Lewis Hamilton zur Wunder-Lenkung von Mercedes

Von Mathias Brunner
Formel 1

​Formel-1-Champion Lewis Hamilton kann der erfolgreichen Verteidigung seines WM-Titels frohen Mutes entgegensehen. Ist Mercedes trotz des genialen Lenkrad-Tricks zu bezwingen?

Die Gegner von Dauer-Weltmeister Mercedes-Benz sind hier am Circuit de Barcelona-Catalunya platt: Der geniale  Lenkrad-Trick der sechsfachen Champions ist nicht so einfach zu kopieren, und so mancher Schwarzmaler ist davon überzeugt – das Titelrennen ist schon gelaufen, noch bevor auch nur ein Grand Prix gefahren ist.

Mercedes bestätigt: Das System heisst DAS. In Barcelona wird gewitzelt, wofür das wohl stehen mag – «dominating all season» oder «darn awesome system»? Mercedes bestätigt nur: Das S steht für «steering» (Lenkung). Angeblich soll es für Zweiachs-Lenkung stehen, also «dual axis steering».

Zur Wunderlenkung im 2020er Silberpfeil sagt Hamilton: «Ich bin jetzt erst einen Morgen damit gefahren, ich muss sie noch besser kennenlernen. Was die Sicherheit angeht, so sehe ich keine Probleme. Die FIA kennt dieses Projekt. Die Lenkung zeigt, welch helle Köpfe bei Mercedes arbeiten, und ich finde es grossartig, wie unsere Mannschaft immer wieder versucht, mit innovatigen Lösungen die Nase vorne zu behalten.»

Lenkt das System vom üblichen Fahren ab? Lewis: «Nein, überhaupt nicht.»

Der 84fache GP-Sieger Hamilton wirkt denn auch tiefen-entspannt, auch wenn er eine anstrengende Woche hinter sich hat – eigene Modelinie präsentiert, Laureus-Award erhalten, Testbeginn in Katalonien. Der Engländer sagt: «Es war schon ein wenig hektisch, und ich versuchte, an jedem Tag noch eine Trainings-Einheit zu absolvieren, meist früh am Morgen.»

«Ich war auch mehrfach im Werk, um mit all meinen Technikern zu reden, dazu kamen Foto-Shootings und die Vorstellung des Autos. Dann meine Linie und die grandiose Ehre, als Weltsportler des Jahres geehrt zu werden, Seite an Seite mit Lionel Messi. Am Ende der Woche war ich total fertig, denn ich stand jeden Tag um sechs Uhr auf und kam immer spät ins Bett.»

«Am Dienstag vor dem Test hatte ich frei, von meinem Training abgesehen. Ich fühle mich gut. Wenn die Rennen wieder anfangen, dann kehrt ein gewisser Rhythmus zurück, darauf freue ich mich. Hier an der Testbahn finde ich die Stimmung im Rennstall ansteckend, alle brennen darauf, in die Saison zu gehen und unsere Titel zu verteidigen. Wir sind alle gut drauf.»

Zum neuen Rennwagen W11 sagt Hamilton: «Ein deutlicher Schritt nach vorne, keine Frage.»

Lewis über seinen Erfolgshunger: «Der ist ungestillt, mindestens so gross wie zu Beginn meiner Karriere, auch wenn ich ehrlich gesagt nicht mehr weiss, wie genau ich mich 2007 fühlte. Heute bin ich aber ein viel besserer Mannschaftsspieler, und ich weiss vor allem besser, wann ich wie viel Energie investieren muss. Ich finde es immer wieder inspirierend, neben so tollen Fachleuten zu arbeiten. Ich für meinen Teil kann dann im Cockpit versuchen, mein Talent einzubringen.»

Hamilton hat im Winter einige Kilo abgespeckt. «Ich bin einfach ein wenig schlanker geworden. Ich fand, ich hatte zu viel Muskelmasse, die ich gar nicht brauchte.»

Mercedes-Technikchef James Allison wirft zum (nicht so geheimen) Erfolggeheimnis von Hamilton ein: «Neben dem gottgegebenen Talent ist Lewis vor allem herausragend beim Gebrauch der Reifen. Er kann immer das Beste aus den Walzen herausholen. Über seinen natürlichen Speed und seine Rennintelligenz müssen wir ohnehin nicht reden.»

