Formel-1-Unfälle: Schutzengel im Dauereinsatz

Von Mathias Brunner
Formel 1
Robert Kubica bei seinem Unfall in Montreal 2007

Robert Kubica bei seinem Unfall in Montreal 2007

​Der fürchterliche Feuer-Unfall von Romain Grosjean hat gezeigt: Die Formel 1 bleibt allen Sicherheitsbemühungen zum Trotz gefährlich. In den letzten 25 Jahren standen die Schutzengel im Dauereinsatz.

1994 wurde der Sport am schwarzen Imola-Wochenende in seinen Grundfesten erschüttert: Am Freitag ein schwerer Unfall von Rubens Barrichello, der mit Glück keine gravierenden Verletzungen davontrug; am Samstag im Abschlusstraining der tödliche Unfall von Roland Ratzenberger; am Sonntag dann «fiel die Sonne vom Himmel», wie es Gerhard Berger bezeichnete, wir verloren Ayrton Senna, für viele der grösste aller Formel-1-Fahrer.

Knapp zwei Wochen danach lag der Tiroler Karl Wendlinger nach einem Trainingsunfall in Monte Carlo mehr als zwei Wochen lang im Koma, der damalige Sauber-Fahrer hat sich wieder ganz erholt.

Die Formel 1 reagierte umgehend, die Sicherheitsbestimmungen wurden verschärft, die jahrelange, bis heute anhaltende Arbeit war der Grund, wieso wir rund zwanzig Jahre lang keinen Fahrerunfall mit Todesfolge zu beklagen hatten.

Aber absolute Sicherheit ist eine Illusion. Die Formel 1 blieb immer überaus gefährlich, und nur dank verbesserter Autos, optimierter Strecken und sehr viel Glück gingen zahlreiche schwere Unfälle für die Fahrer glimpflich aus.

Mika Häkkinen überlebte einen Trainingsunfall in Adelaide 1995 lediglich dank der medizinischen Schutzengel der Formel 1, allen voran der 2012 verstorbene Professor Sid Watkins, zusammen mit dem früheren FIA-Präsidenten Max Mosley eine Triebfeder hinter den ständigen Bemühungen, Risiken zu minimieren. Häkkinen lag im Koma, kehrte aber auf die Rennstrecken zurück und wurde 1998 und 1999 mit McLaren-Mercedes Weltmeister.

Michael Schumacher erlitt 1999 in Silverstone beim Aufprall in einen Reifenstapel Beinbrüche und sprach später von einer Nahtod-Erfahrung. «Ich spürte, wie mein Herz langsamer und langsamer schlägt.»

2000 und 2001 kamen Streckenposten ums Leben, die ungefeierten Helden im Rennsport: In Monza 2000 wurde Paolo Gislimberti nach einem Massencrash von herumfliegenden Teilen getroffen und erlag später seinen Verletzungen. In Melbourne 2001 wurde Graham Beveridge von einem Rad erschlagen, das nach der Kollision zwischen den Autos von Jacques Villeneuve und Ralf Schumacher durch eine Lücke im Schutzzaun geschossen war.

In Spa-Francorchamps 2001 prallte der Prost-Renner von Luciano Burti mit fast 300 km/h in die Reifenstapel. Der Brasilianer zog sich eine schwere Gehirnerschütterung und Hirnblutungen zu und brauchte fast zwei Jahre, um sich von den Folgen des Unfalls zu erholen. Auf der gleichen Rennstrecke hatten die BAR-Fahrer Jacques Villeneuve und Ricardo Zonta furchterregende Highspeed-Unfälle.

Viele dachten nach dem grauenvoll aussehenden Crash von Robert Kubica in Montreal 2007, dass der BMW-Sauber-Fahrer das unmöglich überlebt haben konnte. Aber auch der Pole kam mit verhältnismässig leichten Blessuren davon, ein Jahr später gewann er am gleichen Ort seinen einzigen Grand Prix.

Felipe Massa wurde im Training zum Ungarn-GP 2009 von einer Schraubenfeder aus dem Heck des BrawnGP-Renners von Rubens Barrichello getroffen und am Kopf schwer verletzt. Nur wenige Zentimeter weiter unten, und man hätte mit dem Schlimmsten rechnen müssen. Der Brasilianer erholte sich vollständig.

Im Juli 2012 konnte die Spanierin Maria de Villota bei Testfahrten mit Marussia in England aus bis heute nicht vollständig geklärten Gründen nicht rechtzeitig anhalten und krachte in die heruntergelassene Laderampe eines Lkw. Sie zog sich schwere Kopfverletzungen zu, verlor ein Auge sowie den Geruchs- und Geschmackssinn. Im Oktober 2013 wurde sie tot in einem Hotel in Sevilla aufgefunden, die Gerichtsmediziner kamen zum Schluss, dass sie an den Folgen des Testunfalls verschieden ist.

