Renault ackert: Pause Weihnachten/Neujahr gestrichen!

Von Mathias Brunner
Formel 1
Im Werk von Renault Sport in Viry-Chatillon bleiben die Lichter an

Im Werk von Renault Sport in Viry-Chatillon bleiben die Lichter an

​Red Bull Racing-Teamchef Christian Horner unterstellt Renault, es an Hingabe mangeln zu lassen. Aber bei der Vorbereitung auf die Saison 2019 haben die Gelben die Pause zwischen Weihnachten und Neujahr gestrichen.

Ferien und Formel 1, das ist so eine Sache. Im Grunde sehen Millionen von Grand-Prix-Fans jeweils nur die Spitze eines Eisbergs, wenn die Rennställe von März bis November im Schnitt alle zwei Wochen zu einem WM-Lauf antreten. Vorher und nachher rackern sich Tausende von Spezialisten in den Rennwagen- und Motorenwerken ab, Überstunden gehören zur Arbeit wie Coca zu Cola. Das ging so weit, bis die Formel-1-Teamchefs die Reissleine zog und eine Sommerpause einführten.

Wieso wurden vierzehn Tage Pause im Reglement verankert? Viele Mitarbeiter der Rennställe haben Familie, alle arbeiten während einer GP-Saison an der Belastungsgrenze – zwei Wochen Ferien sind im Sommer dringend notwendig. Vor Jahren hat die damalige FOTA (Formula One Team Association) eine Selbstbeschränkung eingeführt, die Werke machen so gut wie dicht, 2014 wurde diese Sommerpause erstmals im Sportreglement der Formel 1 verankert, denn auch beim Autoverband wurde eingesehen – so kann es nicht weitergehen.

Sommerpause, das klingt nach Füssen im Sand, fröhlich kreischenden Kindern und einem guten Glas Rotwein bei einem leckeren Abendessen, im Hintergrund versinkt die Sonne im Meer. Wer nun jedoch glaubt, dass nur noch die Hausmeister des Nachts durch die Formel-1-Werke streifen würden, der irrt sich gewaltig.

Was also ist in diesen zwei Wochen zwischen Ungarn Ende Juli und Belgien Ende August erlaubt, was nicht? Vereinfacht formuliert: Alles, was mit dem Einsatz eines Rennwagens oder dessen Leistungsfähigkeit zu tun hat, ist untersagt. Aber, wie Adrian Newey in seinem höchst lesenswerten Buch «Wie man ein Auto baut» schreibt: «Du kannst den Menschen nicht verbieten, dass sie weiterdenken.» Wenn Arbeit im Werk nicht möglich ist, dann werden die grauen Zellen eben zuhause in Schwung gehalten. Oder Männer wie Newey ziehen sich ins Hotelzimmer zurück, weil sie eine Eingebung hatten.

Ich muss immer ein wenig schmunzeln, wenn ich daran denke, dass der Todestag des grossen Enzo Ferrari ausgerechnet in den «ferragosto» fällt, die traditionellen Sommerferien in Italien. Und in die Sommerpause der Formel 1. Piero Ferrari sagt dazu: «Mein Vater würde sich im Grab drehen. Er hasste “ferragosto”. Und er freute sich wie ein Kind, wenn er in Fiorano einen Test auf den 15. August ansetzen konnte.»

Vor kurzem hat Red Bull Racing-Teamchef Christian Horner den früheren Motorpartnern Renault mangelnde Hingabe unterstellt. Es geht nicht um die Fachkräfte vor Ort, wie Horner betont: «Den Renault-Jungs in der Box gehört meine grösste Bewunderung, weil ich weiss, wie sich sich tagein, tagaus die Finger wundgeschuftet haben. Aber letztlich hat Renault die eigenen Leute im Stich gelassen, weil die Firmenführung es an Hingabe vermissen liess, und das hat zu mangelnder Entwicklung und Standfestigkeit geführt.»

Ob es ein Zufall ist, wie nun Renault-Teamchef Cyril Abiteboul in AutoHebdo zitiert wird? Was die Franzosen so hübsch bezeichnen als trêve des confiseurs (wörtlich: Verschnaufpause der Zuckerbäcker), das ist die Pause zwischen Weihnachten und Neujahr. Normalerweise verbringen viele Menschen jene Tage im Kreis ihrer Liebsten. Nicht so im Motorenwerk von Viry-Châtillon und in der Rennwagenfabrik von Enstone (England), wie Cyril Abiteboul, Generaldirektor von Renault Sport und Teamchef des GP-Rennstalls bestätigt – die Pause ist kurzerhand gestrichen!

«Wir wollen unsere Chancen maximieren, mit unserem besten Chassis und dem kraftvollsten Motor zu den Wintertests vom Februar zu kommen», sagt der Pariser. Um den Abstand zu den drei Top-Teams Mercedes, Ferrari und Red Bull Racing weiter zu verkleinern, werden die Kerzen gewissermassen an beiden Seiten angezündet. «Das ist eine ganz wichtige Zeitspanne, in welcher unsere kommende Saison geprägt wird, also werden wir jeden Tag durcharbeiten. Alle Angestellten sind aufgeboten und mit einem Enthusiasmus dabei, dass die Funken fliegen.»

Formel 1 2019

Team-Präsentationen
13. Februar: Force India (Toronto)
15. Februar: Ferrari (Maranello)

Wintertestfahrten
18.–21. Februar: Wintertest 1, Barcelona
26. Februar bis 1. März: Wintertest 2, Barcelona

Saison 2019
17. März: Australien, Melbourne
31. März: Bahrain, Sakhir
14. April: China, Shanghai
28. April: Aserbaidschan, Baku
12. Mai: Spanien, Barcelona
26. Mai: Monaco, Monte Carlo
9. Juni: Kanada, Montreal
23. Juni: Frankreich, Le Castellet
30. Juni: Österreich, Spielberg
14. Juli: Grossbritannien, Silverstone
28. Juli: Deutschland, Hockenheim
4. August: Ungarn, Budapest
1. September: Belgien, Francorchamps
8. September: Italien, Monza
22. September: Singapur, Singapur
29. September: Russland, Sotschi
13. Oktober: Japan, Suzuka
27. Oktober: Mexiko, Mexiko-Stadt
3. November: USA, Austin
17. November: Brasilien, São Paulo
1. Dezember: Abu Dhabi, Yas Marina

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