Zu seiner Zukunft über die Saison 2020 hinaus meint Hamilton: «Mercedes und ich teilen die gleichen Ziele. Aber wir spüren keine Eile, Vertragsverhandlungen möglichst schnell abzuschliessen. Wir haben uns noch nicht zusammengesetzt. Im Moment ist für uns wichtiger, flott in die Saison zu gehen. Toto Wolff war mir gegenüber immer offen, dass er mit mir weitermachen will. Wir werden nicht grosse Punkte besprechen müssen, es wird um Details gehen. Mercedes erlaubt mir, mich selber zu sein. Ich wurde nie gebeten, ein anderer Mensch zu sein. Immer wieder sind gewisse meiner Handlungen in Frage gestellt wurden, aber bei aller Bescheidenheit sage ich – die Ergebnisse der letzten Jahre zeigen, dass mich das bei der Arbeit auf der Rennstrecke nicht ablenkt.»

Wie muss man sich Verhandlungen zwischen Lewis und Toto eigentlich vorstellen? Hamilton lacht: «Beim letzten Mal sassen wir ganz gemütlich auf dem Sofa und haben uns die Bälle hin- und hergeworfen. An einem gewissen Punkt werden wir uns einig und schütteln die Hand, der Rest liegt dann jeweils bei den Anwälten.»

Wie sieht Hamilton die kommende Saison? «Ich fahre Rennen, weil ich mich mit anderen Piloten messen will. Ich hoffe, dass im letzten Jahr dieses Reglements die Teams dicht beisammen liegen. Ich bin bereit für einen grossen Kampf, und letztlich wollen das ja auch die Fans sehen. Wenn die WM dann erst beim Finale entschieden wird, umso besser – ich war schon in dieser Situation und habe ich dabei in der Regel gut aus der Affäre gezogen.»

Barcelona-Test, Tag 2 nach vier Stunden

1. Sergio Pérez (MEX), Racing Point RP20-Mercedes, 1:17,347 (48 Runden) C3
2. Daniel Ricciardo (AUS), Renault RS20, 1:17,749 (41) C3
3. Alex Albon (T), Red Bull Racing RB16-Honda, 1:18,155 (59) C2
4. Pierre Gasly (F), AlphaTauri AT01-Honda, 1:18,165 (77) C3
5. George Russell (GB), Williams FW43-Mercedes, 1:18,266 (71) C3
6. Charles Leclerc (MC), Ferrari SF1000, 1:18,335 (49) C3
7. Lewis Hamilton (GB), Mercedes W11, 1:18,387 (106) C2
8. Romain Grosjean (F), Haas VF-20-Ferrari, 1:18,496 (87) C3
9. Kimi Räikkönen (FIN), Alfa Romeo-Sauber C39-Ferrari, 1:18,525 (65) C3
10. Lando Norris (GB), McLaren MCL35-Renault, 1:18,537 (48) C2

Pirelli-Reifen von C1 (hart) bis C5 (extraweich)

Barcelona-Test, Tag 1

1. Lewis Hamilton (GB), Mercedes W11, 1:16,976 (94 Runden) C2
2. Valtteri Bottas (FIN), Mercedes W11, 1:17,313 (79) C3
3. Sergio Pérez (MEX), Racing Point RP20-Mercedes, 1:17,375 (58) C3
4. Max Verstappen (NL), Red Bull Racing RB16-Honda, 1:17,516 (168) C3
5. Daniil Kvyat (RU), AlphaTauri AT01-Honda, 1:17,698 (116) C3
6. Carlos Sainz (E), McLaren MCL35-Renault, 1:17,842 (161) C3
7. Daniel Ricciardo (AUS), Renault RS20, 1:17,873 (55) C2
8. Esteban Ocon (F), Renault RS20, 1:18,004 (62) C3
9. George Russell (GB), Williams FW43-Mercedes, 1:18,168 (73) C3
10. Lance Stroll (CDN), Racing Point RP20-Mercedes, 1:18,282 (52) C2
11. Charles Leclerc (MC), Ferrari SF1000, 1:18,289 (132) C3
12. Nicholas Latifi (CDN), Williams FW43-Mercedes, 1:18,382 (63) C3
13. Robert Kubica (PL), Alfa Romeo-Sauber C39-Ferrari, 1:18,386 (59) C3
14. Kevin Magnussen (DK), Haas VF-20-Ferrari, 1:18,466 (106) C3
15. Antonio Giovinazzi (I), Alfa Romeo-Sauber C39-Ferrari, 1:20,096 (79) C3

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