Barcelona-Test: Wirbel um Williams, Renault vor Coup

Von Mathias Brunner
Formel 1
​Williams fährt am ersten Barcelona-Testtag mit einem illegalen Heckflügel. Und Renault bereitet zusammen für Monaco eine Überraschung vor.

Da staunte die Konkurrenz: Williams-Testfahrer Alex Lynn probiert am ersten Testtag auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya einen Heckflügel aus, der an die gewaltigen Heckflügelriesen der 80er Jahre erinnert. Dieser Doppeldecker mit Zusatzflügeln würde an einem GP-Wochenende sofort von den Regelhütern verboten, weil er nicht den 2016er Vorschriften entspricht. Wozu also das Ganze?

Williams will damit die 2017er Abtriebswerte simulieren. Wir wissen, dass die Rennwagen im kommenden Jahr erheblich mehr Abtrieb aufbauen werden, überdies steigt dank breiterer Hinterreifen auch der mechanische Grip. Williams rüstete überdies den Frontflügel mit zusätzlichen Kohlefaser-Elementen aus, auch hier geht es darum, die zusätzlichen Kräfte zu simulieren, die im kommenden Jahr aufs Auto wirken.

Der Look bedeutet nicht, dass die Rennwagen 2017 so aussehen. Für Williams-Technikchef Pat Symonds und seine Fachkräfte geht es lediglich darum zu erfahren, was das Plus an Abtrieb für die Fahrzeugbalance bedeutet. In enger Zusammenarbeit mit Pirelli werden die Messungen auch dafür genutzt, um Simulationsdaten der Mailänder mit Werten direkt von der Rennstrecke zu ergänzen.

Red Bull Racing: Stärkerer Renault-V6 in Monaco?

Nach dem Sieg von Max Verstappen in Barcelona hat Red Bull Racing Blut geleckt. Daniel Ricciardo sagte über die vierfachen Weltmeister aus Milton Keynes: «Von den ganzen kommenden Rennen haben wir vielleicht in Monaco die besten Siegchancen. Und dann erhoffe ich mir einiges vom stärkeren Renault-Motor, den wir beim Barcelona-Test ausprobieren.»

Heisses Thema im Fahrerlager von Spanien: Sollte dieser Test positiv ausfallen, dann könnte das Debüt des verbesserten 1,6-Liter-V6-Turbos der Franzosen nicht erst in Montreal erfolgen, sondern schon in den Strassen von Monte Carlo.

Denn RBR-Teamchef Christian Horner meint: «Grundsätzlich ist da eine Entscheidung, die Renault treffen muss. Wir als Team sagen aber – wenn wir eine Möglichkeit sehen, in Monaco noch konkurrenzfähiger zu sein, dann werden wir uns die sicher nicht entgehen lassen. Im Spanien-GP haben wir davon profitiert, dass sich Mercedes selber in Schwierigkeiten gebracht hat. Monaco hingegen sahen wir schon vor der Saison als eine unserer besten Chancen auf den Sieg, zusammen mit Ungarn und Singapur.»

Renault-Geschäftsleiter Cyril Abiteboul bezeichnet den neuen Motor als «markanten Schritt nach vorne, ungefähr so gross wie jener Schritt, den wir im Winter gemacht haben».

In Zahlen übersetzt, so schätzen die Gegner, sprechen wir hier von 30 bis 40 PS und einem Zeitgewinn (je nach Rennstrecke) von drei oder vier Zehntelsekunden pro Runde.

Der neue Motor steckt heute im RBR-Auto von Daniel Ricciardo. Der Australier war am Morgen aber lange Zeit mit aerodynamischen Messungen beschäftigt (wie das grosse Messgitter am Wagen bewies).

Der neue Renault-Motor steckt auch im Werkswagen von Esteban Ocon. Die Franzosen wollen heute mehr als 100 Runden zurücklegen. Was bereits auffällt: Der neue V6-Motor ist lauter.

Was gibt es sonst Neues in Barcelona? Romain Grosjean fährt ein neues Chassis von Haas. Der Genfer und sein Team wollen herausfinden, wo die gute Form von Australien und Bahrain hingekommen ist. In China, Russland und Spanien gab es Probleme mit dem Reifen-Management.

Ferrari ergründet mit Sebastian Vettel, wieso das Team im Abschlusstraining schwächelte. Einfach wird das nicht, weil am heutigen Testtag ganz andere Bedingungen herrschen als im Qualifying zum Spanien-GP. Am vergangenen Samstag kletterte die Pistentemperatur über 46 Grad, nun ist der Boden zehn Grad weniger warm.

Die Bestzeit fuhr Jenson Button im McLaren-Honda: Seine 1:23,753 min hätten im Abschlusstraining zum Spanien-GP für Startplatz 9 gereicht. Aber aufgepasst: Der Engländer gönnte sich bei dieser Fahrt die superweichen Reifen. Die hatte Pirelli am vergangenen GP-Wochenende gar nicht im Gepäck.

Barcelona-Test, 1. Tag – Mittagszeiten
1. Jenson Button (GB), McLaren MP4-31-Honda, 1:23,753 (39 Runden)
2. Sebastian Vettel (D), Ferrari SF16-H, 1:23,763 (49)
3. Nico Rosberg (D), Mercedes F1 W07 Hybrid, 1:25,099 (54)
4. Alex Lynn (GB), Williams FW38-Mercedes, 1:26,071 (41)
5. Daniel Ricciardo (AUS), Red Bull Racing RB12-TAG Heuer, 1:26,086 (31)
6. Pascal Wehrlein (D), Manor MRT05-Mercedes, 1:26,464 (50)
7. Esteban Ocon (F), Renault RS16, 1:26,530 (47)
8. Romain Grosjean (F), Haas VF-16-Ferrari, 1:26,669 (35)

9. Pierre Gasly (F), Toro Rosso STR11-Ferrari, 1:27,795 (38)
10. Alfonso Celis (MEX), Force India VJM09-Mercedes, 1:28,570 (34)

Sauber beim Test nicht dabei.

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