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Max Verstappen: Spott über ersten Zandvoort-Pokal

Von Mathias Brunner
​Die modernen Formel-1-Siegerpokale sind eine Mischung aus traditionellen Trophäen (wie an diesem Wochenende in Zandvoort) und Auszeichnungen, die bei den GP-Stars nur Spott und Hohn erzeugen.

Auf X haben die Organisatoren des Formel 1-WM-Laufs der Niederlande verraten, wie die 2025er Siegertrophäe aussieht: Ganz in weiss gehalten, in traditioneller Keramik-kunst des Landes von Traditionshersteller Royal Delft, mit dem königlichen Löwen des Landes in Gold für den Sieger, in Orange für den siegreichen Konstrukteur, in Rot für den zweitplatzierten Piloten, in Blau für den Dritten.

Designer Piet Boon hat sich bei der Form an jenem Pokal orientiert, der in Zandvoort nach dem ersten Rennen 1939 dem Sieger überreicht worden ist. Damit kehren die Niederländer zurück zu einer Lösung wie 2021, nachdem der Siegerpokal 2022 vom Künstler Pablo Lücker eher als Knicks vor Hauptsponsor Heineken zu verstehen war.

Den grünen 2021er Pott fand Weltmeister Max Verstappen übrigens «ein wenig hässlich. Aber ich bin schliesslich für den Sieg hier, nicht für den Pokal.»

Dabei hatten sich die Organisatoren bei der Rückkehr der Königsklasse in den Dünenkurs an der Nordsee so viel einfallen lassen. Die in Zusammenarbeit mit Formel-1-Sponsor Heineken erzeugte Trophäe sollte den Willen der Königsklasse zur Nachhaltigkeit unterstreichen – denn sie bestand ausschliesslich aus wiederverwerteten Materialien.

Gleichzeitig schlug sie eine Brücke zur Vergangenheit, weil ihre Form an jene Trophäe erinnert, die 1939 nach dem ersten Rennen hier in Zandvoort verliehen worden ist. Dritter Schwerpunkt: das Grün von Sponsor Heineken. Das Glas des oberen Teils bestand aus wiederverwerteten Heineken-Flaschen, eingeschmolzen und dann mundgeblasen in Leerdam, der Stadt des Glases. Der Sockel bestand aus Kunststoff: um genau zu sein, aus dem Plastik von alten Bierkisten. Und die Holzbox aus Abfall-Sperrholz.

Der Name des Siegers wurde mit Sand eingraviert, als Knicks vor der Lage der Rennstrecke in den Dünen von Zandvoort. Heineken liess sich damals nicht lumpen und produzierte über die Herstellung des Pokals sogar einen Kurzfilm mit der schottischen Rennlegende Sir Jackie Stewart.

Wir sehen: Alles in allem floss viel Hirnschmalz in den Pokal, aber Red Bull Racing-Star Max Verstappen war trotzdem wenig beeindruckt.

Das erinnerte mich an vergleichbare Worte von Lewis Hamilton und Sebastian Vettel.

Unvergessen Lewis Hamilton in Silverstone 2014: «Wann immer ich früher den britischen Grand Prix im Fernsehen sah oder mir alte Videos anguckte, dann sah ich den Sieger mit dieser fabelhaften goldenen Siegertrophäe. Auf die freute ich mich besonders, nachdem ich die Ziellinie gekreuzt hatte.»

Nur: Statt des ehrwürdigen Pokals erhielt Lewis vor neun Jahren zunächst ein Gebilde, das aussah, als sei es von einem Zehnjährigen zusammengebastelt worden. Mit Zutaten aus dem nächsten Baumarkt.

Hamilton spottete: «Die Auszeichnung sah aus wie Plastik, als erstes fiel der Boden heraus, sie wirkte, als hätte sie einen Wert von ungefähr zehn Pfund.»

Bei diesen Worten krampfte es Lord Burns den Magen zusammen: Er war damals Vorstandschef der Bank Santander in Grossbritannien, seine Firma war Hauptsponsor des Silverstone-GP und damit verantwortlich für seltsame Trophäe.

Auch die britischen Zeitungen schütten Hohn und Spott über das Gebilde, das wohl nur vom eigenen Designer richtig hübsch gefunden wurde.

Aber was hat es nun mit dem Goldpokal auf sich?

Seit dem ersten Grand Prix in Silverstone 1948 wird dem Sieger jeweils der so genannte Gold-Cup verliehen – eine Auszeichnung des Königlich Britischen Automobilklubs, «und ein Siegerpokal, wie er sein sollte», wie Lewis Hamilton betont. Zwei Wachmänner begleiten den Pokal das ganze Wochenende über, von seiner Reise im edlen Klubhaus Pall Mall in London bis nach Silverstone, während der Siegeszeremonie – und dann wieder zurück nach Pall Mall, denn der Gold-Cup ist eine Trophäe, die ein Formel-1-Sieger nicht behalten darf.

Sebastian Vettel schlug in Sachen Siegerpokale ähnliche Töne an. «Als ich begonnen habe, die Formel 1 im Fernsehen zu verfolgen, da hatten ein paar Rennen sehr ikonische Trophäen, was das Design oder Material betrifft. Das ist für mich Teil der Tradition.»

«Wenn ich mir die alten Fotos anschaue, dann sieht man in verschiedenen Ländern ganz bestimmte, typische Trophäen. Es ist doch langweilig, wenn wir einen Pokal von einem Titelsponsor bekommen.»

Ein Beispiel gefällig?

Als die Formel 1 2018 auf den Circuit Paul Ricard zurückkehrte, schaute «Iceman» Kimi Räikkönen auf dem Siegerpodest perplex seine seltsame Trophäe an: Ein Gorilla in Farben der Trikolore, der einen Pirelli-Reifen hält. Der Finne wird sich vielleicht gedacht haben: «Ich mach mich hier zum Affen.»

Hintergrund: Es handelte sich um eine Tierfigur des Pariser Bildhauers Richard Orlinski, erfolgreicher zeitgenössischer Künstler seines Landes, seine Neo-Pop-Werke sind bei Sammlern überaus begehrt.
Seine Gorilla-Skulpturen «Wild Kong» und «Wild Kong Oil» sind weltbekannt. Er hat auch Löwen, Leoparden, Bären, Kobras, Dinosaurier, Krokodile oder Wölfe in seinem typischen Stil umgesetzt.

Was sagt eigentlich der Autosport-Weltverband FIA zu den Pokalen?

Im Formel-1-Reglement ist verankert, dass die Auszeichnung für die ersten Drei eines Grand Prix «in Form eines traditionellen Pokals» ausgeführt sein muss.

Eine Vase in Ungarn lassen wir uns da gerne gefallen, weil dies traditioneller Handwerkskunst entspricht, genauso wie die hübsche Trophäe in den Niederlanden.

Wie die FIA den Affen erklärte, ist nicht überliefert.


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