Zandvoort: Norris 1., Hamilton-Dreher, Verstappen P6
Die Abstimmungsarbeit ist noch kniffliger als üblich, denn am GP-Wochenende der Niederlande in Zandvoort gilt – nicht einmal die lokalen Meteorologen sind sich ihrer Sache sicher.
An sich, so hiess es noch vor kurzem, sollte es schon am Freitagmittag regnen, tat es aber nicht. Für Samstag und Sonntag sind immer wieder Schauer vorhergesagt, und eine spannende Frage wird sein – wagt jemand in Sachen Set-up einen Poker? Wer auf mehr Abtrieb und damit gute Strassenlage setzt, kann vielleicht belohnt werden, oder eben nicht.
Die Neuheiten werden spärlich, denn die Rennställe haben umgestellt auf die Entwicklung der 2026er Rennwagen. In Zandvoort zu entdecken: Red Bull Racing mit verändertem Frontflügel für mehr Abtrieb, Alpine mit aerodynamisch günstiger gestalteten Lufteinlässen der Hinterradbremse, Sauber mit einer ähnlichen Verbesserung, um die Strömung im heiklen Bereich der Hinterräder zu optimieren.
Ohne technische Veränderungen seit Ungarn: McLaren, Ferrari, Mercedes, Aston Martin, Haas, Racing Bulls und Williams.
Das erste Training begann bei 20 Grad Lufttemperatur, der Asphalt auf 25 Grad aufgewärmt, mehr Wolken im Anmarsch.
Nach wenigen Minuten schon mal normales Tagesgeschäft der Formel 1 anno 2025: Piastri vor Norris.
Aber die Bahn ist noch, was die Briten als «grün» bezeichnen, mit wenig Gummi auf der Strecke, denn das Rahmenprogramm besteht hier nur aus der Formula Academy der schnellen Damen und aus dem Porsche-Supercup. Verstappen kurz vorne, dann wieder Piastri, dann Alonso, dann Albon.
Kimi Antonellis Mercedes zog funkensprühend um den Kurs – ganz offenbar mit sehr tief gelegtem Dienstwagen.
Carlos Sainz (Williams) beklagte sich über den strammen Wind, gemeinerweise in Böen auf Opfer lauernd.
Erster Aufreger: Lewis Hamilton mit einem Dreher am Ausgang von Kurve 2, vor der überhöhten Hugenholtz. «Mein Reifen sind abgeschliffen», schnaufte der siebenfache Champion.
Dank ging es Schlag auf Schlag: Tsunoda mit einem Dreher, schaffte es aber aus dem Kies heraus zurück Richtung Box, Antonelli dann ebenfalls im Kies, untersteuernd geradeaus gerutscht und im Kies gestrandet, rote Flagge.
Nach sieben Minuten war der Mercedes des 19-jährigen Antonelli aus dem Kies gepuhlt, der Bologneser hatte Mittagspause.
Norris kurz im Kies (konnte aber weitermachen), auch Sainz neben der Bahn (konnte ebenfalls weiterfahren), Verstappen weiterhin vorne, 144 Tausendstel vor George Russell im Mercedes, dann wieder WM-Leader Piastri an der Spitze, trotz eines Querstehers. Da ist bei McLaren noch viel Luft nach oben.
Norris liess sich weiche Reifen geben und pulverisierte die Bestzeit, 1,5 Sekunden vor Piastri. Der Australier hatte nun seinerseits den weichen Gummi von Pirelli aufziehen lassen, konnte die Zeit von Norris aber nicht knacken.
Stand: Norris, Piastri, Sainz, Hülkenberg, Leclerc, Hamilton, Bortoleto, Verstappen, Russell.
Piastri nahm einen neuen Anlauf, aber es reichte nicht gegen Norris: zu viele Fehler.
Nach 40 Minuten endlich auch Lokalheld Verstappen auf weichen Pirelli: Fünfter, hinter Norris, Piastri, Alonso und Albon.
Zandvoort ist keine ideale Bahn für den RB21 von Red Bull Racing: Das Auto fühlt sich am wohlsten in schnellen Bögen wie in Suzuka, davon gibt es in den Dünen an der Nordsee fast keine.
Ferrari auf den Rängen 14 (Leclerc) und 15 (Hamilton). Charles stöhnte am Funk: «Wir sind meilenweit von der Spitze weg.»
Zum Schluss stellten die meisten Piloten um auf Dauerläufe, denn dunkle Wolken rollten heran.
Merkwürdiges Ende für das Training von Max Verstappen: Nach der Startübung von der Bahn gerutscht in Kurve 1, zum Glück konnte der Niederländer der Pistenbegrenzung entgehen.
1. Training, Niederlande
01. Lando Norris (GB), McLaren, 1:10,278 min
02. Oscar Piastri (AUS), McLaren, 1:10,570
03. Lance Stroll (CDN), Aston Martin, 1:10,779
04. Fernando Alonso (E), Aston Martin, 1:10,841
05. Alex Albon (T), Williams, 1:11,171
06. Max Verstappen (NL), Red Bull Racing, 1:11,218
07. George Russell (GB), Mercedes, 1:11,386
08. Carlos Sainz (E), Williams, 1:11,458
09. Gabriel Bortoleto (BR), Sauber, 1:11,509
10. Pierre Gasly (F), Alpine, 1:11,613
11. Liam Lawson (NZ), Racing Bulls, 1:11,753
12. Isack Hadjar (F), Racing Bulls, 1:11,772
13. Nico Hülkenberg (D), Sauber, 1:11,875
14. Charles Leclerc (MC), Ferrari, 1:11,951
15. Lewis Hamilton (GB), Ferrari, 1:11,960
16. Yuki Tsunoda (J), Red Bull Racing, 1:12,126
17. Esteban Ocon (F), Haas, 1:12,144
18. Franco Colapinto (RA), Williams, 1:12,276
19. Oliver Bearman (GB), Haas, 1:12,564
20. Kimi Antonelli (I), Mercedes, 1:14,275