James Vowles (Mercedes): «Das war enger als erwartet»

Von Otto Zuber
Formel 1
Lewis Hamilton fuhr in Singapur einfach perfekt, betont Mercedes-Chefstratege James Vowles

Lewis Hamilton fuhr in Singapur einfach perfekt, betont Mercedes-Chefstratege James Vowles

Mercedes-Chefstratege James Vowles beantwortet Fan-Fragen zum Singapur-GP und spricht dabei über die Zitterpartie im Qualifying, die Reifenstrategie von Lewis Hamilton und die Probleme seiner Schützlinge beim Überrunden.

Wie gewohnt stellte sich James Vowles auch nach dem 15. Kräftemessen der GP-Stars den Fragen der Mercedes-Fans. Der Chefstratege der Silberpfeile fasste zunächst das Rennen zusammen und schwärmte: «Wieder ein unglaublicher Grand Prix! Dies ist eine extrem schwierige Strecke und alle Fahrer mussten sehr lange mit den gleichen Reifen fahren – das ist allen von ihnen gelungen und am Ende holte sich Lewis den Sieg.»

Danach stellte er sich einigen Fragen, die von den Fans in den sozialen Medien gestellt wurden. So wollte etwa «mingxian2393» auf Instagram vom Ingenieur wissen: Warum hat sich das Team bei Lewis Hamilton und Valtteri Bottas im Q1 für die ultraweichen Reifen entschieden und nicht für die hyperweiche Mischung? War das in Singapur nicht etwas zu riskant? Er erklärt dazu: «Uns steht im Qualifying nur eine begrenze Anzahl an Reifen zur Verfügung. In unserem Fall – und dem von Red Bull Racing sowie Ferrari – hatten wir nur vier Sätze der weichsten Mischung. Die Hypersofts sind ein sehr rares Gut auf einer Strecke, auf der sich alles darum dreht, das Beste aus dem Qualifying zu holen.»

Und Vowles räumt ein: «In unserem Fall setzten wir die ultraweichen Reifen im Q1 ein. Wir wussten, dass dies einige Risiken mit sich brachte und es ging enger zu als wir erwartet hatten. Aber schliesslich kamen beide Fahrer durch und dadurch konnten sie von da an ihr Programm auf den hyperweichen und somit schnellsten Gummis fahren.»

«@Elsilver_» wollte auf Twitter wissen, wie wichtig war erste Stint des Rennsiegers für die Strategie war. «Der erste Stint war der Grund dafür, dass Lewis zu einem unglaublichen Sieg fahren konnte», ist Vowles überzeugt. Und er lobt: «Er fuhr einfach perfekt. Zu Beginn achtete er sehr auf die Reifen, fuhr relativ langsame Zeiten und stellte sicher, dass sich immer Verkehr im sogenannten Boxenstopp-Fenster befand, sodass die Autos hinter ihm nicht ohne grosse Verluste stoppen konnten. Dann zog er die Pace kontinuierlich an und konnte seinen Verfolgern davonfahren. So hatte er in Runde 14, als Vettel stoppte, schnellste Sektorenzeiten fahren. Deshalb kam er eine Runde danach zum Reifenwechsel rein und befand sich dabei in einer guten Position im Vergleich zu Vettel.»

Auch «@usmanA23» meldete sich auf Twitter. Er fragt Mercedes: Hättet ihr Lewis hereingeholt, wenn es nach den ersten Boxenstopps eine Safety-Car-Phase gegeben hätte? Oder waren seine Reifen gut genug, um Angriffe der Verfolger auf frischeren Reifen abzuwehren? «Der weiche Reifen, den Lewis an der Box holte, hätte etwas mehr Schutz geboten als zum Beispiel Vettels ultraweiche Mischung. Aber ein Auto auf frischen hyperweichen Reifen hätte gegen Rennende wahrscheinlich die Chance gehabt, an Lewis vorbeizukommen», ist sich Vowles sicher.

«Es gibt einen kleinen Beweis dafür. Magnussen fuhr mit einer 1:41-Zeit die schnellste Rennrunde und war damit viel schneller als Lewis unterwegs. In Singapur ist das Überholen schwierig, aber ein stark abgenutzter weicher Reifen hätte wahrscheinlich keine Chance gehabt. So gesehen hängt es von der Runde ab. Aber es ist höchstwahrscheinlich, dass wir Lewis gegen Rennende hereingeholt hätten, um frische HyperSofts aufzuziehen – auch auf die Gefahr hin, die Führung zu verlieren.»

«kate.baldi» fragte auf Instagram, warum Valtteri Bottas solche Schwierigkeiten hatte, beim Überrunden an Nico Hülkenberg vorbeizukommen. Vowles antwortet: «Hülkenberg war ein Überrundeter. Er war bereits von den Führenden überrundet worden und lag eine Runde zurück. Er war kein direkter Gegner von Valtteri. Er kämpfte auch nicht gegen Autos vor ihm. Die Regeln in der Formel 1 besagen, dass man bis auf ungefähr eine Sekunde an den Vordermann herankommen muss, damit er blaue Flaggen gezeigt bekommt.»

«Diese blaue Flagge hätte in diesem Fall Hülkenberg erhalten. Dieser hätte dann Valtteri vorbeilassen müssen, der zu diesem Zeitpunkt kämpfte, die Lücke zum Vordermann zu schliessen. Aber Singapur ist eine der schwierigsten Strecken. Es gibt eine lange Abfolge an Kurven, in der es sehr schwierig ist, den Abstand zu halten, ohne die Reifen für einen langen Zeitraum zu schädigen. Valtteri versuchte alles, um vor ihn zu gelangen, ohne die Position an Kimi Räikkönen abgeben zu müssen. Es war eine Gratwanderung. Am Ende konnte er den Rückstand auf Hülkenberg nicht wettmachen und Valtteri konnte die Position gegen Räikkönen verteidigen. Also hielt er die Position.»

Schliesslich wollte «@JLawlor05» auf Twitter wissen, wie schwierig es ist, die Antriebseinheit in einem derart heissen Rennen zu kühlen. «Tatsächlich fahren wir andernorts bei höheren Temperaturen. Zum Beispiel in Bahrain, wo wir das erste und dritte Training tagsüber bestreiten. Die Temperaturen sind also nicht so sehr extrem. Für den menschlichen Körper ist die hohe Luftfeuchtigkeit viel schwieriger. Diese wirkt sich aber nicht auf das Auto aus», winkt Vowles ab.

Und der Fachmann erklärt: «Was in Singapur viel mehr ein Problem darstellt, ist die Tatsache, dass alle im Verkehr hintereinander herfahren. Es befinden sich fast immer Autos vor dir, die den Luftstrom stören. Auf einer Strecke wie in Monza kann man dann nach links oder rechts ausweichen, um frische Luft zu haben und in die Kühler zu lenken. Das geht in Singapur aber nicht so einfach und deshalb kommt es zu Schwierigkeiten. Deshalb haben wir eine Reihe an verschiedenen Varianten der Verkleidung, die mehr oder weniger Kühlung zulassen und dafür Performance kosten. Das passt man dann genau nach den Bedürfnissen an, die es erfordert, um durch das Rennen zu kommen.»

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Mathias Brunner
​Lewis Hamilton ist nach 2008, 2014, 2015, 2017, 2018 und 2019 zum siebten Mal Formel-1-Weltmeister. Doch sein Erbe besteht nicht aus Bestmarken, die er reihenweise niederreisst. Sein Erbe reicht erheblich weiter.
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