In Belgien 2012 flog der Lotus von Romain Grosjean über den Ferrari von Fernando Alonso. Verschiedene TV-Blickwinkel zeigten – der Spanier konnte von Glück reden, dass er vom Rennwagen des Genfers nicht erschlagen wurde.

2013 starb Mark Robinson, als nach dem Kanada-GP der Sauber-Renner von Esteban Gutiérrez abtransportiert wurde. Der Streckenposten war gestolpert und vom Kranwagen überrollt worden.

Aber manchmal sind selbst die Schutzengel machtlos: 2014 kam der Südfranzose Jules Bianchi im Japan-GP von der Bahn ab und krachte in einen Kranwagen, der neben der Bahn stand, um den liegengebliebenen Renner von Adrian Sutil wegzuziehen. Bianchi zog sich schwerste Kopfverletzungen zu und lag bis zu seinem Tod in Sommer 2015 im Koma.

Der Unfall von Jules Bianchi führte zur Beschleunigung der Entwicklung und Einführung des Titan-Kopfschutzbügels Halo. Zudem wurde eine virtuelle Safety Car-Phase eingeführt, in welcher die Fahrer das Tempo erheblich verringern müssen. Bei Kranwagen auf der Bahn wird heute in der Regel ein Training unterbrochen.

Fernando Alonso segelte 2016 in Melbourne mit hoher Geschwindigkeit von der Bahn, entstieg nach mehrfachem Überschlag dem Wrack jedoch unversehrt.

Der Halo bewahrte Charles Leclerc 2018 in Belgien vor schweren Verletzungen: Als der McLaren von Fernando Alonso kurz nach dem Start über den Sauber des Monegassen flog, waren danach die Spuren am Schutzbügel unübersehbar.

Jede Hilfe zu spät kam für den Franzosen Anthoine Hubert beim Formel-2-Rennen von Spa-Francorchamps 2019. Nach einer Kettenreaktion im Feld wurde sein Wagen mit voller Wucht vom Renner Juan Manuel Correas getroffen.

Die Liste soll zeigen: Es ist möglich, die Risiken zu verringern, aber es bleibt unmöglich, die Gefahr zu verbannen. Es wird immer Unfälle geben, in welcher verschiedene Faktoren zu einem schwer verletzten oder toten Fahrer führen. So wie nun auch verschiedene Faktoren das Leben von Romain Grosjean gerettet haben.

Bahrain-GP, Sakhir

1. Lewis Hamilton (GB), Mercedes, 1:34:01,829 h
2. Max Verstappen (NL), Red Bull Racing, +1,254 sec
3. Alex Albon (T), Red Bull Racing, +8,005
4. Lando Norris (GB), McLaren, +11,337
5. Carlos Sainz (E), McLaren, +11,787
6. Pierre Gasly (F), AlphaTauri, +11,942
7. Daniel Ricciardo (AUS), Renault, +19,368
8. Valtteri Bottas (FIN), Mercedes, +19,680
9. Esteban Ocon (F), Renault, +22,803
10. Charles Leclerc (MC), Ferrari, +1 Runde
11. Daniil Kvyat (RUS), AlphaTauri, +1 Runde
12. George Russell (GB), Williams, +1 Runde
13. Sebastian Vettel (D), Ferrari, +1 Runde
14. Nicholas Latifi (CDN), Williams, +1 Runde
15. Kimi Räikkönen (FIN), Alfa Romeo, +1 Runde
16. Antonio Giovinazzi (I), Alfa Romeo, +1 Runde
17. Kevin Magnussen (DK), Haas, +1 Runde
Out
Sergio Pérez (MEX), Racing Point, Motorschaden
Romain Grosjean (F), Haas, Crash
Lance Stroll (CDN), Racing Point, Crash

WM-Stand Fahrer nach 15 von 17 Rennen

Fahrer
1. Hamilton 332 Punkte
2. Bottas 201
3. Verstappen 189
4. Ricciardo 102
5. Pérez 100
6. Leclerc 98
7. Norris 86
8. Sainz 85
9. Albon 85
10. Gasly 71
11. Stroll 59
12. Ocon 42
13. Vettel 33
14. Kvyat 26
15. Nico Hülkenberg (D) 10
16. Räikkönen 4
17. Giovinazzi 4
18. Grosjean 2
19. Magnussen 1
20. Latifi 0
21. Russell 0

Marken
1. Mercedes 533
2. Red Bull Racing 274
3. McLaren 171
4. Racing Point 154
5. Renault 144
6. Ferrari 131
7. AlphaTauri 97
8. Alfa Romeo 8
9. Haas 3
10. Williams 0

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