Erste Fotos aus Windkanal: Formel 1 zeigt Auto 2021

Von Mathias Brunner
Die Formel-1-Führung zeigt während der Sommerpause ein Windkanalmodell, das Schlagzeilen machen wird: So könnte die Modellgeneration der Grand-Prix-Rennwagen anno 2021 aussehen.

Noch nie haben der Autoverband FIA und die Formel-1-Führung so Hand und Hand und dermassen intensiv an einer neuen Modellgeneration gearbeitet: Nach ausführlichen Flussdynamikberechnungen und ersten Computergrafiken, wie die Formel-1-Rennwagen ab 2021 aussehen könnten, wird die F1-Führung nun konkreter – sie hat auf der offziellen Webpage der Königsklasse Bilder eines Autos im Windkanal veröffentlicht. Im Windkanal werden derzeit die Daten aus der Berechnung gegengeprüft.

 Benützt hat die Formel 1 dabei eine der besten Windkanalanlagen der Welt, jene von Sauber in der Schweiz. Es ist das dritte Mal, dass ein Modell in den Windkanal gestellt worden ist. Im Januar 2018 handelte es sich um ein Modell im Massstab 3:5, im März folgte ein zweiter Lauf. Der dritte Versuch, von dem die Bilder hier stammen, erfolgte mit einem Modell im Massstab 1:2 und mit 18-Zoll-Rädern. Durchgeführt wurden die Versuche von einer inabhänging vom Alfa Romeo-Sauber tätigen Arbeitsgruppe, die sich im Hinwiler Windkanal um Fremdaufträge kümmert. Beim Windkanalmodell hier sollen die Form der Seitenkästen und des Heckflügels ziemlich genau der finalen Version 2021 entsprechen.

 Formel-1-Techniker Pat Symonds: «Unsere Windkanalversuche verlaufen ein wenig anders als jene eines Rennstalls. Bei ihnen geht es um die verschiedenen Kräfte, welche auf das Auto wirken, und darum, wie sich die Abtriebswerte bei verschiedenen Anströmungen verändern. Wir schauen uns das auch an, aber wir sind noch mehr daran interessiert, was in den Luftwirbeln hinter unserem Wagen geschieht.»

 «Wir arbeiten mit sehr hochgestochenen Rechenmodellen, aber nun wollen wir die Ergebnisse aus den ‘computational fluid dynamics’, also aus den Flussdynamikberechnungen, gegenprüfen mit den Daten aus dem Windkanal. Wir haben uns für ein 50-Prozent-Modell entschieden und es recht weit vorne im Kanal platziert, um ein möglichst gutes Bild von den Wirbeln dahinter zu erhalten.»

 Nikolas Tombazis, Technikchef bei der FIA für Einsitzersport: «Kern unserer Forschung ist es, den Abtriebsverlust des Verfolgers zu verringern. Wir arbeiten daher mit einem einfacheren Frontflügel und mit einem Diffusor, der mehr Abtrieb generiert. Auf diese Weise ist die Rolle des Frontflügels weniger dominant beim Erzeugen von Abtrieb, und er ist – beim Hintermann – weniger anfällig auf Strömungsveränderungen.»

 Mancher Fans wird fragen: Wieso wird nicht mit einem 1:1-Modell gearbeitet? Antwort: Weil das finanziell sehr aufwändig ist. Und wieso ein 50-Prozent-Modell und nicht der von den Teams verwendete Massstab 3:5? Pat Symonds: «Weil wir mit einem 50-Prozent-Modell mehr Raum in Windkanal erhalten, um zu sehen, was hinter dem Fahrzeug passiert. Wir glauben, das ist ein guter Kompromiss zwischen verlässlichen Werten vom Wagen und der Möglichkeit, die Wirbel zu erforschen.»

 Ein anderer Fan mag fragen: Wieso wird nicht einfach ein zweites Modell hinter das erste gestellt, um ein Bild zu erhalten? Pat Symonds: «Weil das nicht notwendig ist. Wir haben das 2008 mal getan, aber mit 25-Prozent-Modellen. Selbst in einem grossen Windkanal wie bei Sauber lassen sich nicht zwei Autos reinstellen und messen. Wir glauben, wir sind mit der Flussdynamik flankierend zu den Werten aus dem Windkanal gut bedient.»

 Wo stehen wir nun? Nikolas Tombazis fährt fort: «Grundsätzlich haben sich im Windkanal die Zahlen aus der Simulation bestätigt. Es gab keine Überraschungen. Wenn wir davon ausgehen, dass heute die Anströmung um 50 Prozent verschlechtert wird, wenn ein Pilot einem anderen Auto folgen will, dann liegen wir mit dem neuen Modell bei zehn Prozent.»

 Pat Symonds spricht sogar davon, «dass die Werte besser sind als wir erwartet hatten. Die Ergebnisse sind wirklich aussergewöhnlich.»

 Gegenwärtig arbeitet die Formel 1 zusammen mit der FIA und den Rennställen am Reglement für 2021. Es soll im Oktober fertig sein. Pat Symonds: «Die Teams waren sehr hilfreich. Sie haben enorme Ressourcen zur Verfügung, und si ehaben uns mit verschiedenen Projekten geholfen. Wir treffen uns regelmässig, um Daten durch ihre CFD-Programme zu schicken und uns dann Rückmeldung zu geben. Die Rennställe konnten sich gründlich einbringen, wie sie es wollten.»

 Das Windkanalmodell im Film sehen Sie hier:

 


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