Moderatoren und Kommentatoren, die auf Live-Sport angewiesen sind, die davon leben.

«Man muss flexibel sein, nach rechts und links schauen. Zeit habe ich im Moment im Überfluss», sagte er im Podcast von «Nextlevl». In der vergangenen Woche sprach er in einem Instagram Live zum Beispiel mit seinem DTM-Kollegen Timo Scheider unter anderem über den neuen Kalender.

An den Gesprächsrunden hat er Gefallen gefunden, zuletzt war Superbike-Pilot Sandro Cortese «zu Gast» bei Mielke, am Dienstag ist es der aktuelle Honda-Testfahrer Stefan Bradl. Mielke weiß sein Netzwerk zu nutzen.

Er hat in seiner Laufbahn schon öfter haarige berufliche Situationen erlebt. Zum Beispiel nach seinem Wechsel von den Öffentlich-Rechtlichen ins Privatfernsehen. «Wenn ich ein bequemer und nicht risikofreudiger Mensch gewesen wäre, wäre ich 2003 niemals zu RTL gegangen. Dann hätte ich niemals das angenehme Auffangbecken namens ARD verlassen», sagte Mielke, der damals im ARD-Pool und bei Radio Bremen gesetzt war.

«Das hätte ich bis an mein berufliches Ende durchführen können. Das wäre eine ganz sichere Bank gewesen, ich hatte sicher gewusst, wie ich mein Geld verdiene. Was mir aber gefehlt hätte, wäre der Livekick. Deshalb habe ich den Schritt gemacht», erklärte er.

Doch das Abenteuer ging nicht lange gut. Er erinnert sich: «Dass es nach eineinhalb Jahren schiefging und eine ganz schwierige Zeit war, weil die Rechtesituation eine andere war und der Sender, der danach kam, Eurosport, mich aus unterschiedlichen Gründen nicht wollte - das sind Momente, in denen Freunde offen sagten: ‚Siehst du, wärst du mal bei der ARD geblieben, dann wärst du jetzt nicht pleite und würdest keine Jobs als DJ auf Hochzeiten annehmen.‘»

Wichtige Erfahrungen

Erfahrungen, die abhärten, die aber in der jetzigen Situation nicht so wirklich helfen. Denn einen Plan B gibt es nicht so wirklich, denn keiner weiß, wann und wie es weitergeht. «Der Moment jetzt ist viel schlimmer, weil die Unwägbarkeit nichts mit einem selbst zu tun hat», sagte er.

Er hat ja bereits ein Motorrad-Event kommentiert, die 3. Liga ging in die heiße Saisonphase und die DTM stand in den Startlöchern, Mielke ist komplett vorbereitet, heiß darauf, weiterzumachen. Doch jetzt herrscht erst einmal Funkstille, Zwangspause. «Das ist eine neue Situation, mit der muss man sich abfinden. Ich bin noch in der Findungsphase und lasse mich gerne beeinflussen. Man muss bereit sein», sagte er.

Das wird er auch sein müssen, wenn es weitergeht. Denn die große Frage ist ja: Wie sieht der Motorsport nach Corona aus? Wie sehr hat er sich verändert?

Oder wie Mielke es fragt: «Ist Motorsport noch zeitgemäß? Diese Diskussion wird nach der Coronakrise wieder aufflammen. Da wird noch viel passieren, wir werden das noch gar nicht abschätzen können, welche Diskussionen in drei, vier oder fünf Monaten entstehen werden, wenn wieder Motorsport betrieben wird. Ich glaube, dass die aktuelle weltweite Krise durch einen Virus den Sport per se nachhaltig ändern wird. Das betrifft nicht nur Motorsport.»


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