Ferrari 2018 von Sebastian Vettel: Rot wird dunkler

Von Mathias Brunner
Formel 1
​Nicht nur die Rennwagenbezeichnung ist bei Ferrari immer ein grosses Thema, auch der exakte Farbton. Möglicherweise wird der Ferrari von Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen dunkler.

Am 22. Januar wird Ferrari im Internet den neuen Rennwagen von Kimi Räikkönen und Sebastian Vettel präsentieren. Seit Wochen diskutieren die Tifosi leidenschaftlich darüber, wie das 2018er Auto wohl heissen könnte. Denn Ferrari macht aus der Bezeichnung der roten Göttin stets ein Riesengeheimnis.

Oft verbinden die Italiener den Namen des neuen Renners mit dem Jahr, zum Beispiel SF16-H aus dem Jahre 2016 oder F2004 für jenes Auto, mit dem Michael Schumacher für Ferrari den fünften Titel in Serie einfuhr.

Es gibt auch Ungewöhnliches: 2011 wurden 150 Jahre Italien mit dem Ferrari 150º Italia gefeiert, 2003 hiess der Wagen F2003-GA, um an den verstorbenen Gianni Agnelli zu erinnern.

Enzo Ferrari selber mochte Typenbezeichnungen, die auf Zylinderzahl und Hubraum Rückschlüsse liessen. Der legendäre Ferrari 312 hiess so, weil er einen Dreiliter-Zwölfzylindermotor aufwies, der Haifischmaul-156er hiess so, weil im Heck ein 1,5-Liter-V6-Motor arbeitete.

Auch der Farbton gibt bei den Tifosi immer viel zu reden, denn rot ist bei Ferrari nicht rot. Immer wieder entdecken wir Nuancen im Ton, und nun behauptet mein Kollege Giorgio Terruzzi vom Corriere della Sera: Das 2018er Rot des Autos von Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen wird dunkler, ungefähr so wie beim Modell 312 des Jahres 1969, das vom Neuseeländer Chris Amon und dem Mexikaner Pedro Rodríguez gesteuert worden war. Auch die weissen Flächen sollen gemäss Terruzzi verschwinden.

Und wieso? Weil sich die Bank Santander verabschiedet hat (die traditionell mit roter Schrift auf weissem Grund auftrat). Und weil sich die Anzeichen verdichten, wonach der langjährige Ferrari-Partner Philip Morris für die E-Zigarette IQOS werben will.

Mehr Grau, das haben wir schon auf den Ducati-Rennmaschinen gesehen, die Mitte Januar präsentiert worden sind.

Die spanische Bank Santander hat nach acht Jahren das Engagement in der Formel 1 beendet. Santander hat einen Dreijahres-Vertrag mit der UEFA Champions League unterzeichnet. Das Geldinstitut nahm prominenten Raum ein bei Ferrari: Werbung auf den Heckflügeln, an der Seite der Chassis, auf dem Frontflügeln und natürlich auf den Overalls von Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen.

Unter der Oberfläche brodelte es seit Monaten: Ferrari und Santander konnten sich über ein neues Abkommen nicht einig werden. Die Spanier wollten den jährlichen Preis von angeblich 40 Millionen Euro um gut einen Drittel verringern, Ferrari lehnte das ab.

Die Frage ist seither: Was wird statt Santander auf den Autos von Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen stehen? Die mögliche Antwort: IQOS (steht für «I quit ordinary smoking», ich höre mit normalem Rauchen auf), die elektrische Zigarette von Philip Morris International.

Hintergrund: Ferrari und der Tabakkonzern Philip Morris International haben im September 2017 ihre Partnerschaft erneut verlängert. Auch wenn es seit Jahren keine Marlboro-Logos mehr auf den Boliden gibt.

Seit rund 40 Jahren sind Philip Morris und der Rennstall Ferrari Partner. Angeblich soll Philip Morris für die Jahre 2013, 2014 und 2015 160 Millionen Dollar pro Jahr hingeblättert haben. Auch wenn die Hausmarke Marlboro seit Jahren kaum noch in der Königsklasse auftaucht.

Denn seit 2006 ist Tabakwerbung in der Formel 1 verboten, genauer gesagt, der Selbstbeschränkung des GP-Sports zum Opfer gefallen. Die Scuderia Ferrari trug jedoch weiterhin die Farben ihres Langzeitpartners auf dem Auto und den Markennamen Marlboro in der Teambezeichnung.

Tabakwerbung verschwand aus der Formel 1, nur eine Marke blieb: Marlboro. Ein Abkommen zwischen Ferrari und Philip Morris wurde 2005, dann 2011 erneuert. Doch in immer weniger Ländern war Tabakwerbung so frei wie früher erlaubt, zuletzt in Bahrain, Monaco und China. 2007 war Ferrari als letztes Formel-1-Team übrig, das mit einem Zigarettenhersteller liiert ist.

Seit 2008 sind keine Marlboro-Logos auf den Wagen mehr zu sehen (letztmals beim China-GP 2007), übrig blieben Strichkodes oder die angedeutete Dachform in Rotweiss. Seit dem britischen Grand Prix 2011 ist Marlboro nicht mehr Titelsponsor der Scuderia Ferrari, die Verbindung zu Philip Morris jedoch ist geblieben.

In Monte Carlo beispielsweise wurde 2013 und 2014 deutlich in Verbindung mit den Ferrari-Rennern geworben – zunächst mit dem Slogan «Be Marlboro» (sei Marlboro), dann mit «Get closer» (rück näher). Später war auf Werbepostern zu lesen «red is style» (Rot ist Stil), 2015 hiess es «red is action», erneut mit einem Ferrari, Vettel und dem Logo mit Rotweiss in Dachform, oder «red is innovation».

Vor Jahren verkaufte Ferrari die Werbefläche an den Tabakkonzern Philip Morris. Die wiederum suchten dann entsprechende Werbepartner, um ihr Investment wieder hereinzubekommen.

Vielleicht haben wir im vergangenen Oktober 2017 einen Vorgeschmack auf die Zukunft erhalten: Philip Morris stellte in der Nähe des Haupteingangs der Suzuka-Rennstrecke einen grossen Pavillon auf, dort konnten die Fans die elektrische Zigarette IQOS kennenlernen. Anders als Konkurrenzprodukte verdampft IQOS keine nikotinhaltige Flüssigkeit, sondern erhitzt echten Tabak. Dadurch soll der Dampf weniger Schadstoffe enthalten als regulärer Zigarettenrauch. Gesundheitsbehörden warnen: Das Suchtpotenzial sei vergleichbar wie beim Genuss von Zigaretten.

IQOS kam 2014 auf den Markt – zunächst in Japan und in Italien, 2016 war das Produkt in zwanzig Ländern erhältlich. Gemäss Angaben des Tabakunternehmens wurden in die Entwicklung des Produkts drei Milliarden Dollar investiert, 2017 soll IQOS am Gewinn von Philip Morris 700 Millionen Dollar beitragen.

Weltweit völlig uneinheitlich ist die Situation in Sachen Werbeverbot für E-Zigaretten. In Deutschland beispielsweise gilt für E-Zigaretten seit 2016 ein gleich strenges Werbeverbot wie für herkömmliche Zigaretten – also keine Werbung in Printmedien, im Hörfunk, im Fernsehen und auch nicht in Form von Sportsponsoring. In anderen Ländern wird unterschieden zwischen elektrischen Zigaretten, die Nikotin enthalten oder nicht. Wieder andere Länder haben überhaupt keine Werbe-Einschränkungen.

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