Portugal: Quali verschoben, Reparatur an Gullydeckel

Von Mathias Brunner
Formel 1
In Portugal wird gearbeitet

In Portugal wird gearbeitet

​Das Abschlusstraining zum Grossen Preis von Portugal ist um 30 Minuten verschoben: Ein loser Gullydeckel muss repariert werden. Es ist nicht das erste Mal, dass die Königsklasse deswegen zum Stillstand kommt.

Das Qualifying zum Grand Prix von Portugal musste um dreissig Minuten verschoben werden: In Kurve 14 war Ferrari-Star Sebastian Vettel über einen Gullydeckel gefahren und hatte das Metallgitter dabei herausgesogen. Das passierte kurz vor Schluss des dritten freien Trainings, es wurde abgebrochen.

Inzwischen wird an der Stelle fieberhaft gearbeitet. Das Problem: Solche Deckel sind rund um das Autódromo Internacional do Algarve verteilt. Wenn einer herausgehoben werden kann und zerbricht, gilt das auch für die anderen? Die Streckenposten in Südportugal inspizieren seit dem dritten freien Training die anderen Deckel. Die Stelle in Kurve 14 wird mit schnellhärtendem Zement bearbeitet.

Als die Formel 1 2009 auf dieser Strecke war, bauten die Rennwagen weniger Saugwirkung auf und fuhren auch auf schmaleren Reifen. Es ist zu befürchten, dass noch weitere Deckel locker sind.

Einen solchen Zwischenfall kennen wir aus Baku 2019: Da musste das erste Training zum Aserbaidschan-GP abgebrochen werden. Nachdem George Russell über einen losen Kanaldeckel gefahren ist und sein Williams schwer beschädigt wurde, konnte das erste freie Training zum Aserbaidschan-GP nicht wieder aufgenommen werden. Fachkräfte schwärmten aus, um die Kanaldeckel zu sichern. Das klingt einfach, war es aber nicht – rund um den Kurs des Baku City Circuit gibt es 320 solcher Kanaldeckel!

So ungewöhnlich ist es nicht in der Formel 1, dass Drainagen zur tödlichen Gefahr werden. 2018 ist in Monaco Ähnliches passiert. Nur einer konnte damals am Trainings-Donnerstag in Monte Carlo die Red Bull Racing-Piloten stoppen – ein Kanaldeckel. Max Verstappen befand sich auf einer extrem flotten Runde, als im zweiten freien Training die rote Flagge gezeigt wurde. Wie sich herausstellte, gab es ein Problem an einem Gully-Deckel ausgangs Casino-Platz Richtung Mirabeau.

Der frühere Rennleiter Charlie Whiting (im März 2019 verstorben) begab sich vor Ort. Wie aus dem Nichts tauchte ein Lieferwagen mit Schweissgerät und Fachpersonal auf. Die Monegassen sind in solchen Fällen extrem fit, denn es gab dort nicht zum ersten Mal Ärger mit Kanaldeckeln.

Am ersten Monaco-Trainingstag 2016 wurde vom Mercedes von Nico Rosberg ein Kanaldeckel aus seiner Verankerung gehoben, der nachher den McLaren-Honda von Jenson Button traf. Nach dem Zwischenfall wurde ein Ersatzdeckel beschafft und erneut mit dem Schweissbrenner festgemacht. Grundsätzlich werden alle Kanaldeckel vor einem Rennwochenende auf dem Strassenkurs besonders verschweisst oder gesichert. Doch beim betreffenden Deckel reichte das offenbar nicht.

Aber wieso nicht? Wie sich herausstellte: In der 25 auf 25 Zentimeter grossen Platte hatte sich ein Riss gebildet. Als immer und immer wieder Formel-1-Renner darüberfuhren, brach der Deckel – obschon er an vier Punkten verschweisst worden war. Es handelt sich übrigens um eine massive Platte, kein Gitter, das Gitter befindet sich dahinter.

Die Platte wird normalerweise geöffnet, um die Drainage zu inspizieren. Unser Kollege Peter Windsor hat damals das Teil fotografiert.

Die FIA-Regelhüter baten daraufhin die Rennorganisatoren, sämtliche Kanaldeckel noch einmal zu überprüfen. Was am Donnerstagabend bis in die Nacht hinein erledigt wurde. Eine ähnliche Inspektion gab es nach dem Zwischenfalls 2018.

Was klar sein muss: Ein aufgewirbelter, mehrere Kilo schwerer Kanaldeckel ist ein potenziell tödliches Geschoss. Das weiss auch Superstar Fernando Alonso. Der Spanier sagt: «Ein solcher Zwischenfall ist nicht akzeptabel. Offensichtlich wurde da eine Kontrolle nicht genau genug genommen.» Gegen solche Teile nützt auch der Halo wenig. Im Gegenteil: Ein kleineres Objekt könnte vom Titanschutzbügel auf den Körper des Piloten abgelenkt werden.

2010 crashte Rubens Barrichello oben am Casino schwer. Wie sich später herausstellte, hatte sich der Brasilianer offenbar an einem Kanaldeckel den Reifen aufgeschlitzt. Die Williams-Techniker glauben, dass damals der Vorderreifen des Renners den Deckel herausgesaugt hat, daraufhin wurde der Hinterreifen lädiert. In Runde 31 platzte der Reifen und bei Tempo 260 war «Rubinho» nur noch Passagier.

Aber Ärger gab es nicht nur in Monaco, sondern auch auf dem Sepang International Circuit von Malaysia. Ein kurioser Crash hatte 2017 in Malaysia für eine vorzeitiges Ende des zweiten freien Trainings gesorgt – und für einen stark beschädigten Haas-Boliden. Romain Grosjean wurde Opfer eines losen Gully-Deckels, der seinen rechten Hinterreifen explodieren ließ.

Der Genfer hatte Glück im Unglück und blieb beim Unfall unverletzt. Für den Schaden von rund 750.000 Dollar kamen die malaysischen Rennorganisatoren auf. Für solche Fälle sind sich versichert.

2005 fuhr der frühere McLaren-Pilot Juan Pablo Montoya in Shanghai über einen Kanaldeckel, der sich wie eine wütende Schlange aufgestellt hatte. Unterboden und Kühler wurden beschädigt.

1990 fuhr der Spanier Jesus Pareja beim Sportwagen-WM-Lauf auf dem Circuit Gilles Villeneuve über einen losen Kanaldeckel, der Tank seines Porsche 962 wurde aufgeschlitzt, der Gruppe-C-Renner begann zu brennen. Pareja kam zum Glück rechtzeitig aus seinem Auto heraus.

Und in Baku 2016 löste sich in der Boxengasse ein Abflussdeckel, als der damalige Williams-Fahrer Valtteri Bottas ein wenig nahe an der Boxenmauer entlangfuhr. Der Deckel wurde auf die Bahn geschleudert, zum Glück traf das Metallbruchstück niemanden.

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