Corona und die DTM: «Motorsport wird sich verändern»

Von Andreas Reiners
DTM

Der Coronavirus trifft die Sportwelt hart. DTM-Champion René Rast ist sich bei SPEEDWEEK.com sicher: Der Motorsport wird sich verändern.

Krisen kommen immer zur Unzeit. Für die DTM ist die weltweite Katastrophe der Coronavirus-Pandemie noch weitaus bitterer, denn sie stolpert jetzt von einem Rückschlag in den nächsten. Erst der Ausstieg von Aston Martin, dann Covid-19 mit den noch unabsehbaren Folgen. Tiefschläge. Unwägbarkeiten.

«Natürlich ist das ein doppelter Treffer für die DTM», sagte Champion René Rast SPEEDWEEK.com: «Es ist wie mit allen Dingen: Wenn man sowieso schon angeschlagen ist und es kommt noch etwas obendrauf, ist das nicht förderlich.»

DTM kennt Überlebenskampf

Ein «Vorteil»: Die DTM ist abgehärtet, sie kämpft traditionell mal mehr, mal weniger, dafür aber auch bislang stets erfolgreich ums Überleben, seit dem Rückzug von Aston Martin nun wieder etwas mehr. Eine Rennserie als Überlebenskünstler: In ersten Schritten wurden die beiden Testträger von Audi und BMW durch Kundenteams an den Start gebracht, so kann die Anzahl der Autos immerhin bei 16 statt wie vorher 18 gehalten werden.

Mit kleineren Stellschrauben wie mehr Power für den «Push-to-Pass»-Knopf soll zudem die Show besser werden. Wann immer sie wegen des Virus letztendlich auch startet. In einem ersten Schritt wurde der Saisonstart von Ende April in Zolder auf Mitte Juli am Norisring verlegt, alle Rennen sollen bis November über die Bühne gebracht werden.

Man darf nicht vergessen: Die Vorverkaufszahlen waren vor dem Ausbruch des Virus besser als im Vorjahr, die Nachfrage trotz des Verlusts des dritten Herstellers steigend. Ehe die virusbedingte Vollbremsung erfolgte.

«Wir haben durch den Ausstieg von Aston Martin Probleme und versuchen seitdem, den Laden am Laufen zu halten», so Rast über die Bemühungen der Verantwortlichen: «Die Krise durch das Coronavirus ist dabei nicht hilfreich. Wir versuchen alles, was wir können, um den Sport am Leben zu halten. Im Moment sitzen wir aber auch nur als Passagier mit dabei.»

«Es wird Einbußen geben»

Er ist sich sicher: «Der Motorsport wird sich verändern, es wird Einbußen geben. Es wird Hersteller geben, die ihre Werksprogramme einstellen oder verkleinern müssen.»

Die DTM-Hersteller Audi und BMW zum Beispiel haben in ersten Schritten bereits Werke vorübergehend schließen müssen, Kurzarbeit ist angesagt, Umsatz und Nachfrage brechen ein. Es ist aktuell allerdings noch nicht absehbar, wie tief die beiden Autobauer durch die Krise letztendlich getroffen und welche Konsequenzen sie ziehen werden.

Nach einer Einschätzung des Branchenexperten Ferdinand Dudenhöffer bedeute jeder Tag ohne Umsatz für die deutschen Hersteller einen Verlust von 360 Millionen Euro. Trotz dieser heftigen Zahlen: Die Hoffnung stirbt zuletzt, abgerechnet wird zum Schluss.

Es geht aber natürlich nicht nur um die DTM. «Selbst die Formel 1 wird Probleme bekommen, ich kann mir vorstellen, dass es extreme Auswirkungen für viele Teams hat und sich die Formel 1 verändern wird», so Rast.

Es gebe die großen Teams wie Mercedes, Ferrari oder Red Bull, so der 33-Jährige, «aber es gibt eben auch die kleinen Teams wie Williams, die Gelder dringend benötigen, die haben gar keine Einnahmen im Moment. Auch der Breitensport ist betroffen, denn da geraten auch viele Teams in finanzielle Schwierigkeiten oder gehen daran zugrunde.»

Das DTM-Team Phoenix Racing ist ein gutes Beispiel, Teamchef Ernst Moser erklärte zuletzt bei SPEEDWEEK.com, wie prekär die Lage für das mittelständische Unternehmen aus der Eifel ist, kämpfen wird er aber natürlich trotzdem.

Das Problem: Der Faktor Zeit

Wichtig dabei: Wie Moser einen Plan zu haben. Das Problem: der Faktor Zeit, da ein Ende der Krise nicht vorhersagbar ist. Und: «Wir können noch gar nicht absehen, wie sich die Wirtschaft entwickeln wird», so Rast.

Er macht sich noch keine Sorgen, aber Gedanken: «Was passiert, wenn ich in dieser Saison überhaupt keine Rennen mehr fahre und die Motorsport-Welt 2021 ganz anders aussieht?» Er weiß aber, dass er im Endeffekt nicht viel tun kann. Sein Motto: «Panik bringt nichts, das macht nichts besser.» Und Krisen mögen zur Unzeit kommen – manchmal geht man aber auch gestärkt aus ihnen hervor.


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